Aachen: Eine neue Leiterin für die Montessori-Gesamtschule

Aachen: Eine neue Leiterin für die Montessori-Gesamtschule

Seit dem 3. Mai ist die „Neue” da: Irmgard Braun, 54, ist neue Schulleitern der Maria-Montessori-Gesamtschule. Sie ist Nachfolgerin von Schulleiter Hans Schneider, der sich Richtung Ruhestand verabschiedet hat.

Für ihren neuen Job bringt die Lehrerin für Englisch und Biologie viel Erfahrung mit. Seit 22 Jahren arbeitet sie an Gesamtschulen, seit 13 Jahren in der Schulleitung. Vor ihrem Wechsel an die Bergische Gasse war Irmgard Braun stellvertretende Schulleiterin an einer Gesamtschule in Köln, davor Abteilungsleiterin an der Gesamtschule in Eschweiler.

An ihrer neuen Schule in Aachen, sagt Braun, habe sie eine überaus engagierte Schulgemeinschaft vorgefunden, aktive Eltern und eine sehr rührige Schülervertretung. Mit allen Gruppen will sie eng zusammenarbeiten. „Ich lege viel Wert auf Teamarbeit. Und das entspricht auch dem Geist der Schule.”

Der Geist der Schule wird geprägt von der Reformpädagogik Maria Montessoris. In dieser Tradition möchte Irmgard Braun die gut 1300 Schülerinnen und Schüler auch weiter fördern: mit starker Betonung auf selbsttätigem und ganzheitlichem Lernen. „So gelingt Lernen”, ist die Schulleiterin überzeugt. In Sachen Montessori-Pädagogik drückt sie übrigens auch selbst die Schulbank und absolviert neben dem Schulalltag die geforderte, anderthalbjährige Montessori-Ausbildung. „Das finde ich selbstverständlich.”

Im musisch-künstlerischen Bereich ist ihre neue Schule sehr gut aufgestellt, hat Irmgard Braun festgestellt. „Und das Soziale hat starkes Gewicht.” So engagieren sich alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 8, 9 und 10 im sozialen Bereich. Sie helfen zum Beispiel in Kindertagesstätten und Altenheimen, oder sie kümmern sich in der Schule um Jüngere, die Hilfe brauchen. „Die Schüler lernen hier Teamfähigkeit und erwerben soziale Fähigkeiten”, sagt Braun. „Mit dem Zeugnis wird ihnen das zusätzlich bescheinigt. Und wir hoffen, dass es ihnen auch bei der Berufsfindung hilft.”

Das Profil schärfen

Das Montessori-Profil der Gesamtschule will die neue Schulleiterin gemeinsam mit dem Team weiter schärfen. „Die Montessori-Gesamtschule muss für Eltern eine Alternative sein, zu den anderen Schulen und auch zu den anderen Gesamtschulen. Das will ich noch besser herausstellen.”

Sehr schätzt Irmgard Braun auch die schwedische Reformpädgogin Ellen Key, eine Zeitgenossin Maria Montessoris. Key beklagte 1902, dass der Wissensdrang der Kinder in der Schule verschwinde, „ohne sich in Kenntnisse oder Interessen umgesetzt zu haben”. Das darf nicht geschehen, findet die Schulleiterin. „Die Schüler, die hier herausgehen, sollen Kenntnisse mitnehmen, sie sollen sich aber auch ihre Wissbegierde erhalten.” Die Freie Wahl der Arbeit (FWA), ein spezielles Montessori-Fach, sei hier von großem Wert, ist Braun überzeugt. In der Freien Wahl der Arbeit suchen sich die jungen Menschen selbst Projekte und Ziele, hier ist Raum, um Fragen zu stellen und Fragen zuzulassen. Die Schulleiterin ist überzeugt: „Montessori-Pädagogik und Gesamtschule, das passt hundertprozentig zusammen. Kinder lernen durch Tun, durch Be-Greifen.”

Den naturwissenschaftlichen Bereich allerdings will Irmgard Braun weiter ausbauen und auch die Zusammenarbeit mit den Hochschulen vor Ort verstärkt für die Schule nutzen.

Oberstufe vierzügig

Zwölf Jahre lang hat Irmgard Braun für die Bezirksregierung auch in der Lehrerfortbildung gearbeitet. Die aktuelle Entwicklung in der NRW-Schulpolitik stimmt sie optimistisch: „Ich freue mich, dass das gemeinsame Lernen jetzt wirklich umgesetzt wird.”

Die Zeit der Gerüste und verhängten Fassaden, die über Jahre das Bild der Gesamtschule prägten, hat Irmgard Braun nicht mehr erlebt. Die Fassadensanierung wurde im letzten Herbst endlich abgeschlossen. Wünsche in Bezug aufs Haus hat die neue Schulleiterin aber durchaus. „Die Schule ist zu klein”, beklagt sie. Die Übertrittsquote in die gymnasiale Oberstufe ist hoch, und entgegen den ursprünglichen Prognosen ist die Oberstufe an der Bergischen Gasse nun schon seit ein paar Jahren vierzügig und nicht dreizügig. „Uns fehlen allmählich Räume.”

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