Aachen: Eine Gesamtlösung für die Bäume am Klinikum gibt es noch nicht

Aachen : Eine Gesamtlösung für die Bäume am Klinikum gibt es noch nicht

Fast ebenso laut wie die Kettensägen, die Anfang März die ersten Bäume am großen Klinikumsparkplatz P2 entlang der Kullenhofstraße den Garaus gemacht haben, war beinahe zeitgleich die Empörung im Umweltausschuss der Stadt, als Aachens Politiker und Politikerinnen erstmals mit dieser Zahl konfroniert wurden: 900.

Denn bis zu 900 Bäume müssten den Erweiterungsplänen des Uniklinikums in den nächsten 15 bis 20 Jahren zum Opfer fallen, berichtete Beate Hoffmann vom Fachbereich Umwelt seinerzeit. Peter Asché, der Kaufmännische Direktor des Klinikums, zählte Ende März in einem „Nachrichten“-Gespräch „nur“ 633 Bäume. Fest steht aber: Es sind eine ganze Menge. Und rund 120 von ihnen stehen am kommenden Mittwoch auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung in Laurensberg, auf deren Gebiet das Klinikum liegt.

Anfang März war es soweit: An den Zufahrten zum Parkplatz P2 vor dem Universitätsklinikum entlang der Kullenhofstraße wurden die ersten Bäume gefällt. Foto: Michael Jaspers

Adäquate Ersatzpflanzungen

Dort geht es nämlich um die ­Empfehlungen für die Satzungsbeschlüsse für die Umgestaltung der Kullenhofstraße (Bebauungsplan 1000 S) einerseits und das neue Parkhaus (Bebauungsplan 971) andererseits. Und für beide Vorhaben müssen Bäume weichen.

Im Bereich der Kullenhofstraße können nach der Verwaltungsvorlage 58 Bäume nicht erhalten bleiben, wovon 40 durch satzungsgeschützt sind. Nach der Baumschutzsatzung müssen hierfür 48 Ersatzbäume gepflanzt werden. 28 davon sollen in einem Grünstreifen nördlich der Fahrbahn gepflanzt werden, sieben im Bereich der veränderten Zufahrten zum Parkplatz P2 und 13 weitere auf dem neuen Vorplatz des Uniklinikums. Macht unterm Strich 48.

Vor allem die Laurensberger Bezirksvertreter hatten sich im Vorfeld die Sorgen der Anwohner der Kullenhofstraße zu Herzen genommen und auf adäquate Ersatzpflanzungen bestanden. Dem kommt die Verwaltungsvorlage nach. Denn sie schreibt vor, dass die 25 Bäume, die entlang der Kullenhofstraße gepflanzt werden sollen, einen Stammumfang von 80 bis 90 Zentimetern, eine Höhe von 13 bis 14 Metern und eine Kronenbreite von sechs bis acht Metern aufweisen sollen. Die übrigen drei sollen etwas kleiner sein (circa 80 Zentimeter Umfang, zwölf Meter Höhe, sechs Meter Kronenbreite).

Für das Parkhaus müssen 60 Bäume weichen. Gemäß der Baumschutzsatzung sollen 68 Ersatzbäume gepflanzt werden. Laut Verwaltungsvorlage können 21 davon innerhalb des Planungsgebietes und 18 außerhalb gepflanzt werden. Die übrigen 29 Ersatzpflanzungen sollen im Bereich des neuen Vorplatzes des Klinikums erfolgen.

Bessere Kommunikation gefordert

Beide Vorlagen sehen also die Ersatzpflanzungen in unmittelbarer Nähe zu den alten Baumstandorten vor, worauf sowohl die Laurensberger Bezirksvertreter als auch die Mitglieder des Planungsausschusses bestanden hatten. Die Verwaltung erklärt aber ausdrücklich, dass dies nicht für die komplette Klinikumserweiterung und besagte 900 Bäume gilt.

„Derzeit liegt jedoch noch keine Lösung vor“, heißt es in der Verwaltungsvorlage wörtlich, „wie diese Forderung für die Gesamtmaßnahme beziehungsweise für alle Bebauungspläne im Bereich der Uniklinik umgesetzt werden kann.“ Als Ausgleichsflächen für den Biotopverlust müssten geeignete Grundstücke gesichert werden, fordert die Verwaltung, aber: „Dies kann nicht kurzfristig umgesetzt werden.“

Deshalb schlägt die Verwaltung eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Rheinisches Kulturland vor, die eine Fläche an der Eupener Straße aufwerten will.

Die Eupener Straße freilich liegt weit weg von Laurensberg und dem Umfeld des Klinikums im Bereich Kullen. Daher arbeitet die dortige Politik an alternativen Lösungsvorschlägen, „um möglichst viele Bäume im Bezirk Laurensberg zu behalten“, wie Bezirksbürgermeister Alexander Gilson (CDU) auf Anfrage mitteilt. „Keiner ist hier gegen eine Erweiterung des Klinikums“, fasst Gilson den politischen Konsens in der Bezirksvertretung Laurensberg zusammen.

Und natürlich habe man ein Interesse daran, dass der Erweiterungsprozess bald starten könne. „Aber so ein riesiges Vorhaben muss gut begleitet sein“, fordert er — vor allem im Sinne der Anwohner. Luft nach oben sieht der Bezirksbürgermeister vor allem in der Kommunikation des Klinikums. „Die könnte besser sein“, sagt er.

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