Loverboy-Prozess: Ex-Rocker droht lange Haft

Loverboy-Prozess : Ex-Rocker droht lange Haft

Im sogenannten Loverboy-Prozess um den Ex-Rocker Fernando S. (36) wurde am Donnerstag nach 26 Verhandlungstagen die Beweisaufnahme geschlossen. Oberstaatsanwältin Jutta Breuer plädiert auf fünf Jahre Haft.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Christian Bülte hörte zunächst die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage.

Oberstaatsanwältin Jutta Breuer beantragte vor der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht für den in den ersten Verhandlungstagen mehrfach als „Aachener Rotlichtkönig“ titulierten Angeklagten eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren Haft. Zudem soll S. eine Summe von 65.000 Euro an die Staatskasse zahlen.

Die Anklagevertreterin sah es nach der langen Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der aus der Dürener Rockerszene und dem Kölner Türsteher-Milieu stammende Angeklagte in Aachen junge Frauen mit falschen Versprechungen zur Prostitution gebracht und sie später dazu gezwungen habe.

Mehrere Freundinnen

S. hatte, wie aus diversen Telefonmitschnitten und aus den Zeugenaussagen der Frauen ersichtlich wurde, seinen schnell wechselnden und zum Teil gleichzeitig an verschiedenen Orten mit ihm lebenden Freundinnen mit der sogenannten Loverboy-Masche jedes Mal das Blaue vom Himmel versprochen.

Einige der Frauen brachte er bei einem Aachener Escort-Service unter, andere schickte er jedoch bei guten Angeboten auch nach Süddeutschland in diverse Sauna-Clubs, wo sie anschaffen gehen mussten. Dasselbe galt für Etablissements in Hamburger Nähe. Die jüngste seiner „Freundinnen“ war zur Tatzeit zwischen 2016 und 2018 erst 19 Jahre alt.

Neben Menschenhandel und Zuhälterei klagte die Staatsanwaltschaft zudem diverse Betrugshandlungen an. Denn der eloquente und vom äußeren Wesen her sehr unverdächtig und verbindlich erscheinende Fernando S. brachte die Frauen in diversen Fällen dazu, ihm Geld zu geben, das er für sie und ihre angeblich gemeinsame Zukunft sparen wollte.

Shisha-Bar gescheitert

Daraus wurde meist nichts, auch das Projekt einer Shisha-Bar ging schief. So muss sich S. zusätzlich wegen diverser Betrugsfälle – begangen an den Frauen – verantworten, eine hatte sogar einen Kredit für ihn aufgenommen und eine Rolex-Uhr gekauft. Am Freitag werden ab 11 Uhr die Verteidiger im Landgericht am Adalbertsteinweg plädieren. Der Tag der Urteilsverkündung steht noch nicht fest.

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