Aachen: Existenz des Musikbunkers in großer Gefahr

Aachen: Existenz des Musikbunkers in großer Gefahr

Der Geschäftsführer des Musikbunker-Vereins Lars Templin war sprachlos, als ihn die „Nachrichten“ am Dienstag über eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts informierten. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, sprach er von einem „Tiefschlag“. Der Grund: Vorläufig darf es keine Partys mehr im Musikbunker an der Goffartstraße geben. Damit ist die Existenz des Clubs im Frankenberger Viertel in großer Gefahr.

„Bis zur endgültigen Entscheidung über die Klage einer Nachbarin gegen eine dem Musikbunker e.V. erteilte Genehmigung dürfen dort keine Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen und bis 5 Uhr morgens stattfinden. Das hat die 5. Kammer in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss entschieden“, teilte das Verwaltungsgericht mit. Die Stadt hatte die Genehmigung erteilt. „Wir hielten und halten sie für vertretbar“, erklärte Stadtsprecher Hans Poth auf AN-Anfrage.

15. Januar 2014 Heute Musikbunker in Aachen vor dem Aus, Stadt sucht Investor VR Herbert Leuchter,Gwendolen Webster, Lutz Felbick,Lars Templin © Ralf Roeger

„Das ist ganz bitter für uns“, kommentierte Templin den Gerichtsbeschluss, „so etwas habe ich nicht erwartet. Kaum machen wir einen Schritt nach vorne, kommt wieder so was.“ Damit spielt Templin auf die mögliche Lösung eines anderen Musikbunker-Konflikts an. Vor Tagen war bekannt geworden, dass die beiden Aachener Musikbunker an der Burg Frankenberg und an der Junkerstraße vor einem Besitzerwechsel stehen, weil sich die Bundesimmobilienagentur (Bima) von beiden Objekten trennen will. Die Stadt hat aber mittlerweile signalisiert, dass sie an einem Erhalt der Bunker sehr interessiert sei und Gespräche mit der Bima führen wolle.

Möglicherweise könne eine Stiftung die beiden denkmalgeschützten Weltkriegs­relikte übernehmen und der Musikbunker-Verein weiterhin Nutzer bleiben. Darüber wollen Verein und Verwaltung am Freitag im Rathaus sprechen.

Nun aber steht der Verein vor einem ganz neuen Problem. „Unsere gesamte Einnahmesituation stellt sich nun völlig anders dar. Das ist eine Katastrophe“, sagte Templin. Zumal der Beschluss des Verwaltungsgerichts mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt. Das Gericht hat in seiner Entscheidung ausgeführt, dass „nach derzeitigen Erkenntnissen einiges dafür spreche, dass der durch die Baugenehmigung zugelassene diskothekenartige Betrieb zu laut und damit gegenüber der Nachbarin rücksichtslos sei“. Dabei hat die Kammer offen gelassen, „ob ein solches Vorhaben — wie die Nachbarin meint — überhaupt in dem Gebiet unzulässig sei“.

Der Antrag aus dem Juni des vergangenen Jahres habe aber Erfolg, weil nicht festgestellt werden könne, dass die maßgeblichen Immissionsrichtwerte für die Nacht eingehalten würden. „Auch ein vom Musikbunker-Verein vorgelegtes Gutachten beseitige die Zweifel der Kammer nicht. Denn die Annahme des Gutachters, dass die bis zu 400 Besucher großteils zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seien und es deshalb nicht zu lautem Parksuchverkehr komme, sei nicht belegt“, heißt es weiter in der Begründung. Vor allem Belästigungen bis in die frühen Morgenstunden durch lautstarke Unterhaltungen und Rufe von Besuchern, die auf Einlass warten oder eine Veranstaltung verlassen, seien der Nachbarin nicht — auch nicht vorübergehend — zumutbar.

Zwar darf der Verein weiterhin Konzerte veranstalten, so das Verwaltungsgericht, allerdings nur auf der Grundlage einer Genehmigung aus dem Jahr 1995. Das bedeutet „als Konzertsaal für 90 Personen mit Schankraum für 45 Personen als Probebühne und für unregelmäßig stattfindende öffentliche kulturelle Veranstaltungen“, so das Verwaltungsgericht. Und weil über Partys meist das Zuschussgeschäft der Konzerte gegenfinanziert wird, könnte mit dem Beschluss das Ende des Bunkers eingeläutet werden.

Wann das Verwaltungsgericht eine Entscheidung in dem Klageverfahren fällt, sei „derzeit nicht absehbar“. Die Stadt will nun prüfen, ob sie gegen den vorläufigen Beschluss eine Beschwerde einlegt. Darüber müsste dann das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheiden. Kommentar: Seite 14

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