Aachen: Eine Roma-Kunst-Ausstellung in der Studiengalerie

Aachen : Eine Roma-Kunst-Ausstellung in der Studiengalerie

Genau zum richtigen Zeitpunkt, da die Zahlen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Heimatlosen steigen, kommt die Ausstellung „Patrin — Romani Revolution“ in die Studiengalerie der VHS.

Mit den beiden britischen Roma-Angehörigen Delaine und Damian Le Bas stellen zwei gestandene Künstler, Absolventen der Royal Academy of Arts und des St. Martins College of Art and Design in London, aus und setzen sich künstlerisch-politisch mit dem Heimatbegriff, mit Grenzen, Gefühlen, Verwurzeln und Bewegen auseinander.

Delaine Le Bas, von Haus aus Textilkünstlerin, widmet sich vor allem Stoffen. Auf alte Stickereien etwa setzt sie zeitgenössische Textildrucke, womit der Wert der traditionellen Handarbeit gebrochen und gleichzeitig erhöht wird. Eine Kreuzstickerei mit einem Fotodruck von einem Caravan appelliert an den Reise- oder Fluchtcharakter, an Vergänglichkeit und gleichzeitig die Möglichkeit, ein Stückchen Heimat mitzunehmen. Andere Textilkunstwerke, etwa ein Wandteppich, kombinieren wie eine Collage nicht nur Altes und Neues, sondern auch Techniken und Muster, Farben und Strukturen, so dass ein großes künstlerisches Cross-over entsteht, das Ideen und Traditionen aus der ganzen Welt aufgreift und zusammenbringt.

Tierzeichnungen auf Landkarten

Seit rund 15 Jahren bereits ist Damian Le Bas in Sachen Roma-Kunst unterwegs und stellt international aus, in Venedig, Helsinki, Berlin etwa. Demnächst geht er nach Dresden, wo sich eine neue lebendige Kunstszene installiert hat. „Paradise Lost“ oder „Safe European Home?“ sind seine Themen, die er mit Zeichnung, Malerei und Text umsetzt. Elemente der Art Brut springen ins Auge, aber auch Tierzeichnungen etwa auf Landkarten, die stark berühren, weil sie auf eine Welt ohne Grenzen anspielen, in der Individualität und Vielfalt möglich ist.

Angst ist auch ein Thema, das zum Ausgegrenztsein und zur Flucht gehört. Mit ihrer Textilkunst griff Delaine Le Bas dieses Gefühl auf und gestaltete eine Kinder-Schaufensterpuppe zum Objekt, das die gewaltige, erschreckende und gewaltvolle Bandbreite des Lebens unerwünschter Personen nahebringt. Was beim Besucher haften bleibt, ist ein schier unerträgliches Gefühl von Erniedrigung und Schutzlosigkeit der Roma, aber auch Zorn über Verhältnisse, die derart unwürdiges Leben nicht nur billigen, sondern planen und verwalten.

Die Ausstellung, die von Claudia Franken und Karl Thönnissen von der VHS geplant wurde, eröffnet das Thema „Heimat“ als Semesterthema und liefert den künstlerischen Beitrag zu Gesprächen, Vorträgen, Ausstellungen und Filmen zwischen Aachener Geschichten, erlebter Weltgeschichte und Literatur des in Aachen lebenden syrischen Schriftstellers Suleman Taufiq.

„Heimat in der Fremde — eine Sonne, deren Licht dich nicht erreicht“ ist das Thema seiner Veranstaltung. Die bittere Realität des Roma-Lebens ist auch Gegenstand von Filmen, die parallel zur Ausstellung und zum Heimat-Thema unter dem Titel „cineVHS“ im Eden Palast gezeigt werden.

Ausstellung und Filme erinnern auch an die „Roma-Dekade 2005 bis 2015“, mit der zwölf EU-Staaten sich gegen die Diskriminierung der Roma engagieren wollten. Nun läuft diese Dekade aus. So politisch das Thema Roma auch ist, so künstlerisch gehen Delaine und Damian Le Bas es an. „Patrin“ bedeutet Heimat, und ihre Heimat scheint die Kunst zu sein, grenzenlos, weltweit, an keinen Ort gebunden.

Die Ausstellung „Patrin — Romani Revolution“ hängt im Forum der VHS, Peterstraße 21-25, und stellt den Beitrag der VHS zur diesjährigen Aachener Kunstroute dar, mit der sie am 26./27. September endet.

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