Wohnquartier Luisenhöfe: Ein Sieger im Architektenentwurf ist gefunden

Wohnquartier Luisenhöfe: Ein Sieger im Architektenentwurf ist gefunden

Aus dem städtebaulichen Wettbewerb für das umstrittene Wohnquartier Luisenhöfe im Blockinnenbereich zwischen Boxgraben, Südstraße und Mariabrunnstraße ist ein klarer Sieger hervorgegangen.

Der Entwurf der Büros Hector 3 Architekten aus Düsseldorf und GTL Landschaftsarchitektur aus Kassel soll Grundlage für die weitere Planung und Bebauung des rund 15.000 Quadratmeter großen innerstädtischen Areals werden.

Im Innenbereich sollen neue Wohnhäuser entstehen und möglichst viele Bäume erhalten bleiben. Skizze: Hector 3 Architekten.

Dies gab die Luisenhöfe GmbH bekannt, in der sich die beiden Aachener Immobiliengesellschaften Landmarken und Aixact zusammengefunden haben.

Der Entwurf überzeuge nach Auffassung der Jury durch „eine originelle und dem Ort angepasste Lösung“ und werde „den komplexen Anforderungen an den Standort gerecht“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Konzept sieht unter anderem den Erhalt einer verwilderten Grünfläche vor, die inzwischen als „Boxpark“ bezeichnet wird. Auch soll eine neue Fußwegverbindung über den heutigen Werkhof in Richtung Boxgraben geschaffen werden.

Teile der Bebauung des Kalde-Geländes könnten erhalten bleiben. Als gelungen habe das Preisgericht laut Luisenhöfe GmbH auch die Höhenstaffelung gewertet, „die der quartierstypischen Maßstäblichkeit folgt“. Die in den Hinterhöfen geplanten neuen Wohngebäude sollen drei- bis viergeschossig werden. Einzig ein auf studentisches Wohnen ausgerichteter Bau, der an das bereits vorhandene Parkhaus angrenzen soll, ist sechsgeschossig geplant. In dem geplanten neuen Wohnquartier sollen auch eine Kita und kleinteiliges Gewerbe Platz finden. 30 Prozent der Wohnfläche sollen öffentlich gefördert werden.

Die Planung sieht ferner vor, das Parkhaus an der Nordostseite um 90 Stellplätze und ein Treppenhaus mit Zugang vom Werkhof zu erweitern. Weitere Stellplätze sollen in Tiefgaragen erstellt werden, deren Zufahrt ebenfalls über das Parkhaus geplant ist.

Damit gebe es nun eine gute Basis, „um einen für Aachen typischen und zum Ort passenden Wohnungsbau an dieser Stelle zu etablieren“, heißt es seitens der Luisenhöfe GmbH. Klar ist allerdings, dass der Siegerentwurf noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist und auch aufgrund der Hinweise des Preisgerichts noch weiterausgearbeitet werden soll.

Kritisch begleitet

Darauf drängt nicht zuletzt auch die dort aktive Bürgerinitiative mit ihrem Initiator Karsten Schellmat, die ebenfalls in der Jury vertreten war und das Projekt seit Bekanntwerden der ersten Pläne vor rund zwei Jahren äußerst kritisch mitbegleitet. Der Siegerentwurf sei zwar der beste der insgesamt fünf eingereichten Entwürfe, sagt auch er, „er stellt dennoch nicht die beste Lösung dar.“ So hält die Bürgerinitiative die angestrebte Baudichte immer noch für viel zu hoch, auch werden aus ihrer Sicht zu viele Flächen versiegelt. In jedem Fall müssten noch die Auswirkungen auf das Kleinklima im Block untersucht werden, fordert die Initiative.

Der heiße Sommer habe gezeigt, wie wertvoll das vorhandene Grün sei. Es müsse daher eher gestärkt als überbaut werden. Für zu niedrig hält die Initiative auch den Anteil des geförderten Wohnungsbaus von 30 Prozent. Damit plane man am Bedarf vorbei, glaubt sie. Und schließlich will sie weiter auf ein „nachhaltiges Mobilitätskonzept“ drängen. Das anstehende Bebauungsplanverfahren werde man „konstruktiv, aber kritisch verfolgen“, kündigt Schellmat an. Rechtliche Schritte seien allerdings nicht ausgeschlossen, erklärt die Initiative ausdrücklich.

Das zeigt, wie angespannt die Stimmung im Viertel weiterhin ist und auf wie wenig Gegenliebe solche Bauprojekte auch allgemein bei den jeweiligen Betroffenen stoßen. Einerseits werden in Aachen dringend neue und vor allem bezahlbare Wohnungen benötigt, andererseits fehlen aber die Grundstücke. Die Bebauung der Blockinnenbereiche wird als ein Ausweg aus diesem Dilemma gesehen, über das rechte Maß wird jedoch jeweils hart gerungen.

So haben sich auch die städtischen Planungspolitiker mit den anfänglich vorgelegten Entwürfen für die Luisenhöfe schwer getan, die eine allzu dichte und auf hohe Rendite ausgelegte Bebauung vorsahen. Eben deshalb haben sie auf einen Städtebauwettbewerb gedrängt, der nun mit der einstimmigen Kür von Hector 3 Architekten und GTL Landschaftsarchitektur seinen Abschluss gefunden hat. Den gemeinsamen dritten Platz teilen sich Konrath und Wennemar mit Land Germany aus Düsseldorf und die Kölner Architekten Kister Scheithauer Groß mit A24 Landschaft aus Berlin.

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