Aachen: Erste offene Nacht des 3D-Druckens

Aachen: Erste offene Nacht des 3D-Druckens

Ein feiner grüner Faden, das so genannte Filament, ist der Grundstoff für ein grünes Bauteil, das sich emsig dreht und dabei nach und nach wächst. Wie ein 3D-Drucker funktioniert, konnten die Besucher bei der ersten offenen Nacht des 3D-Druckens in der Infobox an der Talstraße mit eigenen Augen verfolgen.

Gleich eine ganze Reihe von Druckern mit den dazugehörenden Computern stand bereit, um sich ein Bild zu machen von dem, was das „additive Fertigungsverfahren“ leisten kann.

3D-Druck in Aktion. Bei der offenen Nacht erläutert auch Martin Christians die moderne Technik. Foto: Heike Lachmann

„Wir wollen diese Technologie vor allem den Jugendlichen näherbringen“, erklärt Prof. Andreas Gebhardt, Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen. Die Fachhochschule hatte gemeinsam mit der Designmetropole Aachen zur Offenen Nacht eingeladen.

„Diese neuen Fertigungstechniken sind eine Revolution“, sagt Gebhardt. Er hofft, dass die Jugendlichen in ihren Familien davon erzählen und so ins Gespräch kommen. „Und wenn wir morgen Ingenieure haben wollen, müssen wir heute anfangen, sie für die Materie zu begeistern“, meint Gebhardt weiter. Hier und da fanden sich Beispiele von dem, was ein 3D-Drucker hervorbringt.

Bunte Vasen beispielsweise, oder die Figuren eines Schachbrettes. Das Problem dabei: Die Oberfläche der Produkte ist nicht ganz eben. Teilweise ist noch zu spüren, dass es sich dabei um einen feinen übereinandergelegten Faden handelt. Industriedesigner der Designmetropole Aachen haben mit der Herstellung von Schmuck experimentiert, wobei die die entstehenden Unebenheiten als künstlerisches Element verstanden.

Laut Laura Thurn, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Goethe-Lab der FH Aachen, liegen die Vorteile des 3D-Druckens auf der Hand. „Von der Idee bis zum Druck ist es nur ein kleiner Schritt“, meint sie. „Man hat das gewünschte Bauteil sofort in der Hand.“ Und Elemente, die es in der Massenproduktion nicht mehr gibt, die kann man selbst am Computer entwerfen und dann drucken.

Denkbar wäre so, Ersatzteile im Haushalt selber zu produzieren: Die Halterung einer Kaffeemaschine etwa, für die es keinen Ersatz mehr gibt, oder einen neuen Deckel für Omas Lieblingskanne. „Die Einsatzmöglichkeiten sind unerschöpflich“, sagt Laura Thurn.

Das Goethe-Lab beschäftigt sich bereits seit rund 16 Jahren mit dieser neuen Technologie. Und in dieser Zeit habe sich eine Menge getan, so Thurn. Demnach interessieren sich immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen für den 3D-Druck. „Wir wollen diese Technologie durch die Welt schießen“, sagt sie. Und diesem Zweck diente schließlich auch diese erste offene Nacht des 3D-Druckens in der Infobox.

Dazu gibt es immer wieder auch Vorlesungen an der FH, die die neue Technologie vorstellen. Ob Keramik, Kunststoff, Gold oder Silber: der 3D-Drucker stellt daraus die gewünschten Produkte her. Die müssen natürlich zuvor am Computer entwickelt werden. Laut Industriedesignerin Patricia Yasmine Graf von der Designmetropole gibt es aber inzwischen auch Bausätze, die man herunterladen kann. Wer allerdings ein individuelles Produkt möchte, der muss selber ran.

Der mobile „FabBus“ der Fachhochschule bietet die Möglichkeit, den 3D-Druck ganz genau kennenzulernen. „Mit dem ‚FabBus‘ kommt unser Schulungsraum direkt zu Ihnen“, heißt es in einem entsprechenden Flyer. Die Besucher der Offenen Nacht in der Infobox an der Talstraße jedenfalls zeigten sich interessiert. Sie beugten sich über die Drucker und ließen sich den Prozess des 3D-Druckens erklären. Und sie beobachteten das „additiven Fertigungsverfahren“, also die Fertigungstechnik im Schichtbauverfahren, bekannt auch als Rapid Prototyping.

Und so arbeiteten die 3D-Drucker bei der offenen Nacht emsig an ihren jeweiligen Produkten. Rund zehn Stunden dauert es, bis beispielsweise eine Vase fertig ist. Prof. Gebhardts Dank gilt vor allem seinen Mitarbeitern. Denn ohne deren Engagement wäre ein solches Angebot wie die offene Nacht gar nicht denkbar, meint er.

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