Aachen: Erzählfestival „Zwischenzeiten“: Geschichten zum Gruseln und Träumen

Aachen: Erzählfestival „Zwischenzeiten“: Geschichten zum Gruseln und Träumen

Ein farbenprächtiges Video im Couven-Museum bietet bereits Einblicke in die diesjährigen „Zwischenzeiten“. Über die Programmauswahl der „Urklänge“ aus Geschichten, Musik und Gesang freut sich nicht nur Regina Sommer, die Urheberin und Gestalterin des vielsprachigen, reichhaltigen Kulturangebots.

Schirmherr und Begleiter ist diesmal Karl der Große, berichtet Regina Sommer, die 1996 in Aachen das „Haus der Märchen und Geschichten“ ins Leben rief. Die weit gereiste Erzählerin hat die Form der mündlichen Erzählung in vielen verschiedenen Ländern und Kulturen kennengelernt, selbst neue Erzählformen entwickelt und tragfeste Brücken zwischen Menschen und fremden Welten geschaffen.

In dieser Tradition steht auch der Schotte George MacPherson, „keeper oft he stories“ (Hüter der Geschichten), der gemeinsam mit dem Aachener Wissenschaftler Professor Simone Paganini (Systemische Theologie an der RWTH Aachen) das Zusammentreffen von uralten Mythen mit aktueller Forschung, heutigen Ideen und Wissen ausloten will. Wissenschaft und Märchen, geht das irgendwie zusammen? Und wie funktioniert es?

Auch Rick Takvorian, Aachener Kulturmanager und Ausrichter des immer beliebteren Schrittmacher-Tanzfestivals, unterstützt das Programm „sehr gerne“ mit Reflexionen über die Kunst des Erzählens in seinem armenischen Herkunftsland. Vielversprechend klingt auch das Vorhaben der „Schule des Hörens“ — vom 29. September bis 2. Oktober treffen sich Profi-Erzähler und Schüler zum Geschichten erzählen und hören.

„Wie Fernsehen im Kopf“, meinen begeisterte Anhänger dazu. Beteiligte Schulen und Einrichtungen sind unter anderem die Realschule Baesweiler-Setterich, die Gerlachschule Aachen, das Kulturzentrum Barockfabrik und das Berufskolleg der Städteregion Aachen in Alsdorf. Unter den Erzählern finden sich unter anderem Tuup (British Guyana), Gidon Horwitz (Israel/Deutschland) oder Regina Sommer, die eigentlich schon mit ihrem Vornamen zur Königin (der Geschichten) wird.

„Die Pracht der Kalifen“ betört mit Märchen und Geschichten aus 1001 Nacht: Orientalische Pracht und die Macht Harun al Raschids, des großen Karls Wegbegleiter, stellt Gidon Horowitz am 3. Oktober in der Barockfabrik vor. Zum Gruseln lädt „The King and the Corpse“ („Der König und die Leiche“) am 3. Oktober in die Barockfabrik ein. Denn die Leiche ist besessen von einem Geschichten erzählenden Vampir…

Der Tag der Balladen zeigt sich mit „Hört mal! Wortenklänge (sic!) und Gesänge“ — es ist der Tag der Barden, der Balladen, der Epen und des Fado am 5. Oktober im Haus Löwenstein, von 14 bis 19 Uhr. Am 4. Oktober gibt es ein tolles „Großvater und Enkel“-Programm in der Barockfabrik: „Märchen und Geschichten von grauhaarigen Helden und mutigen Kindern“ (15 bis 16 Uhr). Ron Evans, der wundersame indianische Erzähler, wird leider nicht kommen. Denn er ist fast 80 Jahre alt, und ihm sind die Flüge von Kanada nach Deutschland und zurück inzwischen zu anstrengend.