Aachen: Eine Leitplanke hätte helfen können: Muss Berliner Ring umgebaut werden?

Aachen : Eine Leitplanke hätte helfen können: Muss Berliner Ring umgebaut werden?

Wieder hat es schwer gekracht auf dem Berliner Ring, wieder ist ein Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn geraten, wieder hat es Verletzte gegeben: Der Unfall am Mittwoch erinnert fatal an den ebenfalls folgenschweren Unfall, der sich auf dem selben Streckenabschnitt vor gut zehn Wochen ereignet hat. Für Polizei und Verkehrsplaner stellt sich jetzt auch die Frage, ob womöglich Umbauten nötig sind, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Bereits Mitte April will die städtische Unfallkommission, ein Gremium von Fachleuten zur Bekämpfung von Verkehrsunfällen, wieder zusammenkommen, um sich mit den Brennpunkten auf Aachens Straßen zu befassen. Gut möglich, dass sie sich diesmal etwas intensiver mit der Situation auf dem Berliner Ring zwischen den beiden Kreuzungen zur Von-Coels- und Hüttenstraße sowie zur Breslauer Straße und Charlottenburger Allee befassen wird.

Wenige Tage vor Weihnachten wurde dort ein 27-jähriger Pkw-Fahrer schwer verletzt, der mit seinem Mercedes in den Gegenverkehr geriet und frontal gegen einen Laster knallte. Am vergangenen Mittwoch gab es gleich vier Schwerverletzte. Diesmal kam eine 66-Jährige auf die Gegenspur und prallte mit dem Wagen einer 60-Jährigen zusammen. Beteiligt war zudem ein 42-jähriger Autofahrer aus Alsdorf. Dessen 29-jähriger Beifahrer, die beiden Frauen und ein vierjähriges Kind im Wagen der 66-Jährigen mussten mit jeweils schweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Lebensgefahr bestehe zum Glück nicht, hieß es.

Den Helfern und einem Großaufgebot der Feuerwehr bot sich der Blick auf ein Trümmerfeld. Zur Unfallaufnahme und Räumung der Unfallstelle musste der vierspurige Außenring an der Stelle mitten im Berufsverkehr gut zwei Stunden lang gesperrt werden. Lange Staus im Umfeld waren die zwangsläufige Folge.

Ermittlungen laufen

Die Ermittlungen zum Unfallhergang dauern derzeit noch an, wie Polizeisprecher Andreas Müller am Donnerstag auf Anfrage mitteilte. Von den Ergebnissen wird abhängen, welche Schlussfolgerungen letztlich die Unfallkommission ziehen wird. Das Gleiche gilt für den Unfall im Dezember, dessen Akten derzeit bereits bei der Staatsanwaltschaft liegen.

Bislang zählt das Teilstück des Berliner Rings nach Polizeiangaben allerdings noch nicht zu den Unfallhäufungsstellen. Dafür gelten klare Kriterien, wie Müller erläutert. Erst wenn es auf einem bestimmten Streckenabschnitt innerhalb eines Jahres mindestens drei Mal aus den gleichen Gründen kracht, schaut die Unfallkommission genauer hin. Dies sei an der Stelle bislang nicht der Fall — anders etwa als weniger Meter weiter an der Kreuzung zur Von-Coels- und Hüttenstraße, die tatsächlich als Unfallhäufungspunkt erfasst ist.

Da es viele Faktoren gibt, die zu einem Unfall führen können — zu hohes Tempo, Alkohol und Drogen, Ablenkung durchs Handy, technische Mängel, Übermüdung oder Gesundheitsprobleme — muss in jedem Einzelfall die Ursache ermittelt werden, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dafür ist es am Berliner Ring noch zu früh, wie Müller betont. Doch auch den Beamten ist der Unfall vom Dezember noch gut im Gedächtnis. Und auch ihnen ist aufgefallen, dass es an der Unfallstelle keine bauliche Trennung der Gegenfahrbahnen gibt. Anders als auf anderen vierspurigen Abschnitten des Außenrings fehlen dort Leitplanken oder begrünte Mittelstreifen. Ob das nachgebessert werden muss, ist eine der Fragen, mit denen sich Polizei und Planer beschäftigen werden.

„Leitplanken erschweren natürlich Unfälle im Begegnungsverkehr“, sagt Müller, ohne damit den laufenden Ermittlungen und möglichen Vorschlägen zu Gegenmaßnahmen vorgreifen zu wollen. Klar sei aber, dass die Aufprallgeschwindigkeit von Fahrzeugen im gleichgerichteten Verkehr stets deutlich niedriger als im Begegnungsverkehr ist. Dass dadurch auch die Unfallfolgen minimiert werden und das Verletzungsrisiko der Beteiligten sinkt, sagt einem der gesunde Menschenverstand.

Als ausgesprochene Raserstrecke sei der Abschnitt nicht bekannt, teilte die Stadt am Donnerstag mit, die dort eine stationäre Kamera installiert hat. Wöchentlich würden dort im Schnitt zwar rund 150 Temposünder geblitzt, meist aber nur mit geringen Überschreitungen

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