Aachen: Erinnerungen der Zeitzeugen bewahren

Aachen : Erinnerungen der Zeitzeugen bewahren

„Der Krieg war verloren, doch wir hatten damals auch etwas gewonnen: den Frieden.“ So beschreibt Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, das Kriegsende für die Stadt vor 70 Jahren. Die Kapitulation Aachens und die Befreiung vom Nationalsozialismus war Anstoß für das Buchprojekt „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“.

Am Dienstagabend wurden die fertigen Bücher in der Frankenburg schließlich den Vertretern der beteiligten Schulen übergeben, die alle ihre ganz eigenen Beiträge dazu geleistet haben.

Durch die Unterstützung der Aachener Bank, des Verlags Meyer und Meyer sowie des Projekts „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ war es möglich, dass alle mitwirkenden Schulen mit zehn Exemplaren dieser Bücher ausgestattet werden konnten.

Der Inhalt des Buches ist äußerst vielschichtig ausgefallen. Der Grund dafür ist die Freiheit, die die Aachener Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien bei ihrer Beschäftigung mit dem Thema hatten. Sie malten Bilder oder schrieben eigene Beiträge dazu, welche Bedeutung Frieden und Freiheit für sie in der heutigen Zeit haben. „Die Schüler haben ein viel stärkeres moralisches und politisches Bewusstsein, als dies allgemein angenommen wird“, sagt Harald Egerland, Geschichtslehrer am Viktoria-Gymnasium.

Im Buch kommt neben den Schülern auch eine ganze Reihe an Zeitzeugen zu Wort, die ihre Erlebnisse vom Krieg und dessen Ende schildern. „Sie sind eine Art lebendiges Archiv, das immer mehr verschwindet“, sagt Egerland. „Umso wichtiger ist es, dass wir ihre Erinnerungen mit Projekten wie diesem erhalten können.“ Er jedenfalls sei dankbar für die Möglichkeiten, die dieses Projekt ihm und seinen Schülern geboten hat.

Zu den Textbeiträgen kommt die bildliche Aufarbeitung des Fotografen Andreas Herrmann. Er stellt in seinen Bildern den zerstörten Schauplätzen des Krieges jene von heute gegenüber und macht so die enorme Veränderung durch den Wiederaufbau deutlich.

Für Michael Wieser, Geschäftsführer des Verlags Meyer und Meyer, ist auch die historische Aufarbeitung im Buch ein wichtiger Bestandteil: „Früher hörte der Geschichtsunterricht in den 1940er-Jahren auf und wir hatten keine Gelegenheit, in der Schule über die Gegenwart zu diskutieren.“

„Flüchtlinge willkommen heißen“

Mit der Übergabe dieses Buches, an dem die Schüler gemeinsam mit der Bürgerstiftung mehr als ein Jahr lang gearbeitet haben, geht das Projekt aber nicht zu Ende. ­„Wir fordern die Schüler dazu auf, die vielen Flüchtlinge und unbegleiteten Jugendlichen willkommen zu heißen“, sagt Hans-Joachim Geupel. Denn was für die Aachener zum Glück Vergangenheit ist, ist für viele andere Bewohner auf der Welt noch immer grausame Realität. Auch diese Menschen rückt dieses Buch wieder etwas mehr ins Bewusstsein.

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