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Karlspreis 2022: Emotionaler Auftakt mit den Preisträgerinnen an der RWTH

Karlspreis 2022 : Emotionaler Auftakt mit den Preisträgerinnen an der RWTH

Die Karlspreisträgerinnen 2022 sind in Aachen angekommen. Und Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und Tatsiana Khomich – für ihre inhaftierte Schwester Maria Kalesnikava dabei – haben einen fulminanten Auftritt an der RWTH.

Der Auftakt der Karlspreisverleihung 2022 ist ausgesprochen emotional. Im Hörsaalzentrum „Carl“ der RWTH Aachen an der Claßenstraße werden Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und Tatsiana Khomich, die ihre inhaftierte Schwester Maria Kalesnikava vertritt, am Mittwochnachmittag mit stehenden Ovationen begrüßt und später auch verabschiedet.

Die führenden belarussischen Aktivistinnen, die am Donnerstag im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Karlspreis ausgezeichnet werden, stellen gleich zum Auftakt ihres Aachen-Besuchs die Weichen für klare Botschaften.

Erst einen Tag alt ist die Nachricht, dass Maria Kalesnikava, vom Lukaschenko-Regime in Belarus zu elf Jahren Haft wegen ihres Engagements in der Demokratie-Bewegung verurteilt, nunmehr als „Terroristin“ geführt wird. „Wir wissen nicht, was das für Folgen hat“, sagt ihre sichtlich bewegte Schwester. „Es zeigt nur, dass wir Maria und der belarussischen Sehnsucht nach Demokratie und Freiheit weiterhin eine laute Stimme geben müssen.“

Die Worte des RWTH-Rektors Ulrich Rüdiger, der zur Begrüßung sagt, dass er nie zuvor von Karlspreisträgern so sehr überzeugt war wie im aktuellen Fall, unterstreichen die Preisträgerinnen mit klaren Sätzen. Swetlana Tichanowskaja, für ihren ebenfalls inhaftierten Mann Sergej Tichanowski 2020 als Präsidentschaftskandidatin eingesprungen und nur durch Wahlmanipulation gestoppt, appelliert an die europäische Öffentlichkeit, vereint zusammenzustehen. „Nur so haben wir eine Chance, Freiheit für Belarus und Frieden für die Ukraine zu erreichen.“

Veronica Tsepkalo, die sich vor allem für die über 1000 belarussischen politischen Gefangenen, vor allem für die Frauen unter ihnen, einsetzt, formuliert den eindeutigen Appell: „Helfen Sie uns, Lukaschenko und sein Regime zu stoppen. Belarus ist ein Land voller Chancen und Möglichkeiten, aber dafür braucht es den Wechsel, die Demokratie und die Freiheit.“ Zu Lukaschenko: „Er ist ein Mörder, ein Krimineller, er muss inhaftiert und verurteilt werden.“ Der Repräsentant des belarussischen Volkes sei er definitiv nicht.

Emotionaler Höhepunkt des Auftakts im Hörsaal ist die Frage einer belarussischen Studentin unter Tränen, ob junge Belarussen ihr Land verlassen sollten. Die drei Preisträgerinnen ergänzen sich in der Beantwortung und sagen, dass die individuelle, ganz persönliche Entscheidung immer richtig sei. Tsepkalo: „Wichtig ist, dass du in deinem Herzen Belarussin bleibst und stolz bist auf dein Land. Und es wird der Tag kommen, an dem dieses Land frei sein wird und alle Trümpfe ausspielen kann.“

Am Abend waren die Karlspreisträgerinnen zu Gast auf dem Katschhof beim Fest „Karlspreis Live“.