Aachen: Fanforum: 50 Kinder jubeln schon vor dem Anpfiff

Aachen : Fanforum: 50 Kinder jubeln schon vor dem Anpfiff

Im Alemannia-Fanforum schreibt „sascha-s“ Anfang Januar zwei kurze Sätze. Wenige Tage später jubelt das evangelische Kinder- und Jugendheim Aachen-Brand so laut, dass man es eigentlich noch auf dem Tivoli hätte hören müssen: Denn sie gehen zum Regionalligaspitzenspiel Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss-Essen. „Dabei war das Stadion schon ausverkauft,“ betont Thomas Bayer, der in Brand Bereichsleiter der Tagesgruppen ist.

Und das bekanntlich schon seit Wochen, denn am morgigen Samstag werden exakt 30 313 Fans auf dem Tivoli dabei sein, wenn um 14 Uhr der Erste und Zweite der Regionalliga West aufeinandertreffen. Das ist die größte Zuschauerzahl, die jemals bei einem Viertligaspiel in Deutschland gezählt worden ist. Zur Feier des Tages überträgt sogar der WDR live.

Sascha Sauer, „sascha-s“, ahnt nicht was er an diesem Tag lostritt, als er im Fanforum fragt, ob ihm jemand ein Jugendheim empfehlen könne — er wolle zehn Jugendkarten spenden. Maciej Lukomski antwortet direkt und ist Feuer und Flamme: Er will auch Karten spenden und das gleich mit einem Verzehrgutschein. Die Idee für eine mögliche Einrichtung habe er auch schon. Viele Fans im Forum loben das Projekt und entscheiden sich zu spenden. Sauer und Lukomski gehen für 50 Karten in Vorkasse. „Wir fanden die Idee so gut, da haben wir eben erstmal aus der eigenen Tasche bezahlt“, erzählt Maciej Lukomski. Die beiden haben sich an die Marketingabteilung der Alemannia gewandt und konnten so Kontakt mit dem Caterer aufnehmen, so dass sie sogar vergünstigte Verzehrgutscheine erhalten.

Als zu jeder Jugendkarte noch ein Schal kommt, können sich die spendablen Alemannia-Fans kaum mehr halten. Die Schals habe ein Alemannia-Mitglied gespendet, das unerkannt bleiben wolle, so Lukomski.

Spiel, Schal, Essen und Getränk — eine unschlagbare Kombination für jeden jungen Alemannia-Fan. Aber von Neid bei Gleichaltrigen oder anderen, die keine Karte mehr bekommen, haben die Initiatoren bislang nichts mitbekommen. „Sogar Schüler haben sich an den Spenden beteiligt“, erzählt Lukomski, „das finde ich schon sehr beeindruckend.“ Im Fanforum tummelten sich bald immer mehr begeisterte Spender. Sauer und Lukomski wurde klar, dass dabei mehr Geld eingenommen wird als sie ausgegeben haben. Also haben sie sich direkt an das nächste Heimspiel gemacht und für die Partie der Alemannia gegen die Zweitvertretung des 1.FC Köln, am Samstag, 21. Februar, 15.30 Uhr, eine ähnliche Aktion ins Leben gerufen.

Aufwendige Organisation

Inzwischen hat sich auch die Alemannia eingeklinkt, „wir haben beschlossen das Projekt zu unterstützen,“ sagt Verwaltungsrat Horst Filbrich. Nächste Woche solle entschieden werden, ob die Karten zukünftig vom Verein gespendet werden. Sauer und Lukomski sehen sich bereits nach einem Verein um, unter dem die Spendenaktion weiterlaufen kann. Denn die Organisation für den einst so spontanen Einfall nimmt immer mehr Zeit in Anspruch.

Sauer erzählt, ihn habe Fußball erst interessiert, nachdem ihm ein Unbekannter mit Fan-Schal in Aachen auf der Straße eine Karte geschenkt habe. „Da habe ich mir mal das Spiel angeschaut“, seitdem sei er begeisterter Alemannia-Fan. Für die Kinder und Jugendlichen aus Aachen-Brand bedeutet die Aktion mehr als nur Fußball, sagt Thomas Bayer, „da steckt ein persönlicher Bezug mit drin, die Kinder fühlen, dass ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird.“

Mehr von Aachener Nachrichten