Aachen: Erste Betriebs-Kita: Fünf kleine Maurer legen souverän den Grundstein

Aachen : Erste Betriebs-Kita: Fünf kleine Maurer legen souverän den Grundstein

Das war ein spannender Auftritt für Moritz, Annika, Laura Maria, Jonas und Ruben: Erst drückten sie mit Fingerfarben kräftige Handabdrücke auf die große Urkunde, dann sorgten sie mit reichlich Mörtel dafür, dass das Dokument auch ordnungsgemäß eingemauert wurde.

Die Zwei- bis Vierjährigen, allesamt Kinder von Grünenthal-Beschäftigten, waren am Mittwoch herzlich beklatschte Akteure bei der Grundsteinlegung für die neue Kindertagesstätte, die fünf Aachener Firmen zusammen mit der Stadt im Gewerbegebiet Aachen-Süd verwirklichen.

Bevor die Kinder ihre Bauhelme überstülpen konnten, hatten andere Akteure über Monate viel Arbeit geleistet und viele Hindernisse aus dem Weg geräumt. Schließlich ist die „Verbund-Kindertagesstätte“, wie sie offiziell heißt, die erste Betriebs-Kita in der Region Aachen, die nach dem NRW-Kinderbildungsgesetz (Kibiz) mit öffentlichen Geldern gefördert wird.

70 Betreuungsplätze

Das Projekt in Zahlen: An der Kaubendenstraße, Ecke Kellershau­straße, entsteht auf einem städtischen Grundstück eine Kita mit sechs Gruppen und insgesamt 70 Plätzen. 50 davon sind für Kinder unter drei Jahren vorgesehen. Die Firmen Grünenthal, FEV, Babor Cosmetics, Blitzschutzbau Rhein- Main Adam Herbert sowie Mäurer & Wirtz ziehen für das Projekt an einem Strang.

Investor des Baus ist die Nesseler-Grünzig-Gruppe, Aachen. Geschäftsführer und Gesellschafter Hubertus Neßeler beziffert das Investitionsvolumen auf rund vier Millionen Euro. Der Entwurf stammt vom Aachener Büro „pbs architekten“. Der Betreiber der Kita steht schon länger fest. Den Job übernimmt die Educcare Bildungskindergärten gGmbH aus Köln.

Auf der Baustelle wird gerade die Bodenplatte vorbereitet. Aber schon Ende des Jahres, ist Hubertus Neßeler sicher, werde man das 4500 Quadratmeter große Gebäude an den Mieter Grünenthal übergeben können. Anfang 2015 sollen dann die ersten fünf Gruppen den Betrieb aufnehmen. 50 der Betreuungsplätze wird die Grünenthal GmbH nutzen, zehn gehen an FEV, fünf an Babor, drei an Mäurer und Wirtz, zwei an Blitzschutzbau Rhein-Main.

Die Nachfrage ist offenbar riesig. Nach Angaben von Oliver Lamm, Personalverantwortlicher bei Grünen­thal, liegen bereits rund 70 Voranmeldungen von Beschäftigten der fünf Unternehmen vor. Über die Vergabe der Plätze werde im Sommer entschieden.

„Sie glauben gar nicht, wie ich mich auf diesen Tag gefreut habe“, gestand Oberbürgermeister Marcel Philipp, der bei der Grundsteinlegung gerne zur Maurerkelle griff. Er würdigte die „Pionierleistung“ der fünf Unternehmen, die durch ihre Initiative für die Beschäftigten ein wertvolles Stück Infrastruktur zur Verfügung stellten, damit Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen sind. „Wir brauchen den Zusammenschluss von Unternehmen und Stadt, um die Ganztagsbetreuung in unserer Stadt sicherzustellen. So können wir Mütter und Väter an den Standort Aachen binden und diesen als Wirtschaftsstandort stärken“, so Philipp.

Prof. Eric-Paul Pâques, Vorsitzender der Grünenthal-Konzerngeschäftsführung, zeigte sich stolz, dass mit der neuen Kita ein weiterer Baustein in Sachen Familienfreundlichkeit an Ort und Stelle sei. „Wir sind hier Vorreiter, das darf uns alle stolz stimmen.“

Der Weg bis zur Grundsteinlegung war allerdings nicht ganz einfach. Unter anderem musste eine Regelung her, damit auch Kinder von Mitarbeitern, die nicht in Aachen wohnen, in den Genuss der Kibiz-geförderten Betreuung kommen können. Für diese „Einpendler-Kinder“ hatte der Aachener Stadtrat eigens einen Beschluss herbeizuführen.

Auch die Grundstückssuche war nicht ohne. Und dann gab es noch all die Besonderheiten, die eine solche „betriebsnahe“ Kita in einem Gewerbegebiet mit sich bringt. „Da gab es unter Umweltgesichtspunkten einiges zu prüfen“, erläuterte Hubertus Neßeler, „und das brauchte eben seine Zeit“. Man könne also sehr zufrieden sein, dass jetzt die Bodenplatte gegossen werde. Der Investor hat bereits Erfahrung im Kita-Bau. „Wir uns ist das die 14. Kindertagesstätte in NRW“, sagte Neßeler. „Und es ist die Dritte, die wir in diesem Jahr an die Mieter übergeben werden.“

Marcel Philipp hofft nun, dass die Betriebs-Kita in Eilendorf-Süd ähnlichen Projekten in der Zukunft den Weg ebnet: „In Zukunft muss so etwas schneller gehen!“

Kita-Name wird noch gesucht

Architekt Jörg Böhning (pbs architekten) ist überzeugt, dass die künftigen Nutzer der neuen Kita besonders die große Halle mit Kinderrestaurant, Elterncafé und Spielmöglichkeiten schätzen werden. Um diese Halle gruppieren sich die Räume für die sechs Gruppen (fünf Krippengruppen mit je zehn Plätzen und die Kita-Gruppe mit 20 Plätzen).

Einen schönen Namen soll die neue Betriebs-Kita auch noch bekommen. Dafür wollen die Initiatoren demnächst einen kleinen Wettbewerb starten.

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