1. Lokales
  2. Aachen

Stilles Gedenken: Eine Erinnerung auf der Trauerwiese

Stilles Gedenken : Eine Erinnerung auf der Trauerwiese

Jahr für Jahr sterben in der Stadt Aachen, seit Mai 2019 über 200, still und heimlich viele Menschen, die ohne direkte Angehörige leben. Der Fachbereich Sicherheit und Ordnung trägt für die Bestattung der Verstorbenen Sorge und setzt sie auf den Trauerwiesen des Friedhofes Hüls bei.

Eine Gedenkfeier, die stets im Sommer in der Trauerhalle auf der Hüls stattfindet, musste in diesem Jahr aufgrund der andauernden Ausbreitung des Coronavirus erstmalig ausfallen. Der ökumenische Arbeitskreis Bestattungskultur Aachen, der seit neun Jahren aus Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche und Vertreterinnen und Vertretern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung besteht, hat seine Arbeit aber nicht eingestellt.

Die Gedenkfeier auf der Hüls, die stets Elemente eines Gottesdienstes aufweist, erfreute sich in den vergangenen Jahren vieler Besucherinnen und Besucher: „Zuerst wussten wir nicht, ob eine solche Feier funktionieren kann. Dann aber waren wir überwältigt, als Jahr für Jahr Freunde, Nachbarn und Gemeindemitglieder sie besuchten. Das macht mir jedes Jahr wieder Gänsehaut“, berichtet Elke Wartmann, Ableitungsleiterin im Fachbereich Sicherheit und Ordnung, und seit Beginn der Gründung des Arbeitskreises in die Durchführung der Feier involviert.

„Jeder Verstorbene wird namentlich erwähnt, eine Kerze wird entzündet und zum Schluss ziehen wir mit den Lichtern in der Hand zu unserer Gedenkstätte“, fügt Pfarrerin Bettina Donath-Kreß, Synodalbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises, auch für den Bereich der Stadt Aachen, an.

Die Gedenkstätte, ein gusseisernes Kreuz, das Auszubildende der Friedhofsverwaltung des Aachener Stadtbetriebes angefertigt haben, erinnert an die Verstorbenen. Die Pflastersteine auf dem Weg zum Kreuz zieren dank der getätigten Spenden und dank der Unterstützung der Aachener Steinmetzbetriebe Radermacher und Berghoff die Namen der Verstorbenen. Bereits über 6000 Aachenerinnen und Aachener fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

„Es ist die Aufgabe des Fachbereichs für Sicherheit und Ordnung, Menschen ohne direkte Angehörige zu bestatten. Diese Bestattungen pietätvoll und würdevoll zu gestalten liegt der Stadt Aachen ebenso am Herzen, wie den Vertretern und Vertreterinnen der evangelischen und katholischen Kirche. Von diesem Gedanken getragen haben sich die Verantwortlichen in dem Arbeitskreis Bestattungskultur in Aachen zusammengeschlossen“, erklärt Elke Wartmann.

„Mit der Feier wollen wir die Menschen würdevoll verabschieden. Jeder ist Gotteskind. Auch wenn jemand keine Familienangehörigen hat oder Angehörige, die sich kümmern können und möchten, sollte ein liebevoller Abschied möglich sein“, fügt Ursula Heck, Pastoralreferentin im Bistum Aachen, und eingesetzt an der Grabeskriche St. Josef, an.

Die Pflege der Gedenkstätte und Rasenfläche ist laut Wolfgang Berg vom Aachener Stadtbetrieb ein Gemeinschaftsprojekt: „Vor 2013 gab es die Trauerfelder in der heutigen Art noch nicht und die Verstorbenen erhielten lediglich ein Holzkreuz, das mit der Zeit verwittert. Durch die Gedenkstätte und die Pflastersteine mit den Namen konnten wir einen Zustand erreichen, der uns glücklich stimmt. All das, war nur möglich, weil alle Engagement gezeigt haben.“

Auch Ursula Heck empfindet die jahrelange Zusammenarbeit von Konsens geprägt: „Nie stand bei uns etwas anderes im Raum, als der Gedanke, die Verstorbenen würdig zu verabschieden.“ 

Längst sind die Bestattungsfelder auf den Rasenflächen rund um die zentrale Gedenkstätte belegt. Mit der Neuanlage der notwendigen Bestattungsflächen war und ist es allen ein Bedürfnis, auch den Gedanken des zentralen Kreuzes auf diesen weiter entfernt liegenden Flächen fortzuführen. Möglich werden wird dies dank eines privaten Spenders.

(red)