Aachen: Erleichterung bei der Polizei: „Hilferufe“ enden mit vierfachem Happy End

Aachen : Erleichterung bei der Polizei: „Hilferufe“ enden mit vierfachem Happy End

Es war nicht nur ein Nachbar, der die Schreie hörte, es waren gleich mehrere, die aus dem Schlaf schreckten. Die Nacht im Aachener Stadtteil Burtscheid war warm und viele Fenster offen, um kurz vor vier Uhr morgens begann eine Frau zu schreien. Bei der Aachener Polizei gingen die ersten Anrufe ein, die Rede war von einer Frau, die in Burtscheid um Hilfe rief.

Einer der Anrufer sagte: „Das hört sich nicht nach Spaß an.“ Da kann ihm noch nicht klar gewesen sein, wie recht er hatte. Ein Beamter im Polizeipräsidium notierte die Uhrzeit des Anrufs: 3.57 Uhr, am frühen Dienstagmorgen.

Schon um 3.58 Uhr traf der erste Streifenwagen in Burtscheid ein, um 3.59 Uhr der zweite. Um 4 Uhr funkte die erste Streifenwagenbesatzung ins Präsidium: „Kurbrunnenstraße, keine Feststellung.“ Um 4.02 Uhr meldete die zweite Streifenwagenbesatzung: „Haben Kontakt mit Passanten, haben die Schreie auch gehört.“

Die vermeintliche Gefahrenlage

Um 4.04 Uhr funkte eine Streifenwagenbesatzung: „Jetzt hören wir die Schreie auch.“ Zwei weitere Streifenwagen trafen ein, insgesamt waren es nun vier. Das sei „der Gefahrenlage angemessen“ gewesen wird die Polizei einige Stunden später sagen, das Schlimmste konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.

Neun Minuten nach dem Eintreffen des ersten Streifenwagens und der vergeblichen Suche nach der schreienden Frau funkte ein Beamter aus dem dritten Streifenwagen ins Präsidium: „Könnte auch aus dem Marienhospital kommen. Fragen nach, ob im Kreißsaal eine Geburt ist.“ Der zweite Streifenwagen ergänzt um 4.09 Uhr: „Könnte passen, Kreißsaal liegt in Richtung Michaelsbergstraße“, in der ein Anwohner die Schreie zuerst gehört und die Polizei verständigt hatte. Noch in derselben Minute funkte ein Polizist, der ins Krankenhaus gegangen war: „Schreie kommen aus dem Kreißsaal. Alles gut.“

Paul Kemen, 60, Sprecher der Aachener Polizei, begann seine Ausbildung zum Polizisten im Oktober 1974. Er kann sich nicht daran erinnern, von einem ähnlichen Polizeieinsatz je gehört zu haben. Anja Salmassi, seit 26 Jahren am Marienhospital in Burtscheid und heute Leitende Hebamme, kann sich ebenfalls nicht daran erinnern, dass die Geburt eines oder mehrerer Kinder einmal einen Polizeieinsatz ausgelöst hätte. Sie kann sich allerdings schon daran erinnern, dass in einer Nacht vier Kinder im Marienhospital zur Welt gekommen sind, das, sagt sie, sei nämlich nicht besonderes.

In der Nacht zum Dienstag war es 21 Grad und damit so warm, dass einmal mehr die Fenster des Kreissaals geöffnet wurden, um die Geburt für Mütter, Hebammen, Ärzte und Kinder etwas kühler und also weniger anstrengend zu gestalten. Auch das Öffnen der Fenster im Kreissaal sei nichts Besonderes, sagt Anja Salmassi, „die Burtscheider kennen das eigentlich schon“. Was in dieser Nacht anders war? „Ich weiß es nicht.“ Sie sei aber froh, dass die Nachbarn aufpassen würden; hätte ja sein können, dass der Grund für die Schreie tatsächlich ein sehr viel weniger erfreulicher war.

In der Nacht zum Dienstag seien drei Jungen und ein Mädchen geboren worden, sagt Anja Salmassi. Alle seien gesund und munter und, den Umständen entsprechend, glücklich.

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