Aachen: Eine Minute der Stille für die Opfer von Solingen

Aachen: Eine Minute der Stille für die Opfer von Solingen

Gedenken an Opfer des Brandanschlags

Ein Zeichen gegen Fremdenhass und Intoleranz setzten rund 50 Aachener am Mittwoch bei einer Gedenkfeier zum Brandanschlag in Solingen. Vor 20 Jahren brannten Neonazis dabei das Haus der türkischstämmigen Familie Genc nieder. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben.

„Was dort geschah, war ein tiefer Einschnitt“, meinte Oberbürgermeister Marcel Philipp, nachdem er die Opfer namentlich genannt hatte. Die türkischen Mitbürger seien verunsichert worden, sie fragten sich nun, ob sie in Deutschland ohne Beeinträchtigungen leben könnten und ob sie überhaupt erwünscht seien.

In vorbildlicher Weise habe sich Mevlüde Genc, die bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor, für ein friedliches Zusammenleben, für Versöhnung zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen und für eine gut funktionierende Nachbarschaft eingesetzt, sagt der Oberbürgermeister.

Ein Zusammenleben auf der Grundlage von Toleranz und Solidarität sollte laut Philipp die Lehre sein, die aus dem Brandanschlag zu ziehen ist. „Nur so kann Verunsicherung überwunden und Vertrauen aufgebaut werden“, sagte Philipp.

Gleichzeitig bedauerte er aber, dass rechtes Gedankengut noch immer in den Köpfen vieler junger Menschen verankert sei. Die Taten des Zwickauer Terror-Trios seien der sichtbare Höhepunkt der von Rechtsextremisten ausgehenden Bedrohung unserer Demokratie.

„Wir müssen alles tun, damit nicht wieder wie damals die Verunsicherung überhand nimmt“, forderte Philipp und forderte die Trauergäste, die sich trotz des Dauerregens um die Gedenktafel der „Wege des Vergessens“ am Rathaus versammelt hatten, zur Schweigeminute auf.

Als stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates, der die Feier angeregt hatte, drückte Paola Blume das Entsetzen und die Trauer des Integrationsrates aus. Die fünf Toten des Brandanschlags könnten bedauerlicherweise nicht ins Leben zurück geholt werden, aber umso wichtiger sei, sie in unserem Gedächtnis wach zu halten und den Rassismus aktiv zu bekämpfen.

„Etwas Ähnliches darf nicht mehr passieren“, sagte sie. Deswegen seien schon viele Initiativen ins Leben gerufen worden. Blume erinnerte daran, dass auch in vielen anderen Ländern Menschen aus rassistischen Motiven gefoltert und getötet werden und forderte einmal mehr auf, dem Rassismus entgegenzutreten.