Aachen: Eintritt in Carolus-Thermen deutlich teurer

Aachen : Eintritt in Carolus-Thermen deutlich teurer

Die Gäste werden aufstöhnen und erheblich tiefer ins Portemonnaie greifen müssen: Zum 1. Juli erhöhen die Carolus-Thermen die Eintrittspreise. „Ziemlich heftig“, gibt Thermen-Chef Werner Schlösser zu, „wir wollen das nicht schönreden.“ In einzelnen Bereichen klettern die Preise um satte 20 Prozent.

„Wir können nicht anders, wir müssen das“, erläutert Schlösser eine Zwangslage. Sie trifft nicht nur die Carolus-Thermen, sondern die Thermen und Saunen bundesweit. Hintergrund: Nach einer aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ordneten die Finanzbehörden in einem „geänderten Umsatzsteueranwendungserlass“ an, dass Thermen und Saunen ihre „umsatzsteuerliche Ermäßigung für die bisher angebotenen Heilbadleistungen“ verlieren. Konkret: Alle Eintrittspreise werden nicht mehr mit sieben Prozent Umsatzsteuer belastet, sondern müssen mit 19 Prozent belastet werden.

Grundpreis bleibt gleich

„Wir sind uns bewusst, dass dies für die Gäste eine nicht unerhebliche Mehrbelastung zur Folge hat“, sagt Werner Schlösser, „dennoch können wir an diesem durch die Finanzverwaltung vorgegebenen Umstand nichts ändern.“

Für die Thermenfreunde kommt es aber noch dicker. „Wir hätten die Preise sowieso erhöhen müssen“, sagt Schlösser. In den vergangenen sechs Jahren seien „einige Eintrittspreise“ unverändert geblieben, während die Personal- und Sachkosten kontinuierlich gestiegen seien. Die Steigerungen müssten jetzt „soweit wie möglich“ abgedeckt werden. Das bedeutet: Ab 1. Juli wird das Auffangen der Kosten den durch die höhere Umsatzsteuer verteuerten Eintrittspreisen auch noch draufgesattelt.

Das wird happig für die Gäste. Der Aufsichtsrat der Kuba (Kur- und Badegesellschaft) trat deshalb zumindest in einem Bereich auf die Preisbremse: Der Grundpreis für 2,5 Stunden Thermalbad bleibt bei 12 Euro (ohne Sauna). Mit Sauna sind 26 Euro zu zahlen (2 Euro teurer). Den Grundpreis, so Schlösser, nutzen 47 Prozent der Stammgäste.

Die weiteren Preisstufen ab 1. Juli: bis 3,5 Stunden 14 Euro ohne, 30 Euro mit Sauna; bis 4,5 Stunden 16 Euro ohne Sauna, mit 33 Euro. Für den vollen Tag (geöffnet von 9 — 23 Uhr) ohne Sauna zahlt der Gast ab 1. Juli 18 Euro (3 Euro mehr), für den kompletten Entspannungstag mit Sauna 36 Euro (6 Euro mehr).

Die Preise gelten von montags bis freitags. Samstags und sonntags sowie an Feiertagen werden 1 Euro (ohne Sauna) beziehungsweise 2 Euro (mit Sauna) zugeschlagen. An solchen Tagen klettert der Eintritt für Therme und Sauna mithin auf den stolzen Preis von 38 Euro — was bei Immer-noch-in-Mark-Denkenden höchstwahrscheinlich zu schwindelartigen Anfällen führen mag.

Nach den schlechten Nachrichten hielt der Ende September aus dem Amt scheidende Thermen-Chef Schlösser eine versöhnliche parat. Um den gebeutelten Gästen den Besuch „zumindest in den Sommermonaten ein bisschen zu verschönern“, werden die Preiserhöhungen abgefedert: Drei Monate, vom 1. Juli bis 30. September 2015, gewähren die Carolus-Thermen auf alle Eintrittspreise einen Rabatt von 15 Prozent.

Werner Schlösser schwärmt und wirbt: „Gerade jetzt im Sommer ist es bei uns besonders schön. Der Thermengarten steht in voller Blüte, die alten Bäume spenden Schatten und unser Mineral-Thermalwasser sorgt in den Außenbecken auch unter freiem Himmel für gesunde Erfrischung. Im Übrigen stehen überall Sonnenliegen für unsere Gäste bereit. Und wer auf Strandfeeling steht, ist auf unserem Carolus-Beach genau richtig.“

Immer noch ein Minus von 1,2 Millionen Euro

Wer ob der neuen Eintrittspreise für die Carolus-Thermen zusammenzuckt, kann in der kommenden Woche für künftige Besuche vorsparen: Die Thermen bleiben von Montag, 22. Juni, bis einschließlich Dienstag, 30. Juni, geschlossen.

An den neun Tagen fallen umfangreiche Grundreinigungs- und Wartungsarbeiten an. „Im 15. Betriebsjahr“, so Geschäftsführer Werner Schlösser, „zeigen sich bei der alten Dame ein paar Verschleißerscheinungen.“

An sechs Tagen geben sich die Handwerker die Klinke in die Hand, Filter werden eingesetzt, Abwasserleitungen erneuert, Fliesen überholt, Maler- und Gartenarbeiten mit neuer Beleuchtung fallen an, die Brandmeldeanlage wird teilweise erneuert, eine komplett neue Computeranlage für die Kasse wird installiert. Als Neuheit und Clou wird das vorhandene Meditations-Angebot um einen „Traum-Salon“ erweitert. In ihm kann der Gast in besonderer Atmosphäre unter Anleitung entspannen kann, von „Mental Wellness“ sprechen die Fachleute.

Nach den technischen Arbeiten werden an drei Tagen Becken und Saunen geschrubbt. Alles in allem fallen rund 400.000 Euro Kosten an.

Noch eine Zahl: Für das Jahr 2014 legte der scheidende Werner Schlösser, nimmermüder Initiator der Therme und von Beginn an der Boss, nach eigener Aussage „den besten Jahresabschluss hin, den wir je hatten“. Heißt aber immer noch: Der Therme bleibt ein Minus, die Stadt buttert jährlich 1,2 Millionen Euro hinzu.

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