Turbulenzen unterm Kirchendach im Pfarrverbund Aachen-Ost: Ein schwieriges Jahr im Zeichen des Neubeginns

Turbulenzen unterm Kirchendach im Pfarrverbund Aachen-Ost : Ein schwieriges Jahr im Zeichen des Neubeginns

Wenn die Gläubigen im Pfarrverbund St. Josef/Fronleichnam am Heiligen Abend gemeinsam die Christmette feiern, so werden die meisten dies wohl in ganz besonderem Maße zum Anlass nehmen, die vergangenen Monate für sich persönlich zu reflektieren. Denn Zeit zur Besinnung gab es in diesem wahrhaft turbulenten Jahr für viele von ihnen womöglich weniger denn je.

Der Sturm der Veränderung ist in jüngster Vergangenheit mit ungeahnter Heftigkeit über die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) im Ostviertel und in Eilendorf hinweggefegt. Ausgelöst worden ist er freilich stets – und auf denkbar unterschiedliche Weise – von Menschen, die das Leben vor allem rund um die Kirchtürme entscheidend mit geprägt haben.

An Heiligabend ist es genau ein Jahr her, dass der völlig überraschende Tod des engagierten OT-Leiters Josef Okon nicht nur die Aktiven im Umfeld des Josefshauses erschütterte, das für seine vorbildliche pädagogische Arbeit seit Jahr und Tag allseits hohe Anerkennung geerntet hat. Die spektakuläre Demission des langjährigen Pfarrers Markus Frohn im September erregte – und entzweite – die Gemüter weit über die Grenzen des Sprengels hinaus. Während eines Gottesdienstes hatte der Geistliche erklärt, dass er von seinem Amt zurücktrete, weil er dauerhafte Liebesbeziehungen zu Frauen hatte. Seine öffentliche „Beichte“ befeuerte nicht zuletzt die heftige Kontroverse um den Zölibat in ungeahntem Maße. Wenige Tage später wurde Josef Gerets, der als Gemeindereferent in St. Fronleichnam als eine der wichtigsten hauptamtlichen Stützen der Pfarre galt, in den Ruhestand verabschiedet. Und während im Leitungsteam noch um strukturelle Konsequenzen gerungen wurde, geriet auch noch die viel frequentierte OT Josefshaus in die Schlagzeilen, weil dort Drogen gefunden und Mitarbeiter massiv bedroht worden waren.

Hat jetzt als „Fernadministrator“ die Nachfolge von Pfarrer Markus Frohn im Gemeindeverbund Aachen-Ost/Eilendorf übernommen: Regionalvikar Frank Hendriks. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Inzwischen, sagt Laila Vannahme, Sprecherin im GdG-Rat sowie im Pfarreibeirat von St. Josef/St. Fronleichnam, sei der Gemeindeverbund indes zumindest in personeller Hinsicht wieder ein wenig zur Ruhe gekommen. Vor kurzem ist Frank Hendriks zum sogenannter „Fernadministrator“ berufen worden. „Das bedeutet, dass verschiedene Leitungsaufgaben delegiert und von verschiedenen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahrgenommen werden“, schreibt Hendriks auf der Homepage der GdG. Denn als Pastor im Pfarrverbund von St. Gregor in Burtscheid und Regionalvikar in der Region Aachen-Stadt hat der Geistliche bereits ein weites Feld zu bestellen. „Wir haben die vielfältigen Aufgaben in Absprache mit den Verantwortlichen des Bistums auf noch mehr Schultern verteilt“, berichtet auch Laila Vannahme.

Die Heiligabend-Mette um 18 Uhr in St. Fronleichnam wird derweil von Domkapitular Gregor Houben zelebriert, der lange als Pfarrer in Eilendorf gewirkt hat. Ebenfalls um 18 Uhr lädt das Josefshaus zur traditionellen Weihnachtsfeier am Kirberichshofer Weg. Auch sie dürfte vor allem im Zeichen der Erneuerung stehen. Im Januar soll die OT mit einer veränderten pädagogischen Konzeption an den Start gehen. Die Diskussion scheint keineswegs beendet; erst vor wenigen Tagen hatten die Piraten im Stadtrat gefordert, auch die Leitung des Hauses neu zu besetzen – der „Umgang mit Drogen“ im Umfeld der Einrichtung müsse weiter „offen und vorbehaltslos thematisiert“ werden, hieß es in einer Pressemitteilung der Fraktion.

Markus Frohn wohnt in Stolberg

Markus Frohn, der wegen seines außerordentlichen Engagements als langjähriger Pfarrer im Ostviertel nach seinem aufsehenerregenden Rückzug viel Verständnis, aber wegen seiner privaten „Verfehlungen“, wie er selbst es formuliert hatte, ebenso viel heftige Kritik erfahren hatte, ist Anfang Dezember übrigens nach Stolberg umgezogen. „Ich befinde mich nach wie vor in der Phase der Neuorientierung, die sogenannte Sustentatio unter Begleitung eines geistlichen Kollegen geht weiter“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Inzwischen hat der 51-Jährige allerdings ein weiteres Aktionsfeld für sich erschlossen: Seit Anfang Dezember bietet er seine Dienste als Redner bei Trauerfeiern und Hochzeiten auch im Internet an.

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