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„Salvatorklänge“: Experiment aus der Not geboren

„Salvatorklänge“ : Experiment aus der Not geboren

Die Konzertreihe „Salvatorklänge“ wurde im idyllischen Garten unter Wahrung aller Vorschriften aufgenommen. Weitere Konzerte sollen folgen. Der Eintritt ist frei, eine Reservierung aber erforderlich.

Corona macht erfinderisch. Weil alle geplanten Konzerte in diesem Jahr ausfallen mussten, kehrte die Konzertreihe „Salvatorklänge“ als Gartenkonzert mit Künstlern aus der Region auf den Salvatorberg zurück. Um das notwendig zahlenmäßig begrenzte Publikum auszugleichen, wurde das Konzert gleich zweimal gespielt.

Der idyllische Garten im Schatten der Salvatorkirche stellte sich als wunderschönes, naturnahes Ambiente heraus. Der Geiger Michael Kibardin, der schon letztes Jahr in der Salvatorkirche aufgetreten war, brachte als Partner seinen russischen Landsmann Alexander Pankov mit, der mit seinem „Bajan“ (Akkordeon) dem Konzert auch den besonderen Akzent aufsetzte. Sie nutzten das besondere Flair des Gartens zu einem musikalisch interessanten wie auch kurzweiligen Programm.

Das Konzert stand unter dem Titel „Tango Fever“, was mit einem Akkordeon auch ohne weiteres zu assoziieren war. Dennoch begann das Programm mit einem klassischen Stück, der Mozart-Sonate C-Dur KV 296. Sie wurde von Mozart geschrieben „für Klavier mit Begleitung der Violine“; dass das Bajan als „Klavierersatz“ diese dominierende Position noch verstärken würde, war abzusehen. Aber die an Folkloristisches erinnernde Klangfarbe des Akkordeons setzte das klassische Werk darüber hinaus in manch neues Licht, das Aufschlussreiches an dem allzu bekannten Stück offenbarte. Die „sechs rumänischen Volkstänze“ von Béla Bartók, die folgten, hätten zur Mozartsonate normalerweise einen argen Kontrast ergeben. Hier aber stellte gerade das Folkloristische des Instruments die Gemeinsamkeit her.

Der große argentinische Komponist Astor Piazzolla war durch drei seiner berühmtesten Kompositionen vertreten, so mit dem „Grand Tango“, der dem russischen Cellisten Mstislav Rostropowitsch zugeeignet ist. Vor allem in dem besonders verbreiteten „Oblivion“ ist der melancholische Anteil des Tango herauszuhören. Nach einer weiteren Tango-Komposition, diesmal von Piazzollas Lehrer Carlos Gardel, gab es dann zwei Werke eines ukrainischen Tango-Komponisten, Efim Jourist, zu hören. Das Schlussstück des Programms intonierte das auch bei uns bekannte und oft gehörte russische Volkslied „Ein weiter Weg“.

Die Gäste zeigten sich überaus dankbar für einen bezaubernden Nachmittag bzw. Frühabend, der den zwei weiteren Gartenkonzerten an gleicher Stelle gespannt entgegensehen lässt. Beide Konzerte moderierte Florian Koltun mit aufschlussreichen, auch amüsanten Informationen zu den Musikwerken. Er wie auch Michael Kibardin thematisierten sehr zurecht, dass gerade in den „merkwürdigen Zeiten“ Kultur und Musik ihre Wichtigkeit für ein umfassend gelingendes Leben umso deutlicher offenbaren, auch wenn dieser Einsicht zuständigen Orts, trotz manch anerkennenswerter Bemühung, immer noch zu wenig Taten folgen. Für das Sozialwerk als Hüterin von Gästehaus und Kirche auf dem Salvatorberg erfüllte sich jetzt der Wunsch, so Dr. Simone Pfeiffer, erste Schritte in die Salvatorberg-Normalität zu gehen.

(red)