Ein subjektiver Rückblick aufs Jahr 2018 in Aachen

Unsere Themen des Jahres 2018 : Politik auf der Straße

Die Lokalredaktion der Aachener Nachrichten blickt auf das Jahr 2018 zurück und hat ganz subjektiv ihre schönsten, wichtigsten oder bemerkenswertesten Momente und Entwicklungen aufgeschrieben. Hier: Proteste rund um den Karlspreis.

Aachen am Donnerstag, 10. Mai 2018, später Vormittag. Gerade trägt Angela Merkel ihre Rede zur Zukunft Europas vor. Es ist still im Krönungssaal. Der Preisträger Emmanuel Macron, die anderen Politiker, Honoratioren und Presseleute wollen hören, was die Kanzlerin zu sagen hat. Vielleicht aber auch, was da draußen, vor dem historischen Gebäude, auf dem Markt so laut skandiert wird: Die „Hop hop hop, Tihange stop“ und „Abschalten“-Rufe sind auch im Krönungssaal deutlich zu hören.

Auch wenn Proteste irgendwie zur Karlspreisverleihung dazugehören wie die Printe zu Aachen, so waren für mich der Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und die damit verbundenen Proteste der Atomkraftgegner auf dem Mark ein Sinnbild dessen, was sich derzeit in der Politik tut – ob nun in Aachen oder sonst wo auf der Welt. Die repräsentative Politik reicht vielen Menschen nicht mehr, um das vorzubringen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Der Trend, seine politische Meinung zum Ausdruck zu bringen, beschränkt sich dabei nicht darauf, seine Ansichten ins Netz zu blasen. Nein, die Leute gehen für ihre Überzeugungen wieder auf die Straße. Gelbwesten in Frankreich, Braunkohlegegner rund um den Tagebau Hambach, Demonstrationen gegen das neue, verschärfte Polizeigesetz in Düsseldorf, die Tour Becquerel der Atomkraftgegner in der Aachener Innenstadt oder auch die vielen kleinen Kundgebungen, die gefühlt an jedem zweiten Wochenende rund um den Elisenbrunnen stattfinden, sind nur einige Beispiele.

Die Rufe der Demonstranten waren selbst im Krönungssaal zu hören. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auch die etablierten Parteien bilden keine Ausnahme: Man erinnere sich nur an die Proteste der Jusos, als es um die Neuauflage der großen Koalition von CDU und SPD ging. Politikerinnen und Politiker sollten diese Entwicklung auf dem Schirm haben, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

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