Aachen: Eine erotische Fleischbeschau der anderen Art

Aachen : Eine erotische Fleischbeschau der anderen Art

Maschendraht verwehrt den direkten Blick aufs Fleisch. Rot und saftig liegt es hinter Gittern, ausgeschnitten aus Prospekten von Supermärkten, von unten gepolstert, damit es prall und frisch aussieht. Doch es ist eingesperrt in schwarze Boxen und spricht das Leiden an, das hinter diesem Fleisch steckt.

Sicherlich ist das Thema Fleischproduktion in der Kunst, das Petra Ostré aufgreift, schon älter, doch noch immer sind die Qualen der Tiere, die eigens zum baldigen Sterben in der Fleischindustrie gezüchtet werden, nicht minimiert geschweige denn vorbei.

Nicht vorbei ist auch die Heimlichkeit, mit der die Blicke nicht-öffentlich aufs Fleisch geworfen werden — auch auf das weibliche. Mehr als ein Hauch von Peep-Show-Voyeurismus drängt sich auf angesichts des Blicks in ein kleines Kästchen, das Lust bereiten soll. Doch auch in der Sexindustrie herrscht bekanntermaßen Gewalt, Frauenkörper werden zu Billigfleisch, das teuer bezahlt werden muss. Ganz andere Töne schlägt die Künstlerin mit ihrem „Salon Rouge Noir“ an, in dem es um befreite Lust und Körperlichkeit geht. Schwarz verhüllt sind ihre Aktdarstellungen, die sich auf berühmte Motive bekannter Künstler wie etwa Coubert, Klimt, Picasso und andere beziehen und als Hommage an Sinnesfreuden verstehen.

Sinnesfreuden sind der Ausgangspunkt der Arbeiten von Uta Göbel-Groß, die den zweiten Teil der Ausstellung bestreitet. Mit der Farbe Rot in vielen Schattierungen verbindet sie nicht nur ihre zahlreichen Arbeitsaufenthalte in Südafrika, sondern auch das Leben und die Liebe generell.

Pure Lust

Archetypisch üppig gestaltet sie ihre Frauenfiguren, lenkt die Aufmerksamkeit über die afrikanischen Farben und Formen hin zur Sinneslust, die in der Tantra-Philosophie zum Hauptthema wird. Doch auch bei ihr gibt es nicht nur Sinnesfreuden, sondern ebenfalls eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konsum.

Fragmente abgerissener Plakatwerbung verwendet sie statt einer Leinwand, malt und collagiert Paare weit jenseits von Werbeschönheiten und setzt mit der Reihe „7 days a week“ auf pure Lust und die Visualisierung weiblicher Körperteile. Gewaltige afrikanische Samenkapseln, Fruchthaut, Knochenfragmente, Fundstücke und gar Edelsteine symbolisieren den Reichtum des Lebens, rund um den Ort seiner Entstehung.

Die Ausstellung hängt noch bis zum 9. September in der Produzentengalerie Artikel 5, Bahnhofstraße 33, und kann freitags von 18 bis 20 Uhr und samstags von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden. Nähere Informationen gibt es im Internet auf:

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