Aachen: Erstes Netzwerktreffen des Aachener Bündnisses für Geflüchtete

Aachen : Erstes Netzwerktreffen des Aachener Bündnisses für Geflüchtete

Gegründet wurde es vor drei Jahren, nun war Zeit für die erste Bilanz: Was konnte das Aachener Bündnis für Geflüchtete bislang bewirken? Das wollten Netzwerker, Experten und Ehrenamtler nun bei einem Treffen in der Nadelfabrik herausfinden.

„Unser Ziel war es immer, ein Signal des Willkommens in Aachen zu schaffen“, sagte Manfred Sicking, Sozialdezernent und fasste zugleich zusammen, dass man in den drei Jahren des Bestehens viel in Bewegung gesetzt hätte. Über 2000 Aachener hätten im Bündnis ihre Hilfsbereitschaft signalisiert, man hätte thematische Arbeitsgruppen ins Leben gerufen und viele geflüchtete Menschen von Übergangsunterkünften in geeigneteren Wohnraum gebracht.

„Wir haben Zugänge zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt geschaffen, konnten geflüchtete Menschen vernetzen und haben Weichen für den zukünftigen Umgang mit dem Thema gestellt“, sagte Sicking. Dennoch fügt er an: „Es gibt noch viel zu tun.“

Eingeladen zum Netzwerktreffen waren alle Akteure des Bündnisses, Fachleute aus der Politik und Verwaltung, der freien Träger und natürlich interessierte und ehrenamtlich engagierte Bürger. Es kam eine illustre Runde zusammen, die Vorträgen lauschte, diskutierte und — der Name lässt es vermuten — sich vernetzte. Entstanden war das Bündnis aus verschiedenen, bereits bestehenden Initiativen sowie Runden Tischen von Kommunen und Bundespolizei. Und das über Aachens Stadtgrenze hinaus. „Unsere Region ist enger zusammengerückt und hat gemeinsam Lösungsansätze entwickelt“, sagte Edeltraut Vomberg, Sozialdezernentin der Städteregion.

1958 Flüchtlinge in Aachen

Nun sei es an der Zeit, den Engagierten zu danken, schließlich habe ihr Wirken eine große, gesellschaftliche Bedeutung. „Die besondere Stärke des Bündnisses liegt darin, dass sich Menschen aus der gesamten Region zusammengetan haben“, sagte Vomberg. Diese Strukturen, die auch über Verwaltungsgrenzen hinweg entstanden seien, sollten bestehen bleiben. „Es wurden Patenschaftsmodelle entwickelt, Willkommenscafés ins Leben gerufen, gebrauchte Fahrräder gesammelt und repariert und Sprachkurse organisiert“, so Vomberg weiter. All das müsse nun Kontinuität bekommen. „Denn bis die Menschen alle integriert sind, wird es noch eine Zeit brauchen“, sagte die Sozialdezernentin der Städteregion.

Aktuell liegt die Zahl der in Aachen untergebrachten Flüchtlinge bei 1958 Personen. 749 von ihnen leben in städtischen Übergangsheimen und 1209 in Einzelwohnungen, verteilt im Stadtgebiet. Und die bräuchten sicher immer mal wieder Hilfe, beispielsweise bei Behördengängen, aber man solle sie mit der Hilfe auch nicht überladen. „Wir dürfen Betroffene nicht zu reinen Hilfeempfängern machen“, sagte Vomberg.

Damit umzugehen und dies zu verinnerlichen, brauche Zeit. „Das Bündnis tritt in eine neue Phase“, sagte Vomberg. „In den kommenden Monaten geht es weiter um die Integration.“ Und dass die nicht immer nach Plan verlaufe, wusste Autor und Migrationsforscher Mark Terkessidis in seinem Vortrag zu berichten. „Nicht alle geflüchteten Menschen sind nett, nicht alle sind dankbar, aber das ist nur allzu menschlich“, sagte er.

Er berichtete über ein Beispiel aus seinem Bekanntenkreis. Eine Familie hatte einen 19-jährigen Flüchtling aufgenommen und der entpuppte sich als — ganz normaler Teenager, der gerne lange im Bett liegen blieb und chillte. Ein für das Alter wohl übliches Verhalten, das der Familie zunächst aber übel aufstieß.

Ein weiteres Beispiel sei der Umgang mit Flüchtlingskindern. Oft werde darüber gesprochen, wie hoch der Anteil geflüchteter Kinder in Kindergärten sei. „Es sind doch in erster Linie alles Kinder“, sagte er. „Wir tun uns mit der Normalität des Ganzen nach wie vor schwer“, fasste Terkessidis zusammen.

Migration sei kein Randthema mehr, Migration habe es immer schon gegeben. Daher müsse man auch endlich vorhandene Strukturen überarbeiten und nicht immer weiter neue schaffen. Terkessidis sprach eben auch unangenehmere Themen an, stellte sich ein wenig als „Schlaumeier“ dar, wie Moderator Bernd Büttgens es formulierte. „Natürlich bin ich ein Schlaumeier. Ich habe viele Projekte in diesem Bereich gemacht. Einige sind gut, andere nicht. Aber aus allen Projekten kann man etwas lernen“, sagte der Autor.

Und genau das wird wohl im Bündnis künftig geschehen — Dinge ausprobieren, daraus lernen und Integration in Aachen positiv begleiten.

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