Aachen: Erntedank in Walheim: Wie Karneval, nur ohne Klümpchen

Aachen: Erntedank in Walheim: Wie Karneval, nur ohne Klümpchen

Der Zug hat noch gar nicht richtig begonnen, da muss Franz Merk schon technikhistorisch tätig werden. Merk sagt: „1910“, und der Junge am Start des Erntedankzugs kennt jetzt das Baujahr der Maschine. „Fahrbare Bandsäge mit Spaltkeil“, so nennt Zimmermann Merk das Gefährt mit Dieselmotor und Keil. Die Maschine kann fahren und Brennholz zerkleinern, und wenn alles gut läuft, schafft sie fünf Kubikmeter pro Stunde.

Früher sei man damit von Hof zu Hof gefahren, heute fährt Merk mit ihr beim Erntedankzug durch Walheim, er macht das jetzt zehn Jahre. Auf den Fotos der Zuschauer wird der Wagen etwas hermachen, ganz sicher.

Es ist Sonntag, es ist fast halb zwölf, beim Erntedankzug in Walheim sehen die Zuschauer am Straßenrand fast so aus wie beim Karnevalszug oder Radrennen. Erntedankzug, das klingt für manchen Städter ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber eben das sei es nicht, sagt Hermann Mündel. Mündel hat den Erntedankzug in Walheim 1992 wieder starten lassen, nachdem dieser 1960 infolge eines tödlichen Unfalls eingestellt worden war. Mündel, gemeinsam mit Eberhard Spindler Moderator, gehört neben dem Trommler- und Pfeiferkorps Edelweiß und der Pfarre mit der Pfarrgemeinde St. Anna zu den Organisatoren.

Aus der Zeit gefallen? „Sie werden sehen, dass die Straßen voll sind mit Zuschauern“, sagt Mündel vor dem Start, und seine Prognose stimmt: „Mindestens 4000 Zuschauer“, sagt am Nachmittag „Edelweiß“-Vorsitzender Andreas Pütz. Mündel kann außerdem auf die Entwicklung des Zuges verweisen: 1992 seien „zehn Grüppchen“ mitgefahren, heute sind es 94. Es sei überdies „nicht irgendeine Kirmes“, man sehe, wie viel Arbeit in dem Zug stecke, und zwar obwohl niemand Geld dafür erhalte: Nicht die Menschen mit den Eseln, nicht die Reiter, nicht die Kutschenfahrer, nicht die Musikgruppen, niemand.

Auch nicht die Traktor-Fahrer. Die Räder von Leo Vinkens Maschine sind größer als viele Menschen am Streckenrand. Seit zwei Jahren ist Vinken mit seinem Traktor, 110 PS, blau lackiert, in Walheim dabei, in den Jahren zuvor mit einem anderen. Vinken — Mitglied im „Oldie“-Club — besitzt sechs Stück. Warum kommt er Jahr für Jahr her? „Wir werden eingeladen.“ Aber absagen könnte er doch auch. „Das macht man nicht. Man muss die alten Trekker der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen“, sagt Vinken.

Unterhaltsames Programm

An Adrian Schreven rollen jetzt auch Traktoren vorbei, aber eigentlich tun sie das die ganze Zeit. Schreven ist aus dem Nachbardorf Schmithof mit seiner Familie hergekommen, auch Freunde sind dabei, seit zwei Jahren kommt Schreven zum Erntedankzug nach Walheim. „Seitdem die Kinder da sind.“

So ein Erntedankzug sei doch ein unterhaltsames Programm für die Kinder, findet Schreven. Er sagt: „Es ist wie Karneval, nur ohne Klümpchen.“

Mehr von Aachener Nachrichten