Aachen: Ein riesiges Baugerüst wird bald das Marschiertor umspannen

Aachen : Ein riesiges Baugerüst wird bald das Marschiertor umspannen

Das Marschiertor wird nicht nur zu den mächtigsten noch erhaltenen Stadttoren Westeuropas gezählt, es ist neben Dom und Rathaus auch eines der imposantesten historischen Bauwerke der Stadt. Im kommenden Monat wird es allerdings bis Ende des Jahres hinter einem ebenfalls sehr eindrucksvollen Gerüst verschwinden.

Mit großem Aufwand muss das in die Jahre gekommene Dach saniert werden, teilt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Wenn das Wetter mitspielt, sollen die Arbeiten demnach Anfang April in Angriff genommen werden. Die Zeit drängt, da insbesondere bei Sturm und Regen immer wieder Dachpfannen wackeln und angehoben werden. Dann dringt Wasser ein, der hölzerne Dachstuhl droht wegzufaulen.

Um das zu verhindern und die auch aus Sicht der städtischen Gebäudemanager „sehr elegante Dachkonstruktion“ mit dem charakteristischen Steildach zu erhalten, will man sich nun zügig ans Werk machen. In bis zu 35 Meter Höhe müssen die Dachdecker ihre Arbeit verrichten. Zu den größeren Herausforderungen gehört daher auch der Aufbau des Baugerüsts, das das gesamte Tor überspannen wird und für das eigens ein Statiker verpflichtet werden muss.

Angesichts der Dimensionen muss beim Aufbau auch mit Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Wenn das Gerüst dann erstmal steht, soll der Verkehr auf Lagerhausstraße, Boxgraben, Wallstraße und Franzstraße aber weitgehend störungsfrei fließen können. Der Durchgang durch das Tor wird während der Arbeiten für Fußgänger gesperrt werden, gesicherte Wege werden aber seitlich vorbei eingerichtet.

Zuschüsse zugesagt

Die Aachener werden zeigen müssen, dass ihnen nicht nur der Dom, sondern auch das Marschiertor lieb und teuer ist: Die Kosten für die Dachsanierung sind nach Angaben des Presseamts mit rund 860.000 Euro veranschlagt. Fast die Hälfte der Kosten gehen alleine für das Gerüst drauf. Rund 200.000 Euro seien immerhin als Fördergelder zugesagt, weil es sich beim Marschiertor um ein historisch besonders wertvolles Gebäude handelt.

Den Historikern zufolge soll mit dem Bau um 1257 begonnen worden sein. Es gehörte neben Ponttor, Kölntor und Jakobstor zu den vier Haupttoren der äußeren Aachener Stadtmauer, die bis zum 15. Jahrhundert errichtet wurde. Ausgrabungen belegen, dass das Marschiertor, früher auch Burtscheider Tor genannt, einstmals auch eine Vorburg wie das Ponttor hatte. Sie wurde vermutlich kurz nach dem Stadtbrand im 17. Jahrhundert niedergelegt.

Das Marschiertor war ein Hauptwaffenplatz, es wurde vielfach belagert und besetzt und diente zeitweilig auch als Rumpelkammer und Obdachlosenunterkunft. Heute wird der denkmalgeschützte Bau von der Oecher Penn genutzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stadttor schwer beschädigt und zunächst provisorisch gesichert. In seiner heutigen Form wurde das Dach 1959 errichtet. Die anstehenden Sanierungsarbeiten sollen auch genutzt werden, um das Mauerwerk zu inspizieren.

(gei)