Aachen: Ein Theaterstück auf gleich zwei Bühnen

Aachen: Ein Theaterstück auf gleich zwei Bühnen

Ein Stück auf zwei Bühnen und aus zwei Perspektiven: Das können die Zuschauer des Das-Da-Theaters ab dem 13. März an der Liebigstraße erleben. „Morgenstern“ heißt die neue Produktion, mit der Regisseurin Maren Dupont eine ziemlich einmalige Idee umsetzt.

Und die funktioniert wie folgt: Die fiktive, erfolgreiche Band Morgenstern ist auf großer Tournee. Mehrere Alben sind bereits erschienen, die Band ist mit der Zeit gewachsen. Doch während auf der Konzertbühne die Hits professionell performt werden, kriselt es backstage gewaltig.

... kochen in Halle 2 backstage die Konflikte zwischen den Akteuren hoch. Foto: Harald Krömer

Äußerer Erfolg, interne Konflikte

Beides — äußerer Erfolg und interne Konflikte — kann der Zuschauer live mitverfolgen. Dabei wird aber nicht, wie so oft, die Bühne des Das-Da-Theaters während der Handlung umgeklappt oder verändert. Gespielt wird vielmehr auf gleich zwei Bühnen, in Halle 1 und Halle 2, die in dem Industriegebäude an der Liebigstraße direkt nebeneinander liegen. „In der ersten Halle ist das Konzert zu sehen, in der zweiten der Backstage-Bereich von Morgenstern“, erklärt Dupont. „Beide Bühnen werden parallel bespielt, von den gleichen Schauspielern.“

In der Praxis heißt das: Die Das-Da-Besucher werden bereits mit dem Kartenkauf in zwei Gruppen eingeteilt. Eine erlebt zunächst das musikalische Geschehen auf der Bühne, wechselt dann in der Pause von Halle 1 in Halle 2 — und verfolgt dort, dass während des Auftritts Streitereien und Lebenskrisen ans Tageslicht kommen. Für die zweite Gruppe läuft es genau andersherum.

Die Zeit muss stimmen

Damit das alles reibungslos funktioniert, Abläufe, Handlung und Zusammenhänge perfekt aufeinander abgestimmt werden, proben Regisseurin, Schauspieler und Musiker bereits fleißig. Gerade rocken Mike Kühne, Tobias Steffen und Philip Butz zu ACDCs „Highway to Hell“ ins Mikrofon, Michelle Bray und Elena Lorenzon geben die Backround-Sängerinnen im heißen Lederoutfit.

In den Zuschauerrängen wird derweil für diese Szene VII die Zeit gestoppt. Denn die muss genau exakt übereinstimmen mit der Dauer von Szene VII hinter der Bühne (Halle 2), wo parallel Diego Carlos Seyfarth und Jo Schmitt alte Wunden aufbrechen.

Insgesamt 16 Spielszenen und 16 Musikstücke gibt es, alle müssen zeitlich genau aufeinanderpassen. Eine große Herausforderung, weiß auch Maren Dupont, die sowohl die Song- als auch die Dialogtexte geschrieben hat: „Beim Schreiben habe ich natürlich drauf geschaut, dass die Parallel-Szenen ungefähr gleich lang sind. Aber jetzt bei den Proben muss man hier und da noch nachsteuern.“

Auch beim Bühnenwechsel der Schauspieler — sie sind bei „Morgenstern“ quasi pausenlos im Einsatz — ist gutes Zeitmanagement gefragt. Wer nicht als Rockröhre performt, verlässt die Bühne von Halle 1, wird durch eine Zwischenwand geschleust und taucht dann wieder in Halle 2 auf — in der gleichen Rolle, aber nicht als gut gelaunter Rockstar sondern als Privatperson mit all ihren Problemen, Sorgen und Empfindungen. Auch die Kostümwechsel finden backstage, also in diesem Fall auf der Bühne vor Publikum statt.

Im Backstage-Bereich bestimmen Garderoben, ein Schminktisch und ein paar Sessel zum Ausruhen das Bild. Für die Konzertbühne dagegen hat Bühnenbildner Frank Rommerskirchen eine regelrechte Show aus Licht und Projektionen konzipiert.

„Die Songtexte werden zum Beispiel auf weiße Flächen geworfen, damit die Zuschauer sie mitlesen können. Denn es gibt Querverweise zwischen den Texten und dem Geschehen backstage“, erklärt er.

Dort dreht Elena Lorenzon alias Randy gerade mächtig auf. Jemand hat ihr Kleid in den Schmutz geworfen. Sie ist außer sich. Und vermutet schon, wer ihr Böses will. „Das Grundthema des Stücks dreht sich um die Frage: Was ist echt und was wird an die Öffentlichkeit verkauft?“, sagt Dupont. Und dieses Thema wird auf raffinierte Weise umgesetzt — als Konzert- und Gesangsshow auf der einen, als klassisches Sprechtheater auf der anderen Seite.

Dupont: „Für die Zuschauer wird es ein ganz neues Theatererlebnis.“

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