Wohnen in Aachen: Ein Zuhause zu finden, wird für Studierende immer schwieriger

Wohnen in Aachen: Ein Zuhause zu finden, wird für Studierende immer schwieriger

Die Freude über einen Studienplatz in Aachen ist das eine. Doch dann beginnt für viele junge Menschen, die sich an einer der Hochschulen eingeschrieben haben, der Stress: die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe. Zwar herrschen in Aachen keine Münchner Verhältnisse — an der Isar zahlt man für ein WG-Zimmer teilweise mehr als 600 Euro pro Monat.

Doch wie das Moses-Mendelssohn-Institut in einer neuen Studie untersucht hat, gehört Aachen zu den 20 Städten in Deutschland, in denen es besonders schwierig für Studenten ist, eine Wohnung zu finden. Auch die aktuellen Zahlen des Aachener Studierendenwerks legen das nahe. Die Hans-Böckler-Stiftung hat ebenfalls kürzlich ermittelt, dass in Aachen gerade im günstigen Segment viele Wohnungen fehlen.

Ralf Woelk (links) und Hans Knops erklären die Kooperation. Foto: Harald Krömer

Derzeit hält das Studierendenwerk 5129 Betten vor, sagt Ute von Drathen, Sprecherin des Studierendenwerks. Dabei sind die Wohnformen durchaus unterschiedlich, auch in Bezug auf Größe und Ausstattung. Es gibt Wohngemeinschaften, Einzelzimmer mit Gemeinschaftsküchen. So verschieden die Ausstattung und die Preise auch sind — ein Zimmer kostet zwischen 187 und 367 Euro — so haben die Unterkünfte eines gemeinsam: Sie sind belegt. Und die Warteliste ist lang.

„Insgesamt befinden sich 5500 Bewerber auf der Warteliste“, erklärt von Drathen, davon wollen 4300 Studenten in diesem Wintersemester einziehen. Die anderen haben sich bereits für 2019 beworben.

Die Wohnsituation sei besonders zum Start des Wintersemesters schwierig, so das Moses-Mendelssohn-Institut, das 96 Städte unter die Lupe genommen hat. Anhand verschiedener Parameter wurde der sogenannte „Anspannungs-Index“ ermittelt. Neben Wohnpreisen wurden Studierenden- und Erstsemesterzahlen und das sonstige Immobilienangebot vor Ort untersucht. Das wenig überraschende Fazit: Die Lage ist angespannt.

„Es muss mehr und günstiger Wohnraum geschaffen werden“, sagt Jannis Koesling, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der RWTH auf Anfrage unserer Zeitung. Gerade Studierende aus dem Ausland hätten gleich mehrere Probleme: Sie kommen erst kurz vor Vorlesungsbeginn in die Stadt, wenn schon viele Plätze vergeben sind, haben teilweise wegen ihrer Sprachschwierigkeiten mit Vorurteilen zu kämpfen und Probleme, die Zeit zu überbrücken, bis sie eine Wohnung gefunden haben.

Einen Grund, Notschlafplätze einzurichten, wie es sie in anderen Universitätsstädten gibt, sieht man in Aachen nicht. „Von unserer Seite aus gibt es keine dieser Notplätze“, sagt von Drathen. Die Studierenden entschieden sich für Zwischenlösungen wie Unter- oder Zwischenmieten oder für Wohnungen eines anderen Anbieters.

Grundstückspreise sind zu hoch

Davon gibt es aber in Aachen, wie auch in anderen Städten, wenige: „In vielen Städten sind die Grundstücks- und Immobilienpreise einfach zu hoch, um im privaten Segment noch Mieten darzustellen, die ins studentische Budget passen“, sagt Stefan Brauckmann, Direktor des Moses-Mendelssohn-Instituts. Die finanzielle Förderung von Bund und Ländern sei bisher kaum ein ausreichender Anreiz, doch zu bauen. Das ist die eine Seite des Problems.

Auf der anderen Seite steht das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög), dessen Höhe die reale Situation auf dem Wohnungsmarkt einfach nicht widerspiegle, wie das Institut betont. Auch der Asta kritisiert das: „Der Bafög-Wohngeldsatz reicht außerhalb der subventionierten Wohnheime in der Regel nicht für die Miete“, sagt Koesling.

Apropos andere Anbieter: Ebenfalls beliebt sind Wohnheime, die auf dem freien Wohnungsmarkt entstanden sind. In Vaals steht der „Katzensprung“ mit 460 Wohneinheiten für Studenten. Auch hier gibt es lange Wartelisten, frei werdende Zimmer sind innerhalb weniger Tage vergeben. Weitere private Wohnheime entstehen unter der Federführung der Landmarken AG in der Aachener Innenstadt: Am FH-Campus an der Eupener Straße soll bis 2020 ein Komplex mit rund 220 Wohneinheiten entstehen, weitere 82 Appartments an der Elisen­straße. Doch den Bedarf an günstigem Wohnraum in Aachen kann das nicht decken. Erst vor wenigen Tagen hat die Stadt den neuen Wohnungsmarktbericht vorgestellt. Daraus geht hervor, dass bis 2020 in Aachen 5000 Wohnungen fehlen.

„Die Studierenden sind dabei von den Menschen mit geringem Einkommen noch vergleichsweise gerngesehene Mieter“, sagt Hans Knops, Geschäftsführer des Aachener Mieterschutzvereins, „weil die oft zu mehreren eine Wohngemeinschaft gründen — und dann kann man noch mehr Miete verlangen.“ Der Mieterschutzverein hat am Donnerstag eine neue Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund in Aachen vorgestellt.

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