Aachen: Fackel als Zeichen des Friedens aus dem fernen Sarajevo

Aachen: Fackel als Zeichen des Friedens aus dem fernen Sarajevo

Die Band Neogene begrüßte von der Bühne im Elisengarten die Aachener Friedensläufer, als sie am Sonntag beinahe pünktlich um 14.17 Uhr ihr gigantisches Friedensprojekt — den Lauf durch zwölf Länder, gestartet in Sarajevo am 27. Juli — erfolgreich beendeten.

Nach 56 Lauftagen und knapp 3000 zurückgelegten Kilometern durch den Balkan und halb Europa übergab Initiator Heinz Jussen, noch ganz außer Atem, die Sarajevo-Fackel an den Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp, an die NRW-Europaministerin Angelika Schwall-Düren und den Dürener Landtagsabgeordneten Peter Münstermann.

Die Performance der Jugendtheatergruppe von „Bina Mira — Bühne des Friedens“ erregte in der Krämerstraße erhebliches Aufsehen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Neogene hatte mit Liedern der eigens für den Lauf mit dem Titel „Flame for Peace“ (Flamme für den Frieden) eingespielten CD die Zeit bis zur Ankunft der Läufer überbrückt, am Ende schloss die Band mit einer rockigen Version der Europa-Hymne. Am Morgen waren die Läufer von Eupen aus zur letzten Etappe gestartet, um endlich den Zielort Aachen zu erreichen.

Neben den prominenten Unterstützern wie Günter Wallraff oder Joey Kelly war die dreifache Schwimm-Olympiasiegerin Rica Reinisch gekommen und moderierte den Nachmittag auf der Bühne. Auf ihre Frage, ob Marcel Philipp denn nicht auch hätte mitlaufen wollen, zog der sich geschickt aus der Affäre und lobte stattdessen diese Friedensinitiative 100 Jahre nach dem Ausbruch des ersten der beiden furchtbaren Weltkriege „als ein logistisch absolut anspruchsvolles und insgesamt faszinierendes Projekt“, das „hohen Respekt und Hochachtung“ erfordere.

Start mit der Bosnien-Hilfe

Schwall-Düren erinnerte nochmals an das Sarajevo-Attentat 1914 auf Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, das der Auslöser für ein vierjähriges Abschlachten von Menschen auf den europäischen und internationalen Schlachtfeldern war. Mit dem erneuten Krieg auf dem Balkan in der ersten Hälfte der 1990er Jahre nach dem Zerfall von Titos Jugoslawien rückte das wieder arg zerstörte Sarajevo erneut ins Blickfeld.

Damals begann der Lehrer Heinz Jussen die Bosnienhilfe mit diversen Transporten zu organisieren. Am Sonntag beendete Jussen als entscheidender Organisator den großartigen Lauf mit Hunderten Beteiligten, darunter über die gesamte Strecke auch sechs Schüler des Rhein-Maas-Gymnasiums. Nach der Übergabe der Friedensfackel gestand Jussen der Moderatorin Reinisch, ihn hätten „unbeschreibliche Glücksgefühle“ übermannt. Jussen beschrieb eindrücklich die Gefühle der Läufer an zentralen Kriegsorten wie Verdun oder den Erlebnissen beim Halt etwa an Konzentrationslagern der Nazis in Serbien.

Nach dem Finish des Fackellaufs spielte die bosnische Rockband „Zoster“ im Elisengarten auf. Das Thema „Frieden“ ist im Übrigen weiterhin die zentrale Metapher des Theaterfestivals „Bina Mira —Bühne des Friedens“, das am Sonntag mit einer Performance im Rahmen der Ankunft des Friedenslaufes startete und bis Freitag, 26. September, andauern wird. Das Begegnungsfestival von Jugendtheatergruppen entwickelte sich seit etwa 2008 aus Treffen von Theatergruppen im bosnischen Tuzla, Banja Luka und dem serbischen Zrenjanin.

Das Festival begann Sonntagabend aktuell in der Kammerspielen des Theaters mit einer Aufführung der Gruppe „Pocomania“ aus Grevenbroich. Titel: „Als wär‘s ein Stück von mir...“.

Mehr von Aachener Nachrichten