Aachen: Engpass in der Verkehrsplanung verärgert die Bezirke

Aachen: Engpass in der Verkehrsplanung verärgert die Bezirke

Einmalmehr brachen sich Frust und Ärger in der Bezirksvertretung Haaren über die städtische Verwaltung Bahn: Von falscher Prioritätensetzung und Untätigkeit war die Rede.

Und dahinter steckte der unterschwellige Vorwurf, dass den Planungen für die Campusbahn alles andere untergeordnet wird. „Die Bezirksvertretung ist stinksauer”, sagt Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten.

Der Zorn ist fraktionsübergreifend und trifft die städtischen Verkehrsplaner, die anscheinend keine Zeit mehr für das Alltagsgeschäft und die Sorgen in den Bezirken finden.

So warten die Politiker in Haaren und Verlautenheide weiter auf ein Signal, wann denn wohl die Ortseingänge auf der Verlautenheidener Straße, der Haarener Gracht und der Alt-Haarener Straße umgestaltet werden. Schon vor mehr als einem Jahr ist das beschlossen worden, nachdem auch die Verwaltung in einer Untersuchung zu dem Ergebnis kam, dass gerade an diesen Straßen besonderer Handlungsbedarf besteht: Zu schnell rasen Autofahrer an diesen teils abschüssigen Straßen in die Wohnsiedlungen hinein, zu groß sind die Gefahren für die dort lebenden Menschen. Ähnliche Probleme melden auch die anderen Bezirke.

Baumtore könnten die Verkehrssicherheit erhöhen, sind Planer und Politiker überzeugt. Die seien auch relativ preiswert zu verwirklichen. Von rund 5000 Euro ist die Rede. „Das Geld ist da”, betont Corsten, „doch jetzt hat die Verwaltung angeblich keine Zeit, die Maßnahmen auszuschreiben.”

Wenige Zeilen sei der Verwaltung die „lapidare Mitteilung” wert gewesen, dass es keine personellen Kapazitäten gebe und andere Planungen derzeit Vorrang hätten. „Dann brauchen wir eigentlich auch nichts mehr beschließen”, sagt Ursula Becker (Grüne) stellvertretend für ihre Kollegen. Zusätzliches Ärgernis sei laut Corsten, dass Mittel aus einem Landesprogramm bereitstehen, die nicht abgerufen werden können. Und auch weitere verkehrsberuhigende Umbauten in der Hergelsbenden- und Friedenstraße können nicht vorangetrieben werden, obwohl auch dafür die Bezirksvertretung das Geld schon bereithält.

„Das ist eine total unbefriedigende Situation”, sagt Corsten, der nicht zum ersten Mal seinen Unmut über eine von Dezernentin Gisela Nacken geführte Abteilung zum Ausdruck bringt. Der Blick dürfe nicht nur auf die großen und prestigeträchtigen Vorhaben gerichtet werden, fordert er. „Wir reden hier von der Verkehrssicherheit und von einem relativ kleinen Kostenrahmen”, sagt er. „Doch es passiert nichts und wir werden immer nur vertröstet.”

Das habe auch Gründe, sagt Regina Poth, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Mit der Campusbahn habe die Prioritätensetzung allerdings nichts zu tun. Für die Planung der Ortseingänge seien ganz andere Leute zuständig, betont sie. „Aber wir haben einen Projektstau, bedingt durch die begrenzte Personalkapazität.” Das habe zur Folge, dass nicht alles gemacht werden kann, was von der Politik gewünscht ist. Verwaltungsintern werde derzeit eine Prioritätenliste abgestimmt, die auch im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen thematisiert werden soll, kündigt sie an.

Die Bezirke werden dann wohl ein besonderes Auge darauf werfen müssen.