Aachen: Fast 3800 Starter laufen in Aachen für den Frieden

Aachen : Fast 3800 Starter laufen in Aachen für den Frieden

Allein 1700 Grundschüler sind am Freitag beim 17. Aachener Friedenslauf am Start. Doch bevor es losgeht, rocken sie gemeinsam mit Elisabeth Wacker vom Hochschulsport den Elisenbrunnen und zählen dann den Countdown herunter...

Die Domsingschüler, zu erkennen an ihren blauen Mützen, legen gleich nach dem Start ein beeindruckendes Tempo vor. „Langsam, langsam“, rät Moderator Robert Esser, Redakteur unserer Zeitung, oben auf der Bühne. Denn beim Friedenslauf geht es nicht um Schnelligkeit, sondern darum, möglichst viele Runden zu bewältigen. Nur so kommt Geld in die Kassen, und das ist das Ziel des Sponsorenlaufs.

1700 der insgesamt 3774 Starter beim Friedenslauf sind Schüler. Sie sind begeistert bei der Sache. Foto: Harald Krömer

„Wir wollen in diesem Jahr vor allem auch ein Zeichen für die Vielfalt setzen“, sagt Matthias Fischer, Netzwerk Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus. Viele Schulleiter seien wegen der aktuellen Diskussionen um die Flüchtlingspolitik besorgt, und fürchten demnach vermehrt Abschiebungen auch unter ihren Schülern und deren Familien. Dass es diesmal so viele Teilnehmer am Friedenslauf gibt — insgesamt sind es 3774 — wertet Fischer auch als großes Zeichen der Solidarität.

Sechs Runden will der zwölfjährige Julian Schmitz von der Viktor-Frankl-Schule an diesem Vormittag schaffen, zwei hat er schon hinter sich. Den Friedenslauf findet er „cool, aber auch anstrengend“, und so hat er sich im Elisengarten unter einen Baum gesetzt, um sich zu erholen und zu stärken. „Unsere Schüler sind mit 100 Prozent Einsatz bei der Sache“, meint Julians Lehrer, Matthias Desojez.

Und der Friedenslauf sei vor allem auch deshalb super, weil sich die Schüler hier trotz ihrer Beeinträchtigungen solidarisch zeigen könnten. Und ihr Einsatz ist dabei tatsächlich so groß, dass sich eine von Julians Mitschülerinnen ein kühlendes Kissen auf die Stirn legen muss. „Ich bin die ersten Runden einfach zu schnell gelaufen“, gibt sie zu. Nach einer kleinen Pause gehen die beiden dann gut erholt wieder auf die Strecke.

Schüler und Lehrer zeigen sich gleichermaßen begeistert von der Idee hinter dem Friedenslauf, der diesmal unter dem Motto „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich würde mitmachen!“ steht. Das Gefühl, anderen Menschen helfen zu können, finden laut Thomas Weinen, Schulleiter der Förderschule Elsassstraße, auch seine Schüler toll. „Sich so für eine gute Sache anzustrengen, ist eine tolle Erfahrung“, sagt er, während die Schüler unermüdlich eine Runde nach der anderen drehen. Das so erlaufene Geld kommt anschließend Friedensprojekten, dem Netzwerk Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus und Pax Christi zugute.

Besonderer Schwerpunkt

Außerdem gibt es jedes Jahr einen besonderen Themenschwerpunkt. „Wir wollen den fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Ideologien etwas Positives entgegensetzen“, sagen die Organisatoren. Kinder und Jugendliche sollen demnach einen respektvollen Umgang miteinander pflegen und eine offene und bunte Gesellschaft kennenlernen. Und da passt auch ganz wunderbar ins Bild, dass das Friedenscamp an der Gesamtschule Brand mit seinen Teilnehmern ebenso vertreten ist wie Flüchtlinge von der Hauptschule Drimborn.

Die 13-jährigen Schülerinnen aus Brand sind schon eine ganze Weile vor dem Start des zweiten Laufs in den Elisengarten gekommen, um es sich dort bequem zu machen. Sophie Vondenbusch, Berit Krengel, Carla Pellio und Julia Soler-Alsinet laufen sehr gerne für den guten Zweck. „Und außerdem haben wir heute keine Schule“, sagen sie gut gelaunt. So um die sieben Kilometer wollen sie laufen, aber: „Wir wollen zusammenbleiben und immer auf diejenige achten, die am langsamsten ist.“

Im vergangenen Jahr nahmen 3600 Läufer am Friedenslauf teil und konnten dabei rund 78 000 Euro erlaufen. „Das war ein Rekordergebnis“, sagen die Organisatoren. Bleibt abzuwarten, wie viel Geld in diesem Jahr für die Friedensarbeit zusammenkommt.

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