Aachen: Er gründete den ersten Aachener Schrebergarten

Aachen : Er gründete den ersten Aachener Schrebergarten

In Jahr 2017 jährte sich der Todestag von Dr. Theodor Dedolph zum hundertsten Mal. Dedolph starb am 23. Februar 1917 in Aachen. Er war zuletzt im Ersten Weltkrieg Militärarzt im Reserve­lazarett im Reiffmuseum der TH. Dort behandelte er verwundete Soldaten chirurgisch.

Nach dem Krieg rief Dedolph zur Nachbehandlung und Kräftigung der Kriegsbeschädigten umfangreiche gärtnerische und landwirtschaftliche Aktivitäten ins Leben, die ihm besonders am Herzen lagen, wie sein Chef in der Todesanzeige mitteilte. Ein besonderes Anliegen war ihm die Versorgung arbeitsfähiger Invaliden, verbunden mit ökonomisch sachgerechter Nutzbarmachung des Bodens — umgesetzt am Königshügel, auf der Beverau und am Westbahnhof.

Gärtnern in der Stadt: Die 1904 eröffnete Gartenkolonie „Erholung“ an der Stolberger Straße gibt es bis heute.

Dedolph, 1864 geboren, war 1900 aus Leipzig gekommen, wo er Dr. David Schreber kennengelernt hatte. Dieser war indirekt der Initiator der deutschen Kleingärten, die später nach ihm Schrebergärten genannt wurden. Dedolph führte die Idee in Aachen ein. Zusammen mit dem Stadtgartendirektor Wilhelm Weßberge gründete er 1903 den ersten Aachener Schrebergarten, die Gartenkolonie „Erholung“.

Sie wurde 1904 am Panneschopp an der Stolberger Straße eröffnet. Oberbürgermeister Philipp Veltman kam zur Eröffnung und war so begeistert, dass er der Kolonie das Gelände für zehn Jahre kostenlos überließ. Die Gartenanlage existiert noch heute — neben etlichen Nachfolge-Gärten.

Es ging damals nicht nur um Erholung vom Großstadtleben in idyllischen grünen Inseln. Für notleidende Bevölkerungsteile war die Lebensmittelversorgung durch den eigenen Garten eine Existenzgrundlage.

Dedolphs Garten-Ideen fanden auch Niederschlag in seinem Engagement in der Gartenstadt-Bewegung. Dahinter standen sozialreformerische Ideen, die der Engländer Ebenezer Howard Ende des 19. Jahrhunderts zu einem städtebaulichen Programm machte. Diese Bewegung fand auch in Deutschland ein großes Echo.

Gegen die sozialen Missstände der Verstädterung wurde eine naturnahe Lebensweise vor den Toren der Großstadt propagiert. Das Leben im Grünen und das Wohnen im Eigenheim statt in Mietskasernen waren charakteristische Motive, die auch von Aachener Bürgern aufgegriffen wurden und 1911 zur Gründung der Genossenschaft „Gartenstadt Beverau“ führte. Zu den engagierten Gründern gehörte ihr Vorsitzender Dedolph. Für ihn war das Gartenstadt-Konzept gewissermaßen eine konsequente Weiterentwicklung der Schrebergärten, wie besonders auf der Beverau zu erkennen ist.

Die neue Genossenschaft kaufte Parzellen auf der noch unbebauten, durch Landwirtschaft und Schrebergärten geprägten Beverau zum Verkauf an ihre Mitglieder. Die ersten Häuser entstanden während des Ersten Weltkriegs, der die Entwicklung der Gartenstadt verzögerte und letztlich auch die geplante Entfaltung behinderte. 55 Ein- und Zweifamilienhäuser konnten bis 1936 gebaut werden. Die Gartenstadt hat als erste Siedlung die Beverau geprägt — spürbar bis heute, obwohl inzwischen alles Land kunterbunt und dicht besiedelt ist.

An Dedolph erinnern noch heute in Aachen ein Gedenkstein samt Eiche im Kleingarten „Erholung“ sowie ein Straßenname auf der Beverau. Die Dedolphstraße allerdings hieß ursprünglich ganz anders. 1925 erhielt sie den Namen „Am Starz“. Das war die Abkürzung des traditionellen Namens Mafrauenstarz als offizielle Flurbezeichnung des gesamten Beverau-Terrains aus der Zeit der Zisterzienserinnen-Herrschaft über Burtscheid bis zur Franzosenzeit. Der Name bezog sich auf die Äbtissin, der dieser östliche Burtscheider Wald als Äbtissinnenwald „gehörte“.

Aber die Kinder aus der neuen Beverau-Siedlung wurden mit diesem Namen gehänselt. Die Bevölkerung forderte eine Namensänderung, die aber von der Stadt zunächst abgelehnt wurde. Erst 1929 kam der neue Name Dedolph­straße durch Ratsbeschluss dann doch noch zustande.

Eine Überraschung gab es 1990 in der Dedolphstraße: Nachkommen der Familie Dedolph, die in Wisconsin in den USA leben und dort noch diesen Namen tragen, fanden auf der Spurensuche nach ihren Vorfahren den Weg nach Aachen und machten einen Besuch in der Dedolphstraße. 1994 kamen sie wieder und besuchten auch die „Erholung“, die ihr 90-jähriges Bestehen feierte. Ihnen zu Ehren gab es damals ein Dedolpher Straßenfest.

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