Aachen: Erst kommt das Tanzvergnügen, dann folgt die Arbeit

Aachen : Erst kommt das Tanzvergnügen, dann folgt die Arbeit

Für viele junge Männer in Aachen heißt es auch in der diesjährigen Mainacht wieder: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit.

Wenn nämlich langsam die Maipartys ausklingen und der eine oder andere liebend gern sein Bett aufsuchen würde, gilt es zunächst der Angebeteten einen angemessenen Liebesgruß zu überbringen. Neben dem Maiherz ist hierfür besonders der Maibaum geeignet. Mit bunten „Plümeln” geschmückte Birken werden dann durch die Stadt geschleppt und am Fenster der Liebsten angebracht.

Dabei wird den wenigsten der Fassadenkletterer bewusst sein auf welch traditionsreichem Boden sie diesem Brauch nachgehen.

Das früheste deutsche Zeugnis, in dem ein Maibaum Erwähnung findet, beschreibt nämlich eine Begebenheit in Aachen.

1224 berichtet der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach vom Aufstellen eines großen Maibaums und den dazugehörigen Feierlichkeiten. Ein Brauch, der nach Ansicht des Mönchs Rest einer heidnischen Weltanschauung darstellt und den es zu bekämpfen gilt.

Inzwischen ist der Maibrauch solchen Vorwürfen nicht mehr ausgesetzt und vor allem in Aachens Außenbezirken hat sich die Tradition des Dorfmaibaums, der mit vereinten Kräften aufgestellt wird, gehalten.

In Freund beispielsweise steht er schon. Bereits am 25. April haben die Freunder Maijungen den Baum aufgestellt und damit die Maifeier-lichkeiten eingeläutet.

Auch in Walheim und Kornelimünster wird man in diesem Jahr wieder einen stattlichen Mai präsentieren können. Den höchsten Maibaum kann man traditionell im Vaalserquartier bewundern. Hier gibt es am 1. Mai übrigens auch noch das spektakuläre Maibaumklettern.

In der Innenstadt werden sich die Feierlichkeiten auf die zahlreichen Tänze in den Mai und besagte kleine Maibäume beschränken. Dies nicht immer zur Freude aller Anwohner. „Für das Ordnungsamt ist die Mainacht eine Nacht mit besonderer Aktivität, auf die mit mehr Personal reagiert wird”, berichtet Evelin Wölk von der städtischen Pressestelle.

Man appelliere an Toleranz auf der einen und Rücksichtnahme auf der anderen Seite. In den letzten Jahren habe das gut funktioniert und man rechne auch in diesem Jahr nicht mit einer Beschwerdeflut. „Massiven Störungen werden die Beamten natürlich nachgehen.”

Neben so manchen Anwohner leiden auch die Aachener Birken unter dem Brauch. „Vor dem 1. Mai ist mir jedes Mal Angst und Bange”, sagt Berthold Wirth, Chef der städtischen Baumkolonne, „in der Mainacht werden regelmäßig Bäume gekappt.”

Vor drei Jahren hätten an der Hermann-Löns-Allee 20 Birken dran glauben müssen. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der die Maitradition vor seinem Umzug nach Aachen gar nicht kannte, appelliert deshalb an alle verliebten Männer, sich die Bäume an offizieller Stelle zu besorgen.

Eine besonders gelungene Aktion bietet in diesem Jahr Misereor an. Für 15 bis 25 Euro kann man dort fertig geschmückte Maibäume erwerben und damit etwas für einen guten Zweck tun.

„Wir unterstützen Kleinbauern auf Haiti beim Anlegen von Waldgärten”, sagt Ricarda Mischeck von Misereor.

Wer also den heimischen Baumbestand schonen, den auf Haiti wieder aufbauen und zugleich der Herzdame seine Liebe beweisen möchte sollte sich heute zwischen 16 und 20 Uhr an der Misereorzentrale in der Mozartstraße einfinden.