„AC2-Innovationspreis Region Aachen“: Eine Software, die die Menschen versteht

„AC2-Innovationspreis Region Aachen“ : Eine Software, die die Menschen versteht

Wo eine Woche zuvor der Internationale Karlspreis verliehen wurde, stand am Donnerstagabend der Sieger des „AC2-Innovationspreises Region Aachen“ im Rampenlicht: Im Krönungssaal des Aachener Rathauses wurde die Cognesys GmbH für ihre Technologie ausgezeichnet, die Sprach- und Schriftinformationen automatisch erfasst, versteht und weiterverarbeitet.

„Viele arbeiten im Bereich Spracherkennung, aber das Entscheidende ist die Art und Weise, wie hier Sprachverstehen entwickelt wird“, führte Marcel Philipp (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Aachen, in seiner Laudatio aus und überreichte den Preis, eine Skulptur des Künstlers Rolf Jägersberg, an Cognesys-Geschäftsführer Bernd Schönebeck.

Der studierte Psychologe hat Cognesys 2005 als Spin-off der RWTH Aachen auf den Weg gebracht. Seit 2008 sitzt das Unternehmen an zentraler Stelle in der Theaterstraße. Mit derzeit 24 Mitarbeitern entwickelt Schönebeck eine Software, „die versteht, was Kunden meinen“. Ein Beispiel: Schreibt ein Kunde, „Guten Tag, hiermit kündige ich Ihnen“, wird das Thema „Kündigung“ erkannt. Schreibt der Kunde hingegen, „Hiermit kündige ich Ihnen die Änderung der Bankverbindung an“, erkennt das System korrekt „Änderung der Bankverbindung“.

Das Besondere an der semantischen Technologie: Es wird nicht lediglich nach Schlüsselbegriffen gesucht, sondern auch der Zusammenhang und Sinn des Gesagten oder Geschriebenen wird berücksichtigt. Dienstleister aller Branchen können so im Idealfall die Anliegen der Kunden im Erstkontakt vollautomatisch beantworten – egal ob per E-Mail, im Chat oder im Bereich Social Media.

Die Technik von Cognesys ist in der Europäischen Union und den USA patentiert. Jetzt steht die Internationalisierung an: „Die Digitalisierung hat uns nochmals einen richtigen Schub gebracht“, so Schönebeck. „Wir werden stark nachgefragt.“ Der Preis sei für ihn eine Bestätigung der innovativen Kraft seines Softwareunternehmens. „Die Welt schielt ja immer auf das Silicon Valley. Aber wir als europäische Unternehmen sollten ruhig mehr Selbstbewusstsein zeigen.“ 2018 war Cognesys bereits als TOP 100 Innovator des deutschen Mittelstandes ausgezeichnet worden.

Das Team PerAGraft (rechts oben) rund um Textilingenieurin Valentine Gesché (2. v. r.) gewann den Gründungswettbewerb und wurde von RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger (r.) gewürdigt. Foto: Andreas Steindl

Preise fürs Gründen und Wachsen

Im Rahmen der AC2-Preisverleihung, moderiert von Stadtsprecher Bernd Büttgens, wurden auch die Gewinner des Gründungswettbewerbs und der Wachstumsinitiative vor rund 600 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gekürt. Grund zur wiederholten Freude hatte daher auch das Team PerAGraft rund um Textilingenieurin Valentine Gesché. Im Mai hatte sie bereits den NRW-Innovationspreis in der Nachwuchskategorie gewonnen.

Jetzt erhielt sie zusammen mit Kathrin Kurtenbach, Alexander Löwen und David Nowak den ersten Preis im AC2-Gründungswettbewerb und damit 10.000 Euro Preisgeld. Das Spin-off der RWTH Aachen entwickelt maßgeschneiderte Gefäß-Implantate für die Therapie von Aortenaneurysmen. Den Preis überreichte RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger, der an diesem Abend auch die Festrede hielt.

Am lautesten jubelte wohl das Gründerteam von Levity Space Systems, ein Spin-off der FH Aachen, das mit dem zweiten Platz (7.500 Euro) ausgezeichnet wurde. Die Gründer, allesamt Ingenieure der Luft- und Raumfahrttechnik, wollen eine neue Infrastruktur für den Transport von Kleinsatelliten anbieten. Der dritte Platz (5.000 Euro) ging an das Projekt SalesTrain Games, das Trainingsprodukte mit spielerischen Elementen für den Einsatz im Vertrieb entwickelt.

Bei den Wachstumsplänen lag die Membion GmbH (rechts unten) um Geschäftsführer Klaus Vossenkaul (2. v. r.) ganz vorne und erhielt den Preis aus der Hand von IHK-Präsident Wolfgang Mainz (r.). Foto: Andreas Steindl

Bei den Wachstumsplänen lag die Membion GmbH ganz vorne: Wolfgang Mainz, Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen, überreichte den ersten Preis in Höhe von 5.000 Euro an das 2012 gegründete Unternehmen aus seiner Heimat Roetgen. Geschäftsführer Klaus Vossenkaul plant nicht nur den Markteinstieg mit dem neu entwickelten Membranfilter für den Einsatz in der Abwasseraufbereitung. Sein Ziel: die Schaffung von 21 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2022 am Standort in der Eifel.

Den mit 2.500 Euro dotierten zweiten Platz belegte die Nadine Röver-Eilmes und Kim Kaschke GbR, die sich im Frankenberger Viertel ein ganz eigenes Friseurreich geschaffen hat. Der dritte Platz (1.000 Euro) ging an die SPT Production GmbH aus Wegberg, einem Spezialisten für die Herstellung von Dichtungsformteilen im Spritzgussverfahren, der sich mit AC2 ebenfalls auf Wachstumskurs gemacht hat.

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