Fachleute erklären das Instrument für die Stadtentwicklung

Flächennutzungsplan : In der Stadt Aachen wird’s langsam eng

„Wir sind an der Grenze.“ Die Worte, die Andrea Kranefeld vom Ingenieurbüro BKR aus Aachen findet, sind deutlich. Gemeinsam mit Fachleuten der Stadtverwaltung und mit der Kommunalpolitik hat sie vorgestellt, woran sie in den vergangenen fünf Jahren gearbeitet hat: den Entwurf für den Flächennutzungsplan der Stadt.

Zwei Dinge wurden dabei klar. Erstens: Der Bedarf an Grünflächen, an Wohnflächen und Gewerbeflächen in Aachen ist enorm. Zweitens: Der Platz für Grünflächen, Wohnflächen und Gewerbeflächen in Aachen wird langsam knapp.

„Aachen fängt langsam an, die Grenzen seiner Bebauungsflächen zu erreichen“, sagte dann auch Harald Baal, Fraktionschef der CDU im Aachener Stadtrat und Vorsitzender des städtischen Planungsausschusses. In vielen Sitzungen, unter anderem in einer Mammutsitzung im April, hatte sich die Kommunalpolitik mit dem Flächennutzungsplan beschäftigt. Denn die Aufgabe der Politik, so erklärte Baal, sei es, genau abzuwägen, welche Interessen für Aachens Zukunft in welchem Fall wichtiger sind: Die Grünflächen, die Lebensraum für Pflanzen und Tiere bilden und Frischluftgarantie für die Stadtbevölkerung sind? Neue Wohngebiete, die den steigenden Mieten Einhalt gebieten könnten und wo dringend benötigte Häuser für Aachener Familien gebaut werden könnten? Oder Gewerbeflächen, damit die Aachener Betriebe sich weiterentwickeln können, damit die Aachener Bevölkerung auch in Zukunft Arbeit findet? Und diese Gedanken machen sich die Politiker natürlich nicht allein: Rund 800 Eingaben zum Flächennutzungsplan habe es aus der Bevölkerung und von Trägern öffentlicher Belange gegeben. „Und dass sich so viele Menschen mit der Zukunft Aachens beschäftigen, finde ich ziemlich genial.“

2070 wird noch schwieriger

Keine einfache Aufgabe für die Politik, räumt Baal ein, „aber unsere Nachfolger, die den Flächennutzungsplan 2070 auf die Beine stellen müssen, werden es noch schwerer haben als wir“.

Schon der jetzige, noch im Entwurf befindliche Plan sei deutlich anspruchsvoller als seine Vorgänger, wie Elmar Wiezorek, Fachbereichsleiter Umwelt bei der Stadt Aachen, erklärte. „Der Klimaschutz ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Flächennutzungsplans“, betonte er. Maßgabe sei, dass sich die Situation in Sachen Frischluft für die Stadt in Zukunft nicht verschlechtern dürfe.

Und weil das so ist, wird es künftig nicht gerade leichter, Wohngebiete und Gewerbegebiete zu entwickeln, machte Andrea Kranefeld klar. Bis 2035, das gehe aus unterschiedlichen Hochrechnungen hervor, könnte Aachen rund 10.000 Einwohner mehr haben als derzeit, also 265.000 statt 255.000 Menschen. „Und nicht nur für die brauchen wir neue Wohnungen“, führt die Planerin aus. Auch die Menschen, die derzeit schon in Aachen leben, hätten erhöhten Wohnungsbedarf. Doch anders als in anderen Gegenden Deutschlands sinke in Aachen – statistisch gesehen – die Quadratmeterfläche, die jeder Einwohner zur Verfügung hat.

Das sei in den teilweise dörflich geprägten Stadtteilen natürlich anders als in der Innenstadt und werde auch unterschiedlich wahrgenommen, erklärte Niels-Christian Schaffert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Darum lege die Verwaltung auch Wert darauf, in den einzelnen Bezirken mit ihren Ideen für den Flächennutzungsplan vorstellig zu werden. Überall würden zusätzliche Erörterungstermine angeboten.

Grünflächen sind wichtig

Ob nun bei ihnen vor der Haustüre oder für die gesamte Stadt: Vielen der anwesenden Bürger war der Erhalt der Grün- und Waldflächen auf Aachener Stadtgebiet ein großes Anliegen. „Können Sie, die diesen Entwurf für einen Flächennutzungsplan entwickelt haben, nachts noch gut schlafen?“, wollte in diesem Zusammenhang einer der Zuhörer wissen, denen Stadtsprecher Bernd Büttgens in einer moderierten Fragerunde das Mikrofon zur Verfügung stellte. Nein, der Flächennutzungsplan sei nicht das einzige Instrument der Stadt, um etwas für den Klimaschutz zu tun, betonte Natascha Rohde, Abteilungsleiterin Vorbereitende Bauleitplanung. So müsse auch die Mobilität dazu beitragen, dass man in Aachen auch in Zukunft genug Frischluft bekommt. „Und wir müssen mehr mit den Nachbarkommunen zusammenarbeiten, wenn es um die Themen Wohnbebauung und Gewerbeflächen geht“, so die Fachfrau.

Noch bis zum 12. Juli dauert die Offenlage des Entwurfs des Flächennutzungsplans. Alle Termine für die angebotenen Sprechzeiten in den Bezirken sowie die Öffnungszeiten des Fachbereichs Stadtentwicklung an der Lagerhausstraße, wo der gesamte Plan eingesehen werden kann, gibt es online.

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