Eiscafé-Betreiber ärgert sich über Richtlinien der Stadt Aachen

Außengastronomie : Ärger um Bartische vermiest das Eisgeschäft

Eigentlich wollte Nevenka Dressler es ihren Gästen auf dem Haarener Markt nur etwas gemütlicher machen. Mit zwei Bartischen in Bastoptik sollte die rund 35 Quadratmeter große Außengastronomie des „Eiscafé Uno“ optisch abgegrenzt werden. Eine schöne Idee, dachte die Inhaberin. Und das dachten auch ihre Kunden. Nur dem städtischen Ordnungsamt schmeckten die neuen Möbel offensichtlich nicht.

Nach nicht mal drei Wochen musste Dressler die 1,08 Meter hohen und zwei Meter breiten Tische wieder entfernen. Der Grund: Sie entsprechen nicht den Richtlinien, die in der „Satzung der Stadt Aachen über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen“ – kurz „Sondernutzungssatzung“ – festgelegt sind. Zudem habe eine Mitarbeiterin der Stadt die Möbel als „hässlich“ bezeichnet, schildert Dressler auf Anfrage. Die Inhaberin, die seit 26 Jahren ihre Kunden in Haaren mit Eis versorgt, ärgert sich über die Beanstandung durch die Stadt: „Da werden einem einfach Steine in den Weg gelegt.“ Zumal die Bartische mit den jeweils sechs Hockern bei ihren Gästen überaus gut angekommen seien. „Jeder hat gesagt, dass die Tische super schön aussehen. Sehr viele Leute haben sich da gerne hingesetzt – Jung und Alt“, sagt sie.

Dresslers Sohn Dako Gajato hatte den Fall bei Facebook öffentlich gemacht. Und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Innerhalb von 24 Stunden wurde der Beitrag in dem Sozialen Netzwerk 340 Mal kommentiert und noch häufiger geteilt. Die meisten Nutzer zeigen wenig Verständnis für das Einschreiten der Stadt. Als „Armutszeugnis“ bezeichnet ein Nutzer das Verbot der Tische, während andere den Verantwortlichen bei Stadt und Verwaltung sogar den Verstand absprechen.

Fakt ist: Nach Paragraf 8, Absatz 7 der Sondernutzungssatzung ist das Aufstellen von Stehtischen in der Außengastronomie „grundsätzlich nicht erlaubnisfähig“. Darauf wird Dressler in einem städtischen Schreiben vom 24. April hingewiesen, das unserer Zeitung vorliegt. Zuvor war sie bereits persönlich ermahnt worden. Als klassische Stehtische definiert Dressler die Neuanschaffung allerdings nicht, schließlich sitze man ja auf entsprechenden Hockern. Die Verwaltung sieht dies jedoch offensichtlich anders.

Gäste des „Eiscafé Uno“ werden ihre Kugel Eis also ab sofort wieder ausschließlich an den herkömmlichen Tischen zu sich nehmen. Und Nevenka Dressler muss das rund 1500 Euro teure Bartisch-Ensemble entweder verkaufen oder sich eine andere Verwendung dafür überlegen. Im Eiscafé selbst sei dafür jedenfalls kein Platz.

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