Forst: Ein Spielplatz plötzlich im Visier der Nachbarn

Forst : Ein Spielplatz plötzlich im Visier der Nachbarn

Die Bodelschwinghstraße in Forst — ein eher beschauliches Wohnviertel. Reihen- und Mehrfamilienhäuser größtenteils aus den 1960er Jahren. Dezente Architektur, nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist der kleine Spielplatz in der Mitte der Straße auch nicht.

Ein wuchtiges Klettergerüst in der Mitte, ein Sandkasten — Standard eben. Nicht alltäglich hingegen ist, dass diese Außenstehenden eher als unspektakulär erscheinende Fläche spektakulär viele Seiten in Aktenordnern füllt.

Angelegt hat diese Rudolf Koch, der seit 1965 in der Bodelschwinghstraße lebt. Für Koch und seine Familie und mehrere unmittelbare Nachbarn ist der Spielplatz eher Tatort. Weit über 150 Straftaten, wie er sagt, hat er akribisch aufgelistet — von der Sachbeschädigung über Brandstiftung und Einbruchsdiebstahl bis hin zu Hausfriedensbruch. Von dauernder Lärmbelästigung ist ebenfalls die Rede.

„Wann wollen Sie gegen den Eigentümer des Grundstücks, welches immer noch widerrechtlich genutzt wird, vorgehen?“, hat Koch im vergangenen Jahr an den Polizeipräsidenten geschrieben und meint mit Eigentümer natürlich die Stadt Aachen. Das Ordnungsamt wird regelmäßig eingeschaltet, um nach dem Rechten zu sehen.

Die psychischen Folgen des Treibens vor allem Jugendlicher auf dem Spielplatz hat Rudolf Koch ebenfalls schriftlich niedergelegt: Schlaflosigkeit, Angstzustände, Migräne, psychische Erschöpfungszustände, Schreckhaftigkeit, erhöhter Blutdruck...

Glaubt man dem 70-Jährigen, so ist das Wohnen als Nachbar dieses Spielplatzes also eher Horror denn Heimat. Als ein äußeres Zeichen mag die Verkleidung der Hauswand herhalten. Da muss der ein oder andere Gegenstand ungebeten zu Gast gewesen sein. Mit voller Wucht, entsprechende Schäden sind unübersehbar, Platten sind zerplatzt, die Fassadenverkleidung weist Löcher auf. Für Koch ist klar: Hier wie bei anderen ,,Straftaten“ sind Jugendliche am Werk gewesen, die den Spielplatz ,,missbräuchlich“ nutzen.

Koch pflegt über Jahre hinweg regen Schriftwechsel mit der Stadt, hat vor dem Verwaltungsgericht geklagt, das den Nachbarn, so Koch, ein ,,Anrecht auf störungsfreies Wohnen“ attestierte. Das Gegenteil aber sei der Fall. ,,Das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit wird verletzt“, so Koch. Die Sache war auch juristisch vertrackt. Früher galt das Areal nur als Grünfläche.

Doch der Bebauungsplan wurde vor Kurzem rechtskräftig geändert. ,,Der Spielplatz ist ein Spielplatz“, sagt die Stadt jetzt. Und er werde von Familien auch entsprechend genutzt. Und wenn es Beschwerden wegen „missbräuchlicher Nutzung“ — zum Beispiel durch Jugendliche in den Abendstunden — gebe, dann sei das Ordnungsamt auch zur Stelle. Dass dieser jahrelange Konflikt zwischen Anwohnern und der Stadt von einer durchaus schnellen Lösung nicht weit entfernt sein muss, liegt für Koch und seine Nachbarn quasi in Sichtweite.

Direkt gegenüber des kleinen, aber für Anwohner strittigen Spielareals hat die Stadt vor geraumer Zeit einen großzügigen Spiel- und Bolzplatz angelegt, der in gebührendem Abstand zu den nächsten Wohnhäusern liegt. Vorschlag der Nachbarn: den kleinen Spielplatz in den großen integrieren und schon wären alle Belange berücksichtigt. Mit dem, so Koch, positiven Nebeneffekt, ein weiteres Grundstück für Wohnbebauung zu haben.

Keine Gegenliebe bei der Stadt

Doch das Anliegen von Rudolf Koch und seinen Nachbarn — 38 haben bereits vor zehn Jahren eine entsprechende Petition unterschrieben — findet bei der Stadt wenig Gegenliebe. Der Spielplatz sei für kleinere Kinder gedacht, die Grünfläche auf der anderen Seite für die älteren.

Für Rudolf Koch ist das Theorie. Der Spielplatz sei für Kinder bis 14 Jahre gedacht, kleinere Kinder würden aber auch auf dem großen Platz gegenüber spielen. Da findet ein häufiger Wechsel statt, sagt Koch. „Die Stadt dreht es sich so, wie es ihr passt.“ Gibt es eine Lösung? Rudolf Koch sagt ,,ja“. Das große Spielgerät solle zum großen Platz übersiedeln, der kleine Platz solle nur für Kinder bis acht Jahre geöffnet werden. Koch: „Wir sind da gesprächsbereit.“

(alp)
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