Aachen: Ein vergessener deutscher Impressionist: Heinrich Gans

Aachen : Ein vergessener deutscher Impressionist: Heinrich Gans

Vor allem die zwanziger Jahre in München und die Aufbruchsstimmung der Secession prägten das frühe Künstlerleben des vergessenen deutschen Impressionisten Heinrich Gans, dem das Atelier Pasch im Tuchwerk Soers eine Ausstellung widmet. Gezeigt werden Arbeiten aus den zwanziger Jahren und der Nachkriegszeit.

34 meist größere Gemälde hängen an weißen Atelierwänden zwischen den Gips- und Bronzeskulpturen von Clemens Pasch, der als rheinischer Bildhauer der Nachkriegszeit bekannt wurde, und entfalten mit ihnen eine stille, aber beredte Raumatmosphäre voller Ruhe und Inspiration.

Nahezu expressionistisch ist der Stil des als Impressionisten bekannten Heinrich Gans, wenn er etwa den Frühling im Berliner Tiergarten oder spielende Kinder unter der Münchener Sonne malt. Deutlich ist die Virtuosität seiner Pinselführung zu sehen und zu spüren, besonders beeindruckend wird die Technik, wenn es etwa um Schneetreiben über Münchener Plätzen geht, wenn Schneeflocken das graue Licht des Winters erhellen und den Blick auf die winterliche Stadt freigeben.

Doch auch die Frühlings- und Sommerbilder beweisen Gans' meisterliche Pinsel- und Lichtführung etwa rund um München, wo ihn der Starnberger See besonders faszinierte. Seine Heimatregion Magdeburger Börde, mit der enormen Weite ihrer sanften Hügellandschaft und ihren unglaublichen Himmeln, wird neben den großen Kunstmetropolen der zwanziger Jahre auch immer wieder zum Motiv seiner Malerei.

Überraschenderweise hat der grandiose Maler Heinrich Gans nie eine Kunstakademie besucht, sondern autodidaktisch sein Wissen und Können erworben. Bei Wind und Wetter, zu jeder Jahreszeit, stand er mit seiner Staffelei vor Ort und malte in der Sinnlichkeit der freien Natur jene Bilder, die nun rund hundert Jahre später noch immer mit fast allen Sinnen aufgesogen werden können. Heinrich Gans' künstlerisches Schaffen, dem ein Studium der Landwirtschaft und Kunstgeschichte vorausging, wurde in den frühen dreißiger Jahren durch den Tod seines Vaters jäh unterbrochen — er musste den elterlichen Gutshof bei Magdeburg übernehmen. Anfang der fünfziger Jahre wurde er enteignet und floh aus der DDR, um sich am Starnberger See niederzulassen. Hier begann seine zweite große Schaffensphase, die in der Ausstellung ebenfalls vertreten ist.

Als vergessener deutscher Impressionist entführt Gans in eine andere Zeit mit einer besonderen Aufbruchsstimmung, die beim Besucher lange nachwirkt. Zu sehen sind die Arbeiten aus der Sammlung Birnbaum noch bis zum 28. April im Tuchwerk Soers, Atelier Pasch, Strüwerweg 116. Geöffnet ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags/sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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