Aachen: Elektromobilität: Aseag testet Gelenkbus „Marke Eigenbau“

Aachen : Elektromobilität: Aseag testet Gelenkbus „Marke Eigenbau“

Wie man hört, hört man nichts: Zufrieden lauscht Aseag-Projektleiter Walter Eßer bei der Jungfernfahrt den Windgeräuschen, dem Abrollgeräusch der Reifen und gelegentlich dem Brummen von Zusatzaggregaten auf dem Dach. Aber im Heck dröhnt kein schwerer Dieselmotor, dafür surren vier Radnabenmotoren.

Eßers Team hat gemeinsam mit der Aachener Futavis GmbH Aachens ersten rein elektrisch angetriebenen Gelenkbus auf die Straße gebracht,

Die Bastelei in der Werkstatt des Nahverkehrsunternehmens versteht Aseag-Vorstand Michael Carmincke auch als „Bestandteil unseres gemeinwirtschaftlichen Auftrags“. Ein kommunaler Verkehrsdienstleister müsse halt auch sehen, wie er einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur sauberen Luft in Aachen und der Städteregion leisten könne.

Von den Straßen der Region ist der auspufflose Eigenbau allerdings noch sehr weit entfernt. Zunächst soll der Elektrobus auf der Linie 43 zeigen, was er kann — und wo er an Grenzen stößt. Auf dieser Linie kommt der Testwagen immer wieder daheim am Betriebsgelände vorbei und kann per Stecker wieder nachgeladen werden.

Futavis-Geschäftsführer Jens Bockstette geht davon aus, dass der Elektrobus mit einer Ladung rund 50 Kilometer weit kommt. „Wir haben nur die Batterien etwas vergrößert“, sagt Bockstette bescheiden. Mehr als 1100 Zellen sorgen für eine Kapazität von 180 Kilowattstunden. Montiert sind sie auf dem Dach das Fahrzeugs, das ehedem ein Hybrid-Gelenkbus war. Eßer und seine Leute haben alle Technik, die sie nicht brauchen Konnten, ausgebaut, um Platz für ihre eigenen Komponenten zu schaffen. Das Ergebnis ist auffällig unauffällig: Fast alle Gewichte und Achslasten konnten beibehalten werden, womit auch die ursprünglich Fahrgastkapazität erhalten bleibt.

Aachens erster Elektrobus bietet 37 Sitz- und 95 Stehplätze nebst „Sondernutzungsfläche“. Ein Fahrzeug dieser Größenordnung sei vor einem Jahr auf dem Markt nicht verfügbar gewesen, erklärt Aseag-Vorstand Carmincke. Also fingen die Aachener selbst an zu basteln, schließlich wollten sie wissen, wie Elektromobilität im alltäglichen Personennahverkehr funktionieren kann. Wenn der elektrische Antrieb „Bestandteil der Flottenstrategie werden soll“, meint Carmincke, müsse eben der in Aachen gebräuchliche Gelenkbus betrachtet werden. Versuche mit kleineren Modellen seien da wenig hilfreich.

Aachen sei damit weit vorne, meint der Oberbürgermeister. Marcel Philipp weiß von Kollegen aus anderen Städten, dass andernorts noch auf das erste Fahrzeug dieser Art „von der Stange“ gewartet wird. Auf sie kann er jetzt schön heruntergucken. „Denen kann ich sagen: Wir haben schon eins.“

Dennoch versteht sich die Aseag keineswegs als Fahrzeughersteller. Das Pilotprojekt, vom Aachener Verkehrsverbund mit rund 540.000 Euro gefördert, dient nur Versuchszwecken und soll Erkenntnisse etwa zur Ladeinfrastruktur liefern. Sollte der Elektrobus Marke Eigenbau sich bewähren, könnte er später auch auf der Linie 73 erprobt werden. Auf lange Sicht würde die Aseag womöglich weitere Elektro-Gelenkbusse anschaffen. Sie selber zu bauen, steht nicht auf dem Programm.

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