Aachen: Experten nehmen den Aachener Wald unter die Lupe

Aachen : Experten nehmen den Aachener Wald unter die Lupe

Nachhaltige, umweltgerechte und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung: Dafür hat das Aachener Forstamt eine Zertifizierung vom Forest Stewardship Council (FSC) erhalten. Nun stellt sich das Team um Gerd Krämer erneut der Untersuchung, um das Gütesiegel für den Stadtwald zu bekommen.

Experten aus Berlin sind seit Montag in Aachen unterwegs, um den Forst genau unter die Lupe zu nehmen und nach festgelegten Kriterien zu bewerten.

Forstsachverständiger Raimund Kaltenmorgen, Forstamtsleiter Gerd Krämer, Hund Luke und Förster Hendrik von Riewel (von links) schauen sich den Baumbestand im Aachener Wald an. Foto: Ralf Roeger

„Wir haben uns am ersten Tag gut präsentiert“, sagt Gerd Krämer, Leiter des Aachener Forstamtes, im Gespräch den „Nachrichten“. Die beiden Auditoren Raimund Kaltenmorgen und Hendrik von Riewel haben am Montagvormittag Akten gewälzt, den Betriebshof unter die Lupe genommen und gemeinsam mit dem Stadtförster einen Rundgang durch den Wald gemacht. Erstes Zwischenfazit: „Der Zustand unseres Walds ist gut“, sagt Krämer. Lediglich der Eschenbestand, der von einem aus Osteuropa stammenden Pilz befallen ist, sei in einem schlechten Zustand.

Ein paar Fichten müssen weg

„Eine kleine Schwachstelle gibt es doch, die werden wir aber bald beheben“, sagt Krämer. Konkret geht es um einen alten Fichtenbestand in der Nähe der Pionierquelle. Der muss weichen, weil die Verkehrssicherheit an der Stelle nicht mehr gegeben ist.

Arbeit gemacht haben Krämer und seinem Team auch die Sturmschäden, die „Friederike“ hinterlassen hat: „Wir haben rund 3000 Kubikmeter Holz aus dem Wald holen müssen“, berichtet Krämer. Weil die aber nicht flächig, sondern vereinzelt gefallen seien, sei das eine Menge Arbeit gewesen. Planmäßig könne die Mannschaft vom Forstamt — teilweise mit Hilfe externer Firmen — pro Jahr etwa 16.000 Kubikmeter Holz schlagen, ohne die Nachhaltigkeit des Betriebs zu gefährden. Aufforsten tut sich der Aachener Wald im Übrigen möglichst von alleine: „Wir nehmen alte Bäume raus, bauen aber beim Aufforsten auf die Jungtriebe, die ohne menschliches Zutun entstehen“, erzählt Krämer. Das sei erstens kostengünstig. Zweitens garantiere es einen schönen Baumarten-Mix.

Das Leitbild, das der Zertifizierung zugrunde liegt, ist eine natürliche Waldgesellschaft. Wie die Stadt erklärt, ist damit alles gemeint, was im Wald ohne menschlichen Einfluss vorkommt: Diverse Baumarten, andere Pflanzen, Tiere und Pilze. Diese in Jahrtausenden entstandenen Lebensgemeinschaften sind sehr resistent gegen äußere Einflüsse wie Schnee, Sturm, Feuer oder Klimaveränderungen — und somit erhaltenswert.

„Forstbetriebe, die ihre Wälder nach den Standards des FSC bewirtschaften, tragen einen großen Teil dazu bei, diese natürlichen Waldgesellschaften zu erhalten oder den vorhandenen Wald dahin gehend zu entwickeln“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt.

Der Aachener Wald hat eine Fläche von mehr als 2300 Hektar. An seiner breitesten Stelle ist er 8,2 Kilometer breit und an der größten Nord-Süd-Ausdehnung 2,5 Kilometer tief. Um den Zustand des Waldes zu erhalten, stellte die Naturschutzorganisation Greenpeace 2001 den Antrag, den Wald unter den Schutz des FSC-Siegels zu stellen. Es wurde erstmals 2003 erteilt und ab 2008 verlängert. Die Chancen stehen gut, dass das auch noch länger so weiter geht. „Für uns ist das FSC-Siegel eine schöne Bestätigung der Arbeit, die wir hier im Wald leisten“, sagt Gerd Krämer.

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