Fach Glück: Sabine Hammerschmidt leitet die Grundschule Oberforstbach

Die Schule mit dem Schulfach „Glück“ : Kinder in ihren Stärken fördern

Kinder müssen sich wohlfühlen in der Schule. Und sie müssen in ihren Stärken gefördert werden. Das sagt Sabine Hammerschmidt, die seit gut sechs Monaten Leiterin der Grundschule Oberforstbach ist.

Seit gut einem halben Jahr haben die 180 Mädchen und Jungen der Gemeinschaftsgrundschule Oberforstbach eine neue Schulleiterin. Sabine Hammerschmidt trat im Februar die Nachfolge von Maria Schiefer an, als diese in den Ruhestand ging. Sabine Hammerschmidt, 58, die zuvor viele Jahre Rektorin in Monschau-Höfen und danach in Stolberg-Atsch war, leitet nun eine Schule, die in mancherlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Die GGS Oberforstbach im Aachener Süden hat zum Beispiel ein Mathe-Museum, sie hat ein eigenes Schulradio – und sie hat „Glück“ als Unterrichtsfach.

„Glück“ ist in Oberforstbach bereits seit Jahren im Unterrichtsalltag verankert. Im Kern geht es darum, Lebensfreude, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Die Kinder sollen zum Beispiel Gefühle wahrnehmen und kreativ verarbeiten. Wer spürt, dass er wütend ist, kann seine Wut in einen Luftballon pusten, sich dann draufsetzen und ihn mit Schmackes zerplatzen lassen. „Die Kinder sind danach ganz befreit“, hat Sabine Hammerschmidt beobachtet. Gestaltet wird das „Förderkonzept Glück“ vom Verein Malaika, die Kosten, immerhin 11.000 Euro im Jahr, stemmt der Förderverein der Schule. „Das Schulfach Glück wollen wir auf jeden Fall auch in der Zukunft erhalten“, sagt Hammerschmidt. „Deshalb sind wir derzeit wieder auf der Suche nach Sponsoren für das Projekt.“

Das Schulgebäude in Oberforstbach liegt am höchsten Punkt des Ortes, 276 Meter über dem Meeresspiegel. Sabine Hammerschmidt freut sich über das viele Grün, das die Schule zu bieten hat, zum Beispiel auf dem großzügigen Naturschulhof. Und sie freut sich über eine besonders engagierte Elternschaft, die überall mit anpackt, wo es nötig ist. Väter und Mütter arbeiten zum Beispiel auf dem Schulgelände mit, sie lesen im Unterricht vor oder übernehmen Fahrdienste bei Projekten. Deshalb ist es der Schulleiterin wichtig, bei Neuerungen in der Schule nicht nur das Kollegium, sondern auch die Elternschaft mit ins Boot zu nehmen.

Und Ideen für Neues hat sie durchaus. So würde Hammerschmidt gerne ein Lerncoaching einführen, individuelle Gespräche für jedes Kind, die das Wohlbefinden erhöhen und so bessere Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen schaffen sollen. „Aus der Hirnforschung wissen wir, dass Kinder bessere Leistungen erbringen, wenn sie sich wohlfühlen“, sagt Hammerschmidt, die selbst eine Ausbildung zum Coach durchlaufen hat. Die Kinder sollen in den Einzelgesprächen mit der Klassenlehrerin selbst Ideen entwickeln, was sie verändern können und möchten. Hammerschmidt betont: „Solche Neuerungen sind aber nur machbar, wenn das ganze Kollegium mitzieht.“

Unterrichten im Team

Genauso gefragt wäre die Zustimmung die Kolleginnen auch beim Thema Teamteaching. Bisher gibt es in Oberforstbach in jedem Jahrgang ganz klassisch zwei Parallelklassen. Würden die beiden Klassen gemeinsam von einem Team unterrichtet, könnten die Kinder viel genauer nach Begabung und Leistungsstand in Lerngruppen aufgeteilt und viel differenzierter unterrichtet werden, ist Hammerschmidt überzeugt: „Die Kinder könnten so ganz anders gefördert werden.“

Für konsequentes Teamteaching wären allerdings auch zusätzliche Räume nötig – Platz, den die Schule derzeit nicht hat. „Es gibt keine Förderräume“, beklagt die Schulleiterin. Genauso wenig gibt es eine Aula, in der sich zum Beispiel alle Klassen miteinander zum Schulsingen treffen könnten. Notgedrungen singen deshalb die Erst- und Zweitklässler gemeinsam, und die größeren Kinder haben einen eigenen Termin.

Grundsätzlich, sagt Sabine Hammerschmidt, müsse es in der Grundschule immer darum gehen, dass die Kinder sich wohlfühlen und in ihren Stärken gefördert werden. „Dann können sie mit Freude lernen. Und vorhandene Schwächen können besser beseitigt werden.“

www.ggs-oberforstbach.de

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