Aachen: Ein strahlendes Lachen als Dank

Aachen: Ein strahlendes Lachen als Dank

Das Steuer seines roten Bobby-Cars hat Najibullah fest im Griff. Zielstrebig fährt der siebenjährige Junge durch den Flur des Luisenhospitals in das Spielzimmer seiner Station. Vor rund einem halben Jahr wäre das noch nicht möglich gewesen, denn Najibullah hat in seinem Heimatland Afghanistan schwere Verbrennungen und Verformungen am linken Arm und am linken Bein erlitten.

Seit seinem zweiten Lebensjahr konnte er nicht mehr, wie andere Kinder, problemlos rennen, klettern oder etwas mit der linken Hand greifen. Doch jetzt, nach drei Operationen im Aachener Luisenhospital, erinnern nur noch einige kaum sichtbare Verbände daran.

Davon haben sich die Vertreter der „Lu-Scheins-Stiftung”, dem „Lions Club Kaiserpfalz”, der „Johanniter Hilfsgemeinschaft” und viele private Aachener Spender nun selbst während eines Besuchs bei Najibullah überzeugen können. Sie haben seine Behandlung tatkräftig mit einer finanziellen Spende an das Projekt „Kinder in Not” des Vereins „Freunde und Förderer des Luisenhospitals” unterstützt. Najibullah dankt es ihnen und den Mitarbeitern des Luisenhospitals mit einem strahlenden Lächeln und einem kleinen Plausch im gerade erlernten Deutsch.

„Es tut gut, wenn man merkt, dass die Hilfe angekommen ist”, sagt Manfred Reinders, Präsident des „Lions Clubs Kaiserpfalz”, während er und die anderen Spender ihrem Schützling beim Spielen mit kleinen Tierfiguren zuschauen. Sein strahlendes Lächeln hat Najibullah der Zahnärztin Dr. Karin Groß zu verdanken. Ihre Behandlung ist unentgeltlich und wäre in Afghanistan für die Familie des kleinen Jungen nicht erschwinglich gewesen.

Die Aachener Spender und die Mitarbeiter des Luisenhospitals haben Najibullah nicht nur seine Beweglichkeit und sein früheres Aussehen zurückgegeben. Sie ermöglichen ihm auch ein neues Leben in seiner Heimat im Großraum Kabul. „Schwer verletzte und behinderte Kinder dürfen in Afghanistan nicht in die Schule gehen und werden von ihren Eltern oft versteckt”, berichtet Dr. Siegfried Grandel, Chefarzt der plastischen Chirurgie im Luisenhospital, aus seiner Erfahrung, die er selbst während seiner Arbeit in dem Land gesammelt hat. Auch er verzichtet auf sein Honorar für die Behandlung des Jungen. Kinder mit Najibullahs Verletzungen würden oft als Bettler leben müssen, weiß der Arzt.

Diesem Schicksal ist der Siebenjährige, der seit Anfang November 2011 in Aachen therapiert wird, nun entgangen. Um seine Rückkehr kümmert sich die Hilfsorganisation „Friedensdorf International”, die im vergangenen Jahr Kontakt mit dem Förderverein des Luisenhospitals aufgenommen und Najibullah dorthin vermittelt hatte. Seit rund elf Jahren helfen die Fördervereinsmitglieder durch diese und eine weitere Hilfsorganisation Kindern mit schweren Verbrennungen, die in ihren Heimatländern nur unzureichend medizinisch versorgt werden können. „Bis jetzt waren 16 Kinder bei uns”, erklärt Siegfried Grandel. „Sie bleiben im Schnitt etwa ein halbes Jahr.”

Erfahrungen mit Deutschen

Najibullah freut sich schon auf seine Familie und seine Heimat, die er nach seinem Rückflug Mitte Februar endlich wiedersehen wird. Dort angekommen, wird er neben seinen neu entdeckten Hobbys wie Fußball wahrscheinlich auch seine neuen Erfahrungen mit Deutschen und anderen Europäern an seine Familie und Freunde weitergeben. Dies sei neben dem medizinischen Behandlungserfolg ein wichtiger Aspekt, unterstreicht Werner Georgi, Vorstandsvorsitzender des Vereins „Freunde und Förderer des Luisenhospitals”. Denn so werde von Deutschen und Europäern, die man Afghanistan oft mit kriegerischen Auseinandersetzungen in Verbindung brächte, ein neues Bild gestaltet.

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