Aachen: Faire Bezahlung für Leiharbeiter gefordert

Aachen: Faire Bezahlung für Leiharbeiter gefordert

„Reduziert” prangt es in großen Lettern an der Fassade eines Geschäftes. „Leiharbeit fair gestalten”, steht auf dem Truck der Industriegewerkschaft (IG) Metall.

„Wir haben auch hier in Aachen Beispiele dafür, dass Leiharbeiter nicht einmal die Hälfte ihrer fest beschäftigten Kollegen verdienen,” kritisiert Franz-Peter Beckers, Geschäftsführer der IG Metall, im Schatten des nun doppeldeutig wirkenden „Reduziert”-Werbebanners. Die Gewerkschaft hat Station gemacht im Rahmen ihrer „Fair-Leih-Tour”.

Der Besuch auf dem Willy-Brandt-Platz mit dem 14 Tonnen schweren Gefährt war am gestrigen Montag Teil einer Kampagne unter dem Motto „Gleiche Arbeit - gleiches Geld”.

Scharfe Kritik übt die IG Metall dabei an den Arbeitsbedingungen in der Leiharbeitsbranche. „Viele wissen gar nicht, welche Rechte ihnen zustehen,” sagt Beckers.

Und er verweist auf eine Entwicklung innerhalb der Wirtschaftskrise. Denn auch in der Region hätten Leiharbeitnehmer im Zuge der Krise ihre Jobs verloren. Beckers sagt, bei Bombardier seien alle 300 Leiharbeiter vor die Tür gesetzt worden.

Bei Philips und Schumag, sagt Beckers, hätten seit Ende 2008 jeweils rund 200 Leiharbeiter ihre Arbeit verloren, was fast alle Leiharbeit-Stellen in diesen Betrieben beträfe.

Bundesweit seien 300.000 Jobs in der Leiharbeitsbranche lautlos und ohne Gegenproteste verloren gegangen. Das seien mehr Arbeitsplätze, als bei Opel in Deutschland oder bei Arcandor gefährdet seien, ergänzt Beckers.

Fragebogenaktion

Der Gewerkschafter verweist zudem darauf, dass zusätzlich abgebaute Stammarbeitsplätze bei einer hoffentlich bald wieder anziehenden Konjunktur wohl mit schlecht bezahlten Leiharbeitnehmern besetzt würden. Seine Gewerkschaft wolle daher auch im Raum Aachen in Zukunft mit den Betrieben Vereinbarungen über eine faire Bezahlung abschließen, um zu gewährleisten, dass Leiharbeitnehmer fair bezahlt würden.

Leiharbeiter verdienten heute teilweise so wenig, dass ihnen bei Jobverlust manchmal ein geringeres Arbeitslosengeld I zustünde, als den Beziehern von Arbeitslosengeld II Hilfen zur Sicherung des Lebensunterhaltes, sagt Beckers.

Gerade in der Krise sollten die Arbeitnehmer jedoch für ein „Gutes Leben” streiten, findet Beckers. Dazu gehörten Grundwerte der Gesellschaft, wie Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit, Anerkennung, Würde und Respekt.

Hierzu hatte sich die IG Metall Aachen in den vergangenen Wochen auch an einer Fragebogenaktion über die wirtschaftliche Situation beteiligt. Rund 2500 Fragebögen hat die Gewerkschaft dazu an die Arbeiter ausgegeben. Als Anreiz zum freiwilligen Ausfüllen hatte sie gelobt, je einen Euro für ein soziales Projekt zu spenden.

Da rund 1500 Fragebögen ausgefüllt worden seien, sagt Beckers, würden nun etwa 1500 Euro an das Schul-Projekt „Aachener Tafel - jedem Kind eine Mahlzeit” gespendet. Und während Gewerkschafter Passanten Broschüren über „faire” Löhne zustecken, lockt das „Reduziert”-Werbebanner weiter Schnäppchenjäger an.

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