Aachen: Ein Taxi-Gutschein als Trost für lange Wartezeit

Aachen: Ein Taxi-Gutschein als Trost für lange Wartezeit

Um pünktliches Erscheinen an den Haltestellen wird gebeten, Verspätungen verärgern die Kundschaft im Öffentlichen Nahverkehr.

Getröstet werden die Reisenden beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) mit einer „Pünktlichkeitsgarantie”: Wer zu lange warten muss, bekommt ein Gratis-Ticket. Demnächst soll es ersetzt werden durch einen Taxi-Gutschein.

„Das bisherige Modell hat Schwächen”, räumt AVV-Pressesprecherin Birgit Krücken ein. Vor allem für die treuen Kunden, die Abonnenten nämlich, fällt das Trostpflaster etwas klein aus. Sie bekommen ebenso wie die Benutzer von Einzelfahrscheinen ein sogenanntes Garantie-Ticket, wenn der Bus oder die Bahn mehr als 20 Minuten später an der Haltestelle erscheint als im Fahrplan angegeben oder die Tour komplett ausfällt.

Voraussetzung ist allerdings, dass es für die Kunden keine Fahrtalternativen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt.

Binnen einer Woche können die solcherart gestrandeten Reisenden bei dem Verkehrsunternehmen, das sie über Gebühr warten ließ, einen Ausgleich beantragen. Der besteht aus einem Fahrschein, der einen Tag gültig und zudem übertragbar ist, gültig wahlweise für Stadt und Kreis Aachen, den Kreis Düren oder den Kreis Heinsberg.

Wer beim Ausgleichsantrag einen Fahrausweis mit dem Aufdruck „AVV-Gesamtnetz” einreicht, bekommt natürlich ein verbundweit gültiges Garantie-Ticket.

Für die Benutzer von Einzelfahrscheinen springt mit der Tageskarte also ein gewisser Zugewinn heraus. Treue Abonnenten mit einer übertragbaren Monatskarte hingegen profitieren kaum. Zwar können sie mit ihrem Gratis-Fahrausweis noch eine weitere Person mitnehmen, „aber eigentlich haben sie wenig davon”, meint Birgit Krücken. Deshalb soll bald ein Taxi-Gutschein an die Stelle des Garantie-Tickets treten.

Eigentlich hätte es schon heute soweit sein können: „Die neue Regelung sollte ursprünglich zum 1. April kommen”, weiß die AVV-Sprecherin. Für Verzögerungen sorgten unter anderem Abstimmungsfragen auf Landesebene.

Laut Krücken wollen die Verkehrsverbünde landesweit eine einheitliche Regelung. An der wird zwar noch gefeilt, doch verständigt haben sich die Experten offenbar darauf, dass nach Ablauf der 20-Minuten-Wartezeit die Unannehmlichkeiten mit einem Taxi-Gutschein im Wert von maximal 20 Euro pro Person abgegolten werden.

Das neue Verfahren sei mit einer „höheren Gerechtigkeit für die Kunden” verbunden, so Krücken, praktiziert werde es nun voraussichtlich ab 1. August.

Bis dahin seien noch einige Details zu regeln, weiß die AVV-Sprecherin. So muss etwa noch geklärt werden, was als „höhere Gewalt” gilt und von der Garantie ausgenommen ist. Momentan verweist der AVV auf Streiks und extreme Witterungsbedingungen.

Auch Verspätungen, die sich während der Fahrt ergeben, werden von der Garantie derzeit nicht abgedeckt. Wer etwa in einem Bus sitzt, der im dichten Verkehr seinem Fahrplan immer weiter hinterher hinkt, geht leer aus. Derweil können zusteigende Fahrgäste, die auf eben diesen Bus an der Haltestelle schon über 20 Minuten gewartet haben, einen Ausgleich beantragen.

Allzu häufig kommt das bei Aseag allerdings nicht vor. Nach Auskunft von Unternehmenssprecherin Anne Linden hat das Verkehrsunternehmen im vergangenen Jahr gerade mal 15 Garantie-Tickets ausgegeben.

Also war die Rote Flotte entweder ziemlich pünktlich - oder die Kundschaft so geduldig, dass sie auf die Garantie gepfiffen hat.

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