Aachen: Euregionale Großfahndung: Familie zu sechst in Kombi unterwegs

Aachen : Euregionale Großfahndung: Familie zu sechst in Kombi unterwegs

Irgendetwas kann hier nicht stimmen: Eine sechsköpfige Familie fährt gemeinsam in einem BMW Kombi über die A44 von Belgien in Richtung Deutschland, kurz vor dem Autobahnrastplatz Lichtenbusch. In dem Auto ist allerdings nur Platz für fünf Personen. Außerdem sitzen zwei Kinder in dem Wagen. Kindersitze gibt es allerdings keine.

Kein Wunder, dass dieses Auto von der belgischen Polizei aus dem Verkehr gezogen wird. Bei einer euregionalen Großfahndung, an der am diesem Mittwoch rund 200 Beamte der deutschen, belgischen und niederländischen Polizei sowie der Bundespolizei und des Zolls beteiligt sind, wird die Familie erwischt — und zunächst gestoppt. Ihr Trip endet am Rastplatz Lichtenbusch. Das extrem stark nach Vanille riechende Fahrzeug muss zunächst einmal stehenbleiben.

polimja10 01.08.2018 Euregionlae Fahndung Grenze Lichtenbusch. Foto: Michael Jaspers

Seit Mai vorbereitet

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Dieser Tag, an dem die Beamten grenzübergreifend zusammenarbeiten, dient der Bekämpfung von KFZ-Kriminalität und Diebstahl-Banden, die oft über die Grenze in Richtung Aachen fahren, und vor allem auch der Pflege und Verbesserung der polizeilichen Grenznachbarschaft, wie Paul Kemen von der Pressestelle der Aachener Polizei erläutert. In gemischten Kontrollgruppen arbeiten die jeweiligen Beamten zusammen und kontrollieren Fahrzeuge an sämtlichen Grenzübergängen in der Region. „Auch im Hinterland. Da sind Zivilkräfte im Einsatz“, wie Kemen verrät. Selbst in Zügen ist die Bundespolizei im Einsatz.

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Der letzte Einsatz dieser Art liege schon einige Jahre zurück, so Kemen. Irgendwann sei es dann einfach mal wieder an der Zeit. Seit Mai wurde der Einsatz am Mittwoch vorbereitet. „Wir müssen den Kontakt intensivieren, da Kriminalität nicht an der Grenze aufhört“, sagt der Polizeisprecher. Und ergänzt: „Wir wollen sehen, was für Leute sich in der Region bewegen.“

polimja1 01.08.2018 Euregionlae Fahndung Grenze Lichtenbusch. Foto: Michael Jaspers

Nummernschildererkennung

Ein Drogenspürhund kam im Laufe der Fahndung auf dem Rastplatz Lichtenbusch auch zum Einsatz. Foto: Polizei Aachen/Paul Kemen

Unter anderem eben besagte Familie. Aber auch andere. So beispielsweise ein Paar aus Belgien. „Wir haben das Fahrzeug angehalten, weil das Kennzeichen schon auf den ersten Blick kein gültiges ist“, sagt Tom Bischoff, Hauptinspektor bei der belgischen Polizei. Bei der weiteren Kontrolle der beiden Personen stellt sich heraus, dass der Fahrer nicht nur mit ungültigem Kennzeichen unterwegs ist, sondern auch ohne Führerschein und entsprechenden Versicherungsschutz. „Der Wagen muss nun abgeschleppt werden, und den Fahrer erwartet ein Bußgeld von der belgischen Staatsanwaltschaft“, so Bischoff weiter.

Um so etwas zu erkennen, hilft zum einen der geschulte Blick der Polizisten. Zum anderen aber auch das sogenannte ANPR-Gerät, einfacher gesagt: eine automatische Nummernschilderkennung, die optisch einer mobilen Geschwindigkeitskontrolle ähnelt. „Das Gerät erkennt die Nummernschilder und liest sie sofort aus. Dann wird das Kennzeichen durch die Datenbank gejagt und festgestellt, ob etwas gegen den Fahrzeughalter vorliegt“, sagt Andy Peiffer, Zollbeamter der belgischen Motorradstaffel.

So geschehen im Fall des Fahrers eines weißen Lieferwagens. Der Fahrzeughalter, der er nicht ist, hat nämlich noch ein Bußgeld aus einem älteren Verfahren zu zahlen. Wird man in einem solchen Fall erwischt, bleiben zwei Möglichkeiten: entweder das Bußgeld sofort bezahlen oder das Fahrzeug als Pfand stehenlassen. „Dann hat der Halter zehn Tage Zeit, um das Bußgeld zu bezahlen und den Wagen auszulösen oder eine Ratenzahlung zu vereinbaren oder aber einen Anwalt einzuschalten, der das für ihn klärt“, sagt Peiffer. Die zu zahlenden 1600 Euro hat der Mann nicht dabei und so bleibt das Auto stehen.

Während diese und weitere Kontrollen laufen, zeigt sich auch der Helikopter der Bundespolizei am Himmel. „Der fliegt die Kontrollstellen ab und steht natürlich zur Verfügung, falls wir ihn brauchen“, sagt Petra Wienen von der Pressestelle der Polizei.

Positiver Drogenschnelltest

In Lichtenbusch kommt er zunächst nicht zum Einsatz. Dafür aber ein Spürhund am Boden. Der durchschnüffelt nämlich noch den Wagen der sechsköpfigen Familie. Denn auch der Verdacht auf Drogenkonsum besteht.

Das Auto duftet auffällig stark nach Vanille und auch die Personen wirken auffällig. Ein Drogenschnelltest des Fahrers fällt positiv aus. Auch der seines Beifahrers.

Während der Fahrer sodann im Polizeiwagen zur nächsten Wache und somit zum Bluttest gefahren wird, darf der Beifahrer mit einer der Beifahrerinnen am Steuer zum nächsten Shop mit Autobedarf fahren — um zwei längst überfällige Kindersitze zu besorgen. Erst dann geht der Trip weiter. Bußgeld inklusive.

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