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Aachen: Eine Kampagne, bei der nichts beschönigt wird

Aachen : Eine Kampagne, bei der nichts beschönigt wird

Die Realität ist manchmal hart: „Crash Kurs NRW” - so lautet der Slogan einer landesweiten Verkehrssicherheitskampagne, mit der die Zahl der schweren Verkehrsunfälle von jungen Erwachsenen gesenkt werden soll.

In einer Art „Schocktherapie” werden auch den Jugendlichen in der Städteregion die Grauen und Schrecken vor Augen geführt, die sich an einem Unfallort bieten können.

Die Präventionskampagne machte jetzt am Einhard Gymnasium Station, wo gut 480 Schüler der 10. Klassen aus weiterführenden Schulen zuhörten. „Wir wenden uns gezielt an die zukünftigen 18- bis 24-Jährigen. Nur 20 Prozent der Fahrer sind in dieser Altersgruppe, aber sie verursachen einen Großteil aller Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Toten”, erklärt Hans-Dieter Wisniewski, Leiter der Polizeidienststelle Verkehrsunfallprävention.

Viele Unfälle seien vermeidbar, sie werden ausgelöst durch Ablenkung, überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol am Steuer. „Wir wenden uns hier auch an die Mitfahrer, die Einfluss auf den Kumpel oder die Freundin am Steuer haben. Wenn jemand alkoholisiert ist, sollte man nicht einsteigen.”

Spürbar betroffen

In der Schulaula war die Betroffenheit der 15- bis 17-jährigen Zuhörer zu spüren und sie nahm von Minute zu Minute zu. „Das Besondere ist, dass wir Fälle zeigen, die vor unserer Haustür stattgefunden haben”, sagt Wisniewski.

Seinen Ursprung hat der Crash Kurs in England, wo es nachweislich zu einer erheblichen Senkung dieser Unfallzahlen geführt hat. Feuerwehrmann Christian Beek macht den Anfang, bevor andere Helfer aus der Rettungskette berichten. Beek berichtet von einem Unfall, der sich an der Monschauer Straße ereignet hat: „Ein Bild des Grauens. Der junge Fahrer hat sein Leben lang an den schweren Verletzungen seines Beins zu leiden. Schuld war er selbst, denn er ist statt 70 Kilometer pro Stunde 150 gefahren.”

Authentisch und persönlich

Der 49-jährige Polizist Balthasar Tirtey berichtete über den grauenhaften Unfall, der sich am Rosenmontag an der Roermonder Straße in Kohlscheid ereignet hat. „Nachdem zwei junge Männer ordentlich Karneval gefeiert hatten, wollten sie nochmal das Auto testen, eine kleine Spritztour nach Aachen machen - das endete für beide tödlich.”

Man merkt dem erfahrenen Polizisten an, dass ihn das Erlebte persönlich mitgenommen hat. „Der Beifahrer war so entstellt, dass man seine Gesichtszüge nicht mehr erkennen konnte. Er verstarb auf der Intensivstation. Erst später habe ich erfahren, dass es ein Klassenkamerad meines Neffen war.”

Rettungsassistent Gregor Rossaint, Notarzt Peter Thomas und Opferschützer Rainer Mundt folgen mit weiteren Schreckensbildern. Der Spannungsbogen geht immer weiter, bis eine Mutter vom Verlust ihrer Tochter vor drei Jahren erzählt. Den Tod ihres geliebten Kindes bei einem schweren Verkehrsunfall in der Eifel wird sie nie verschmerzen können.

„Erschreckend ist vor allem die Tatsache, dass junge Fahrer überproportional häufig Verkehrsunfälle verursachen, hohe Risiken eingehen oder sich nicht an die Regeln halten, sich zum Beispiel nicht anschnallen”, betont Verkehrssicherheitsberater Norbert Karl, der die zweistündige Veranstaltung moderiert. Deutlich werde, dass es oft eine Sekunde ist, die über Leben und Tod entscheidet.

Am nächsten Freitag, 23. März, findet eine weitere Veranstaltung in der Maria-Montessori-Gesamtschule statt.