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Aachen: Eine junge Autorin und ihr geheimes Buch

Aachen : Eine junge Autorin und ihr geheimes Buch

Bereits mit 15 Jahren hat Carina Zacharias ihre erstes Buch veröffentlicht. „Der Wunschbengel“ erschien 2008 im Papierfresserchens MTM-Verlag, der junge Autoren fördert. An dem knapp 100 Seiten starken Buch hatte die damals Jugendliche vier Monate geschrieben.

Inzwischen ist Zacharias 23 und hat weitere Bücher veröffentlicht. Darunter auch den Zweiteiler Emba, mit dessen zweitem Buch, „Emba — Magische Wahrheit“, hat sie es auf die lange Liste für den Deutschen Phantastik-Preis geschafft. Bei einem ihrer Bücher geriet sie jedoch an einen Verlag, den sie heute als verbrecherisch bezeichnet.

„Geschichten haben mich schon immer fasziniert. Vor allem, dass man in sie eintauchen kann: Sie sind eine Ausflucht aus der Realität“, erklärt Zacharias, warum sie so gerne Autorin ist. Sie will diese Erfahrung weitergeben, teilen und anderen die Chance geben, sich in den Geschichten zu verlieren — so wie es ihr ergeht, wenn sie liest.

An dem Autorentraum hielt sie auch nach den enttäuschenden Erfahrungen mit einem sogenannten Dienstleisterverlag fest: Im Winter vor ihren Abiturprüfungen schrieb sie ihren ersten großen Roman fertig: „Das geheime Buch“. Es ist eine 500 Seiten lange Geschichte mit drei Handlungssträngen „und deshalb sehr komplex“, sagt Zacharias.

Der Gedanke, aus dem das Buch entstand, war eine ältere Frau. „Ein Buch kommt in die Läden, landet sofort auf der Bestsellerliste — und die Frau kennt die Geschichte darin.“ Danach stellten sich ihr viele Fragen: Wieso kennt die Frau die Geschichte, was ist darin passiert… „Bei mir ist das nicht so, dass ich einen Inspirationsschub habe und dann drauflos schreibe. Ich starte mit einer Idee und stricke dann nach und nach die Geschichte darum herum.“

Um bei den Handlungssträngen für „Das geheime Buch“ nicht durcheinander zu geraten hat sie selbige an ihrer Zimmertür mit kleinen Zettelchen nebeneinander geklebt. „Immer wieder habe ich die Zettel vertauscht, sie in die Reihe eines der anderen Handlungsstränge eingefügt, um die Geschichten in dem Buch miteinander zu verweben.“

Sie bewarb sich bei verschiedenen Verlagen und bekam schließlich ein Angebot. Der Traum, der gerade in Erfüllung zu gehen schien, wurde aber von einer schweren Entscheidung überschattet: Von Kritikern werden Dienstleistungsverlage als Zuschuss- oder Selbstzahlerverlage bezeichnet. „Etwa 4200 Euro — Geschenke von meinen Großeltern, die ich über Jahre angespart habe, waren meine Eigenbeteiligung.“ Geld, das versandete.

Zacharias hatte damit gerechnet, dass Werbung für ihr Buch gemacht werde. Aber es gab nicht mal Vordrucke. Ausgaben des „geheimen Buchs“ wurden nur auf Bestellung produziert. „Und mein Text wurde nicht mal lektoriert.“ Von dem Verlag habe sie nicht einen Cent gesehen. „Inzwischen hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet und dichtgemacht“, sagt Zacharias.

Jetzt, etwa fünf Jahre später, hat sie ihr Buch selbst veröffentlicht. Online gibt es von verschiedenen Anbietern und Plattformen das Angebot, E-Books selbst zu veröffentlichen. Kostenfrei. Das klingt jetzt einfach: Text hinschicken, fertig. „Aber es ist weitaus mehr Arbeit“, sagt Zacharias. das Buch-Cover hat sie mit einer Freundin entworfen. Dann müsse man auch die Textabstände auf den Seiten millimetergenau einhalten — falls doch jemand eine gebundene Version bestellt, muss die Dicke des Buchrückens eingeplant werden. „Das geheime Buch“ wird nämlich auf Nachfrage auch gedruckt.

„Es ist eine gute Möglichkeit, Bücher selbst zu veröffentlichen und sich unabhängiger zu machen von den Verlagen“, sagt Zacharias. Auch wenn sie betont, dass sie die Arbeit mit dem Bastei Lübbe Verlag, in dem sie bereits an ihrer nächsten Fantastik-Reihe arbeitet, sehr genießt. „Es ist natürlich schon etwas anderes, wenn man mit einer Lektorin arbeitet und bei Fragen immer einen Ansprechpartner hat, Tipps und Ratschläge kriegt.“ Das genieße sie sehr. Bastei Lübbe veröffentlichte auch die Fantastik-Romane „Emba“. Damit schaffte Zacharias es auf die lange Liste des Deutschen Phantastik-Preises. Bis Anfang Mai muss sie jetzt zittern, erst dann erfährt sie, ob sie es in die zweite Runde geschafft hat.

Ihre Eltern haben Zacharias bei der Verfolgung ihres Traums immer unterstützt, „obwohl meine Mutter schon lieber hätte, dass ich mich entsprechend meinem Studiengang bewerbe.“ Zacharias hat eine zweite Leidenschaft: den Umweltschutz. Und diesen hat sie sich als ihr zweites Standbein auserkoren, falls sie den Autorentraum doch einmal aufgeben muss. Sie hat in Münster Landschaftsökologie und in Irland Nachhaltigkeit studiert. Aber auch wenn sie eines Tages vom Schreiben leben könnte, für den Umweltschutz setzt sie sich auch privat ein: Sie ist ehrenamtliche Pressesprecherin des Naturschutzbunds Aachen.