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Kommunalpolitik und Schule: Erster Einblick in den Stadtrat und die Ausschüsse

Kommunalpolitik und Schule : Erster Einblick in den Stadtrat und die Ausschüsse

Wieso sind die Dinge in Aachen so, wie sie sind? Wer entscheidet beispielsweise, wie oft die Busse fahren, und was ein Fahrschein kostet? Mit den Grundsätzen der Kommunalpolitik befasst sich das Schulprojekt „Politikum“. Schülerinnen und Schüler des Couven-Gymnasiums haben es ausprobiert.

Die Schülerinnen und Schüler einer neunten Klasse des Couven-Gymnasiums haben sich ein ganzes Halbjahr lang mit der Aachener Kommunalpolitik auseinandergesetzt: Sie haben sich mit Vertretern unterschiedlicher Parteien getroffen, haben Sitzungen von verschiedenen Ausschüssen besucht und auch den Stadtrat kennengelernt. Sie haben über demokratische Strukturen im Unterricht gesprochen und in einer Abschlussveranstaltung den Vertretern der Parteien auf den Zahn fühlen dürfen.

„Aus unserer Sicht war das Projekt ‚Politikum’ ein voller Erfolg“, sagt Andrea Genten, Politiklehrerin am Couven-Gymnasium, im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hat gemeinsam mit Stefan Rank von der Aachener Praxis „Perspektiven“ das Projekt betreut. Andrea Genten ist deshalb vom Projekt überzeugt, weil es den sonst vielleicht etwas trockenen Politikunterricht bereichert: „Das Thema Demokratie und Partizipation ist für die Schülerinnen und Schüler oft sehr abstrakt, sperrig und fernab ihrer Erfahrungswelt“, sagt die Lehrerin. Durch den Kontakt zu den Politikerinnen und Politikern konnte der Themenblock jedoch „mit Leben gefüllt“ werden.

„Die Schülerinnen und Schüler haben gesehen, dass hinter der Politik konkrete Menschen stehen, die sich engagieren und für ihre Ideen stark machen.“ Allein das war für den einen oder anderen Schüler spannend zu sehen. Als erwachsener Mensch seine wertvolle Freizeit in die Politik zu investieren, das foderte den jungen Menschen teilweise großen Respekt ab.

Bei einer Abschlussveranstaltung konnten die Schülerinnen und Schüler den Vertretern der Politik auf den Zahn fühlen. Foto: MHA/Sarah-Lena Gombert

Darüber hinaus hätten die jungen Menschen gelernt, wie man durch demokratische Instrumente Einfluss nehmen kann auf das, was passiert, fährt Andrea Genten fort. „Gerade in einem Wahljahr, in dem einige der Schülerinnen und Schüler erstmals wählen dürfen, ist das extrem wichtig“, findet Andrea Genten.

Den Schülerinnen und Schülern selbst sind ganz unterschiedliche Dinge wichtig. Bessere Busverbindungen, beispielsweise, oder auch die Sicherheit in der Aachener Innenstadt. Sie lernten, was Kompromisse bedeuten, und was Faktoren sind, die politische Entscheidungen beeinflussen.

Die Politikerinnen und Politiker auf der anderen Seite staunten teilweise nicht schlecht, als sie bei der Abschlussveranstaltung erfuhren, welches Bild die jungen Menschen von ihrer jeweiligen Partei haben: So attestierten sie der Linken, „kein klares Ziel“ zu haben und die Piraten seien besonders jugendlich orientiert. Die SPD kümmere sich um Arbeitnehmer und sei eine „Ältere-Leute-Partei“. Die CDU sei eine „ältere Partei“ und habe eine fragwürdige Online-Präsenz. Die Grünen seien gleichzeitig spießig als auch unorganisiert, wohingegen die FDP eine „Arbeiterpartei“ sei. Zum Glück hatten die politischen Vertreter an dem Abend noch die Gelegenheit, zu diesen Positionen Stellung zu beziehen...

Bislang hat sich außer dem Couven-Gymnasium jedoch keine andere Schule für das Projekt bei der Stadt gemeldet. Es sei sicherlich nicht leicht, das Projekt in den Schulalltag zu integrieren, heißt es aus dem Jugendamt. Nicht leicht, aber machbar, sagt Andrea Genten: „Das Projekt ist sicherlich auch an anderen Schulen machbar, und wir werden das mit Sicherheit auch weiter verfolgen“, betont Genten, die in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit den Parteien, mit Stefan Rank von „Perspektiven“ und auch mit dem städtischen Jugendamt betont.