Aachen: Ein Wohnhaus speziell für Hörgeschädigte

Aachen: Ein Wohnhaus speziell für Hörgeschädigte

„Gehörlose leben in einem herkömmlichen Mietshaus isoliert und ohne die Möglichkeit zu kommunizieren“, sagt Karl Merkelbach, Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter. Umso wichtiger sei es, ihnen ein Umfeld anzubieten, das ihnen die soziale Teilhabe ermögliche.

In diesem Sinne hat das Hörgeschädigten-Zentrum (HGZ) ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen. Neben dem Gebäude des HGZ an der Talbot­straße soll ein Wohnhaus für Hörgeschädigte entstehen, die in besonderem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. „Wir wollen aber keine Enklave sein“, betont Merkelbach. Ein Sinnesgarten soll auch die hörende Nachbarschaft anlocken und zum Austausch einladen.

Gehörlose geraten laut Merkelbach in einem herkömmlichen Mietshaus schnell ins Abseits. „Gespräche mit Nachbarn sind nicht möglich, es sei denn, ein Gebärdendolmetscher übernimmt die Vermittlung“, sagt er. Zudem brauchen Gehörlose Wohnungen, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht werden: Wichtig sind beispielsweise Lichtsignale, die die Klingel ersetzen, oder Bildschirme an der Tür, die die Kommunikation mit Gebärden möglich machen.

Insgesamt 14 solcher speziell ausgestatteten Wohnungen in unterschiedlichen Größen sollen in der Talbotstraße gebaut werden. Laut Merkelbach sind die meisten schon vergeben.

„Ein großes Risiko“

Für das Hörgeschädigten-Zentrum ist das Projekt nach wie vor eine große Herausforderung. „Wir sind nur ein kleiner Verein und tragen ein großes Risiko“, sagt Merkelbach. Zwar wurde das Projekt im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus mit 1,5 Millionen gefördert, aber im Gegenzug musste das HGZ strenge Auflagen befolgen, die nicht nur den Architekten Hans Jansen an den Rand der Verzweiflung brachten. Insgesamt belaufen sich die Kosten des gesamten Projekts ohne Grundstück auf 2,1 Millionen. Der HGZ brachte die noch fehlenden Mittel durch Darlehen, einen Zuschuss der „Aktion Mensch“ und Eigenmittel auf.

Auch für Familien

Für die Gehörlosen sei dieses neue Wohnangebot ein großer Gewinn, meint auch Brigitte Rothkopf, erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter. Sie habe das Projekt überhaupt erst angestoßen, sagt Merkelbach. In dem neuen Haus sollen Gehörlose und ihre möglicherweise hörenden Familien den notwendigen Rahmen bekommen, um sich wohlzufühlen. „Inklusion ist mit Blick auf Gehörlose ein schwieriges Thema“, sagt Merkelbach. Denn die mangelnde Möglichkeit, mit Hörenden zu kommunizieren, schließe sie aus.

Anschluss finden sie demnach vor allem auch im Hörgeschädigten-Zentrum, und das will sich laut Merkelbach jetzt auch allen interessierten Nachbarn öffnen. Zudem soll die Gestaltung der Umgebung des neuen Wohnhauses offen und einladend sein. Auch mit dem Stadtteilbüro Aachen-Nord stehe man in engem Kontakt, sagt Merkelbach weiter.

Der Baubeginn ist für diesen Sommer geplant, bezugsfertig soll das Haus dann im Sommer 2019 sein. Gebaut werden Wohnungen für eine und zwei Personen sowie für Familien. Das Hörgeschädigten-Zentrum freut sich über jede Unterstützung zur Finanzierung. Entsprechende Spenden können an die Stiftung HGZ gerichtet werden: Pax Bank, IBAN: DE48 3706 0193 1000 2000 14.