Aachen: Ein Stück Stadtgeschichte bleibt weitgehend unbeachtet

Aachen : Ein Stück Stadtgeschichte bleibt weitgehend unbeachtet

Beinahe unbeachtet ist ein städtischer Jubiläumstag an den Aachenern vorbeigezogen: Der 8. Januar 1166 wird vielfach als Stichtag genannt, an dem die Stadt durch den Freiheitsbrief von Kaiser Friedrich Barbarossa ihre Stadtrechte erhalten habe.

Doch entgegen früheren Beteuerungen seitens der Stadt erinnerte nichts und niemand an das Ereignis, das sich am vergangenen Freitag zum 850. Mal jährte.

11. Januar 2016 Centre Charlemagne, Museeum Aachen Aachener Urkunde Barbarossaprivileg Abschrift von 1166 © dmp, , ,. Foto: Roeger/Krömer

Vor gut anderthalb Jahren hatte die Verwaltungsspitze noch anderes in Aussicht gestellt. So „sollte der 850. Jahrestag des Freiheitsbriefes zum Anlass genommen werden, die Bedeutung dieses Meilensteines im Prozess der Stadtwerdung und der Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung in Aachen hervorzuheben und in geeigneter Weise daran zu erinnern“, hieß es in einer Antwort auf die Anfrage, die Grünen-Ratsherr Hermann-Josef Pilgram im Juni 2014 gestellt hat.

Auf die Frage, welche Überlegungen es gebe, das Jubiläum zu würdigen, teilte ihm die Verwaltung damals mit, dass unter anderem im Centre Charlemagne an den Freiheitsbrief erinnert werden sollte und dass der Rathausverein eigene Veranstaltungen dazu plane. Doch aus diesen Ankündigungen ist nicht viel geworden.

Immerhin: Im Centre Charlemagne kann die Urkunde, deren Original im Stadtarchiv liegt, als Faksimile besichtigt werden, wie Frank Pohle auf Anfrage mitteilt. Seit Dezember leitet der ausgewiesene Kenner der Stadthistorie das Centre Charlemagne. Die Anfrage aus dem Jahr 2014 war ihm nicht bekannt, ein Versäumnis kann man ihm somit schwerlich vorwerfen. Denn auf die Schnelle hätte er in seiner noch kurzen Amtszeit kaum eine gehaltvolle Ausstellung über die Aachener Stadtrechte aus dem Boden stampfen können.

Die einzigartige Bedeutung, die der Urkunde oftmals zugesprochen wird, habe sie aber ohnehin nicht gehabt, ist Pohle überzeugt. Denn anders als in vielen anderen Städten gebe es für Aachen nicht die eine Stadtrechtsverleihung. Vielmehr sei der Freiheitsbrief, der je nach Gusto auch „Karlsprivileg“ oder „Barbarossaprivileg“ genannt wird, nur ein Mosaikteilchen in einem längerfristigen Abnabelungsprozess der Stadt von Adel und Klerus, wie Pohle betont. „Stück für Stück“ habe sich die Bürgerschaft damals ihre Rechte akquirieren müssen, sagt er.

Das Problem ist allerdings, dass viele Urkunden verloren gegangen sind und insofern auch nur schwerlich eine größere Ausstellung um den Freiheitsbrief, in dem der Stadt unter anderem auch das Markt- und Münzrecht zugestanden werden, herum gestaltet werden kann. Pohle: „Es sind nur wenige Zeugnisse für einen sehr langwierigen und komplexen Prozess vorhanden.“

Auch die Fertigstellung des ersten Aachener Rathauses — bekannt als Grashaus am Fischmarkt — rund 100 Jahre später, müsse etwa als wichtiger Markstein in der Geschichte der Stadtwerdung gesehen werden, ebenso das Gelöbnis der Bürgerschaft, eine Stadtmauer zu errichten.

1000-jähriges Jubiläum

Es gibt also noch einiges aufzuarbeiten. Und wenn auf die Aussagen der Verwaltung Verlass ist, erhalten Historiker wie Frank Pohle auch schon bald die nächste Chance, ihr Wissen darzulegen. Denn in ihrem Schreiben an den Ratsherrn Pilgram kündigte die Stadt vor anderthalb Jahren nicht nur Veranstaltungen rund um den Freiheitsbrief, sondern auch folgendes an: „Absehbar ist allerdings, dass voraussichtlich im Jahr 2018 eine kleine Ausstellung in Kooperation mit dem Centre Charlemagne geplant wird, da die älteste im Stadtarchiv Aachen aufbewahrte Urkunde von 1018 eine 1000-jährige Geschichte aufweisen kann.“

(gei)
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