Aachen: Europa-Serie des Aachener Malers Eric Peters im Krönungssaal

Aachen: Europa-Serie des Aachener Malers Eric Peters im Krönungssaal

Fast jeder Europäer hat sie seit dem 2. Mai 2013 schon einmal zwischen den Fingern gespürt, vermutlich ohne es zu ahnen: jene Sagengestalt der griechischen Mythologie, die dem Gebiet nördlich des Mittelmeers den Namen gab: Europa — als Wasserzeichen auf dem 5-Euro-Schein aus der zweiten Serie der Euro-Banknoten.

Mythos Europa — diesem Thema widmet sich eine Ausstellung, die zu einem europäischen Ereignis des Jahres im Krönungssaal des Aachener Rathauses stattfindet: „Europa entführen — Eric Peters‘ Interpretation über Europa und den Stier Zeus“, eine Art von künstlerischer Umrahmung der Verleihung des Internationalen Karlspreises 2014.

Der Aachener Maler, in den USA und seit einer legendären Ausstellung 2010 im Staatlichen Museum St. Petersburg auch in Russland von Sammlern wie ein Popstar hofiert, umkreist das Thema Europa vom Ursprung her, in einer vierteiligen Serie. Die Bilder zeigen den Stier und die Schöne — die Porträts von Gottvater Zeus und seiner Geliebten, der quasi inkognito an seiner argwöhnischen Gattin Hera vorbei als schwimmendes Rind auf seinem Rücken die Königstochter Europa nach Kreta entführt. So viel zum Hintergrund.

Ein leidenschaftlicher Europäer sah das erste der vier Werke bei einem Besuch im Atelier des Künstlers und bahnte der Rathaus-Ausstellung zusammen mit seinem amtlichen Nachfolger Marcel Phi-lipp den Weg: Aachens ehemaliger Oberbürgermeister und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums Jürgen Linden.

Zur Themenwahl: „Ein Maler ist das Kind seiner Zeit“, meint Eric Peters, der seine Gemälde auf einem kompliziert und zeitraubend fabrizierten Malgrund aus groben Böschungsmatten und selbstgeschöpftem Papier wie ein mittelalterlich wirkendes Fresko aufträgt. „Europa, die EU wird ja für fast alles verantwortlich gemacht“, sagt er. „Dabei vergisst man doch völlig die vielen und einfach ganz praktischen Vorteile.“

Das Bild von Europa, das sich jedermann quasi selbst zurechtzimmert, das ist im Prinzip das Thema seiner Serie. Wobei Eric Peters nicht Eric Peters wäre, wenn sich hinter dieser simplen Formulierung nicht ein ganzer philosophischer Gedankenkosmos verbergen würde. Der gebürtige Stolberger ist nämlich nicht nur ein überzeugter Anhänger der Quantentheorie, sondern auch des Zen-Buddhismus, ohne einschlägige Meditation beginnt er keinen seiner Tage.

Das Antlitz der Europa lässt er auf einem altflämischen Kragen überzeitlich jeweils oberhalb des Stierkopfes schweben. Und den überlagert er mit seinem eigenen Spiegelbild — als symbolisches Vexierbild, das so die für Peters alles entscheidende Frage aller Fragen umschreibt: Wie entsteht die vermeintlich so eindeutig wahrnehmbare Wirklichkeit? Ein komplizierter Zusammenhang. „Mir geht es um die Sicht auf eine andere Realität“, sagte er gestern Abend im Gespräch mit Jürgen Linden. Auf jeden Fall sind die Bilder grandios gemalt. (Bis 30. Mai, täglich 10-18 Uhr.)

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