„Sprich mit mir!“: Ernstes Problem mit Smartphones lustig verpackt

„Sprich mit mir!“ : Ernstes Problem mit Smartphones lustig verpackt

Mit einem Augenzwinkern wirbt das Netzwerk „Im Blick“ jetzt für einen bewussten Umgang mit dem Smartphone. Denn das habe inzwischen auch Auswirkungen auf die frühe Beziehung zwischen Eltern und Kind. Lustige Cartoons sollen das Problem greifbar machen.

„Sprich mit mir“, sagt das Kind im Kinderwagen, während die Mutter nur Augen für ihr Smartphone hat. Verschiedene Kurzfilme setzen die mangelnde Kommunikation ebenfalls in Szene.

„Wir sehen das täglich in unseren Wartezimmern“, sagt Dr. Josef Michels vom Gesundheitsamt der Städteregion. Da gebe es die Eltern, die sich während der Wartezeit überwiegend mit dem Handy beschäftigten, während andere die Zeit nutzten, um ihren Kindern vorzulesen. Gerade der intensive Blickkontakt und die Kommunikation mit den Kindern ist nach Meinung der Experten entscheidend für deren Entwicklung.

Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung werden demnach immer häufiger diagnostiziert. Und laut Michels ist das nur die Spitze des Eisbergs. Welche Auswirkungen eine mangelnde frühkindliche Kommunikation auf Suchtverhalten und Bindungsfähigkeit der Kinder haben könne, bleibe abzuwarten.

Eigenes Verhalten bewusst machen

Die Kinder sind nicht mehr ‚im Blick‘“, meint das Netzwerk und hat ein ernstes Problem lustig verpackt. Statt erhobenem Zeigefinger sollen Cartoons und Filme dazu anregen, über den Handy-Gebrauch zu sprechen und sich das eigene Verhalten bewusst zu machen. Denn wer ständig am Smartphone klebt, der bekommt oft auch gefährliche Situationen nicht mit. Der Zusammenstoß zweier Kinderwagen in einem der Filme ist dabei wohl eher noch ein kleines Problem.

„Im Blick“ ist ein Netzwerk aus allen kommunalen Jugendämtern sowie dem Gesundheitsamt der Städteregion und wird vom kommunalen Integrationszentrum und der Polizei unterstützt. Laut Sebastian Heyn, Leiter des Jugendamtes der Städteregion, ist das Netzwerk seit Jahren im Bereich des Kinderschutzes und der Frühen Hilfen unterwegs.

Diesmal sind es die Beobachtungen bei der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern, die die Akteure auf den Plan gerufen haben. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn die frühkindliche Bindungsfähigkeit und die Kommunikation nicht gefördert werden, sei in Gänze noch gar nicht abzusehen, so Michels. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie habe schon heute vermehrt mit solchen Fällen zu tun. Ein kleines Heftlein gibt Tipps für den Umgang mit Babys. Die haben die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern verdient und sollten sie nicht mit dem Smartphone teilen müssen, so das Netzwerk.

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